und Kälte ausgehalten und war mit ihrem Vater einem Wild nachgejagt , während zu Hause die warme Suppe dampfte . So war von frühester Kindheit an ihr Wille zu eiserner Festigkeit entwickelt worden und sie sollte jetzt , wo sie wieder die Annehmlichkeiten der Heimat hinter sich gelassen hatte , um einem tausendmal edleren Wild nachzujagen , — jetzt sollte sie von der Verfolgung abstehen , weil das Begehrte einer Andern gehörte ? Nein , das war dieser Frau unmöglich — und da sie diesmal mit Gewalt nichts ausrichten konnte , verfiel sie in die Rolle der gewöhnlichsten Kokette und griff zur List . Herberts Bosheit barg eine Saat , welche der geschäftige Verstand der Gräfin schnell zur Reife brachte , denn sie wußte nur zu gut , wie viel Wahres darin lag , wenn er eine Freundschaft mit ihr als für ein junges Mädchen entehrend bezeichnete . Es war ihr ein furchtbarer Gedanke , daß sie keine Waffe mehr hatte , eine Nebenbuhlerin zu verdrängen , als indem sie diese gleichsam mit ihrem Hauch vergiftete wie eine Pestkranke und sie so dem Geliebten zum Ekel machte . Konnte sie dabei auch nichts gewinnen , so konnte sie sich wenigstens rächen . Sie durchblätterte Ernestinens Schriften . Diese waren ihr zu gelehrt , sie verstand nichts weiter davon , als daß sie für die Emanzipation der Frauen kämpften — das war ihr genung . Auch sie war eine Emanzipierte , das gab einen hinreichenden Anknüpfungspunkt zwischen ihnen Beiden . Vielleicht erwuchs auch aus diesem Verhältnis noch der direkte Vorteil , Möllner bei ihr zu treffen . Der Entschluß stand fest in ihr , Herberts boshaften Wink zu benutzen , es war sein letztes Vermächntnis , denn der zum Tod beleidigte Mann hatte sie nicht mehr aufgesucht , und mit dieser Hinterlassenschaft wollte sie nun wuchern . — Sie studierte noch schnell einige Schriften über Frauenemanzipation , die sie sich in der Eile verschafft , um vor der gelehrten „ grundsätzlich “ Emanzipierten wie Herbert gesagt , mit Ehren bestehen zu können . Heute war der Tag , wo sie ihr Opfer sehen wollte . Sie hatte dazu einen Mittwoch gewählt , weil ihr Herbert erzählte , daß Möllner an dem vorhergehenden Mittwoch bei Ernestinen war . Vielleicht wiederholte er heute seinen Besuch ! Sie tat , nachdem sie aufgestanden war , einen gellenden Pfiff auf einer kleinen silbernen Pfeife . Augenblicklich erschien — kein Hund — sondern eine Kammerfrau mit einem großen Gefäß voll frischen Brunnenwassers , womit sie in einem Badezelt ihre schöne Herrin von Kopf bis Fuß üebergießen mußte . Dann entfernte sie sich stumm und brachte Kaffee und Zeitungen . Die Gräfin , in ein reiches seidenes Morgengewand gehüllt , zündete ihre Zigarre an und warf während des Trinkens flüchtige Blicke in die Journale . Dann ging sie in ihr Toilettenzimmer und rief der dort wartenden Kammerjungfer zu : „ Reitkleid ! “ Nach kurzer Zeit erschien diese mit dem Verlangten . „ Ali ! “ sagte die Grafin , was so viel heißen sollte , als : „ gehe und sage dem Stallmeister , er soll meinen Ali satteln . “ Der kurze Befehl wurde verstanden und mit Windesschnelle ausgeführt . Wie ein Schatten glitt das stumme Wesen aus dem Zimmer , wie ein Schatten stand es wieder vor der gefürchteten Herrin . Die Dienerin dieser Frau durfte keinen Kopf , keine Seele , kein Herz haben ; nur Ohren , um ihre Befehle zu hören , und Hände und Füße , um sie auszuführen . Das bemitleidenswerte Geschöpf gab sich die erdenklichste Mühe , um diese Bedingungen so viel als möglich zu erfüllen . Sie war nur Ohr , nur Hände und Füße . Sie atmete kaum , denn es war , als sauge die gewaltige Lunge ihrer Gebieterin alle Luft in ihrem Gemache auf einmal ein , so daß für keinen Andern mehr genug zum Atmen übrig blieb . Sie stellte sich hinter die Gräfin , die rauchend vor dem Spiegel saß , und begann ihr so behutsam als möglich das lange Haar zu kämmen . Die schöne Frau betrachtete sich heute mit besonders prüfendem Blick . Eine Einzelheit ihres sonst tadellosen Gesichts , die ganz leise an den russischen Typus erinnerte , brachte sie in die übelste Laune , sie fand ihre Backenknocken etwas zu stark vortretend . In dem Augenblick zerrte sie das Mädchen beim Entwirren der Haare . Das war zu viel auf einmal für ihre Geduld . „ Maschinka ! “ schrie sie auffahrend und riß der Unglücklichen den Kamm aus der Hand . Ein Blitz , ein Schlag — stumm bückte sich das Mädchen , um die Stücke des zersprungenen Kammes aufzuheben . Auf ihrer blassen Wange brannten alle Zähne desselben , aber kein Wort , kein Schmerzenslaut entschlüpfte ihren Lippen , nur ihre Augen röteten sich ein wenig . „ Nimm einen andern ! “ befahl die Gebieterin , als wäre nichts gewesen und setzte sich wieder . Maschinka gehorchte und beendete ohne weiteren Unfall Frisur und Anzug . Dann brachte sie Gerte , Hut und Handschuhe und die Gräfin stieg die Teppich belegte Treppe hinunter . Plötzlich blieb sie stehen und rief : „ Maschinka ! “ „ Gnädigste Gräfin ! “ „ Tut Dir Deine Backe weh ? “ „ O nein ! “ flüsterte das Mädchen . „ Freilich — lüge nicht ! Nun , nimm Coldcream aus der silbernen Büchse auf meiner Toilette und reibe Dich damit ein — und die Büchse , die magst Du dazu behalten , ich schenke sie Dir . “ Ohne Maschinkas Dank anzuhören , schritt sie weiter . In dem Hofe wurde der prachtvolle Araber schäumend und schnaubend umhergeführt . Sie winkte dem stämmigen Bartrussen , der das bäumende Roß kaum bändigen konnte . Er führte es vor . Ein anderer Diener in seiner Livree brachte Zucker auf einem silbernen Teller . Sie fütterte das edle Tier , das sich sogleich beruhigte , küßte es auf die glatte