worin sie Meister war , als er aber schließlich den eigentlichen Zweck seines Kommens berührte , lachte sie ihn so herzlich aus , daß er sich , nicht ohne Verlegenheit , von der alten » ma tante « verabschiedete . Wurde auch nicht wieder gesehen . Dieser Neffe aber , der im Einspänner von Rheinsberg nach Köpernitz gefahren war , war niemand anders als der frühere Befehlshaber der französischen Armee in Rom – General Goyon . Die Marquise , und damit schließen wir , war eine stolze , selbstbewußte Frau . Sie repräsentierte die Vornehmheit einer nun zu Grabe getragenen Zeit , eine Vornehmheit , die von der Gesinnung unter Umständen abstrahierend und ihr Wesen in eine meisterhafte Behandlung der Formen setzen konnte . Diese Formen waren bei der Marquise von der gewinnendsten Art , und ihr Auftreten entsprach dem Urteile , das ich einst über sie fällen hörte : » frei , taktvoll und originell zugleich « . Herrschen und ein großes Haus machen , waren ihre zwei Leidenschaften . Je mehr Kutschen im Hofe hielten , desto wohler wurde ihr ums Herz , und je mehr Lichter im Hause brannten , desto hellere Funken sprühten ihr Geist und ihre gute Laune . Sparsam sonst und eine Frau , bei der die Rechnungsbücher stimmen mußten , erschrak sie dann vor keinem Opfer , ja der Gedanke berührte sie kaum , daß es ein Opfer sei . Nach Sitte der Zeit , in der sie jung gewesen , sah es um sie her aus wie in einer Arche Noah , und vom Kakadu an bis herunter zu Kanarienvogel und Eichhörnchen , fand sich in ihren Zimmern so ziemlich alles beisammen . Katzen und Hunde waren natürlich ihre Lieblinge und durften sich alles erlauben , ja , eintreffender Besuch pflegte meist in nicht geringe Verlegenheit zu geraten , wo Platz zu nehmen sei , wenn überhaupt . Aber mit dem Erscheinen der alten Marquise war sofort alles vergessen , man achtete der Unordnung nicht mehr , und was bis dahin lästig gewesen war , wurde jetzt charakteristisches Ornament . Ihre Rede riß nicht ab , und wurde Rheinsberg oder gar » der Prinz « zum Gegenstande der Unterhaltung , so vergingen die Stunden wie im Fluge , ihr selbst und anderen . Ihr Tod war wie ihr Leben und hatte denselben Rokokocharakter , wie das Sofa , auf dem sie starb , oder die Tabatiere , die vor ihr stand . Ihre Lieblingskatze , so hieß es , habe sie in die Lippe gebissen . Daran starb sie ( oder doch bald darauf ) im neunundachtzigsten Jahre , dem 18. Mai 1859 . Mit ihr wurde die letzte Repräsentantin der Prinz-Heinrich-Zeit zu Grabe getragen . Köpernitz Köpernitz Rote Dächer , die verschwiegen Still an Wald und Wiese liegen . Köpernitz , auf dem die Gräfin La Roche-Aymon geb . von Zeuner ihr reich bewegtes Leben beschloß , ist ein Platz von einer nicht gerade frappanten , aber doch von einer poetischen und nachhaltig wirkenden Schönheit . Man begreift eine stille Passion dafür . Das Herrenhaus ist von großer Einfachheit : ein Erdgeschoß ( neun Fenster Front ) mit Dach und Erker . Dem entsprechend ist die Einrichtung , aber durch Bilder und Erinnerungsstücke reichlich aufwiegend , was ihr an modernem Glanze fehlt . Das einladendste Zimmer des Hauses ist der Salon der den Blick auf eine große Parkwiese hat . Hier , an einem milden Herbsttage , bei offenstehender Tür und Kaminfeuer , ist es gut sein . In eben diesem Salon befindet sich auch die Mehrzahl der historischen Wertstücke . Darunter zunächst folgende Bilder : 1. Hofmarschall von Zeuner , Großvater des gegenwärtigen Besitzers . 2. Hofmarschallin von Zeuner , geb . Gräfin Neale . 3. Graf Neale , Bruder der Hofmarschallin von Zeuner . 4. Oberst von Zeuner , Kommandeur des 4. ( schlesischen ) Husarenregiments ; Vater des gegenwärtigen Besitzers . 5. Frau Oberst von Zeuner , geb . Baronesse Oettinger . Bild aus der Zeit vor ihrer Vermählung . 6. Baronin von Oettinger ( Mutter der vorigen ) , von Tischbein gemalt . 7. Gräfin La Roche-Aymon , geb . von Zeuner , Tochter des Hofmarschalls , Schwester des Obersten von Zeuner , Vorbesitzerin von Köpernitz . 8. Graf La Roche-Aymon . 9. Kardinal Ra Roche-Aymon ( gutes Bild ) ; Oheim des Grafen La Roche-Aymon . 10. Prinz Louis Ferdinand ( sehr gut ) . – Bis zum Tode der Gräfin La Roche-Aymon befand sich noch ein zweites Bild des Prinzen Louis in Köpernitz , das dem Sohne des letzteren , dem General von Wildenbruch , gehörte und nur » leihweise auf Lebenszeit « der Gräfin überlassen worden war . Nach dem Hinscheiden derselben erhielt es General von Wildenbruch zurück . ( Ein drittes treffliches Bild des Prinzen Louis Ferdinand befindet sich in Wustrau . ) Außer diesen Bildern interessiert zumeist eine Rokokokommode mit vergoldeten Griffen und Marmortafel . In den Fächern dieser Kommode ( damals in Rheinsberg ) befand sich die vom Prinzen Heinrich niedergeschriebene Geschichte des Siebenjährigen Krieges . Unmittelbar nach dem Tode des Prinzen erschien eine » Kommission « in Rheinsberg und nahm das Manuskript , von dessen Existenz man in Berlin Kunde hatte , mit sich , um es im Staatsarchive zu deponieren . Diese Lesart ist die wahrscheinlichste . Nach einer anderen Version aber wäre das Manuskript verbrannt worden . Träfe dies zu , so würde der Welt eines der denkbar interessantesten Bücher verlorengegangen sein . Und doch mag es zweifelhaft erscheinen , ob ein solcher Verlust , wenn er überhaupt stattgefunden , zu beklagen wäre . Der Prinz – soviel war schon bei seinen Lebzeiten laut geworden – hatte strengste Kritik geübt , namentlich auch gegen seinen königlichen Bruder , und es würde die Kenntnis über diesen vielleicht mehr verwirren als aufklären , wenn wir plötzlich Urteilen begegneten , deren Gerechtigkeit , bei dem mit allen Vorzügen aber auch mit allen Mängeln des vorigen Jahrhunderts reich ausgestatteten Prinzen , zunächst