Oder man müßt ein Lauskerl sein . Ich geh gleich , weißt ! Möcht bloß ein Zeitl bei der Mutter bleiben . Und rasten ein lützel . Nachher reit ich wieder . Ist das letztemal gewesen , daß ich kommen bin . Behüt dich , Schwägerin ! Tu mir den Bruder grüßen ! « Langsam , in seinem klirrenden Eisen , ging er zu der alten weißhaarigen Frau hinüber , die nicht merkte , daß er kam . Schweigend ließ er sich nieder ins Gras und lehnte den Kopf gegen den Schoß der Mutter . Immer spielte sie mit den drei Goldpfennigen . Und nun war es wie Schmerz in ihrem Gesicht . Heftig schob sie die verkrümmte Faust gegen den Kopf des Malimmes hin und sagte klagend : » Du tust mich drucken . « Er nickte . » Gelt , ja ? « Und stieß einen Laut vor sich hin wie ein Räuspern . Dann sprang er auf , daß seine Wehrstücke rasselten . Ein tiefer Atemzug . Schweigend streifte er die Hand über den weißen Scheitel der alten Frau . Und rasch sich wendend , ging er auf den Gaul zu , riß den Zügel von der Zaunlatte los und sprang in den Sattel . Keuchend jagte das Roß gegen die Straße hin . Malimmes ritt über das Wiesengehänge zu den Schwarzecker Höfen hinauf und gegen den Totenmann . Auf der Schneide des Waldberges hielt er an . Von dieser Höhe hatte er freien Ausblick . Er koppelte den Gaul an eine lange Schnur und ließ ihn grasen . Dann setzte er sich auf die Erde hin , nahm den Kopf zwischen die Fäuste und spähte gegen Berchtesgaden hinaus . In der Sonne des reinen Tages war ein blauer und grüner Traum von Schönheit um ihn her . Aber Malimmes sah nur den kleinen , bunten , wirren Häuserfleck da draußen im Tal . Ein glühender Abend sank . Den Gaul führend , stieg Malimmes in die Ramsau hinunter . Es wurde finster , bis er das Leuthaus erreichte . Einige Zecher saßen noch beim Kienlicht in den Bretterbuden . Überall hörte man den Schritt von Wachen . Die Zelttücher pluderten im Nachtwind , und schlafende Spießknechte , in ihre Mäntel gewickelt , lagen um die halb erloschenen Feuer her . Im Garten standen die Pferde der zwölf Harnischer unter Sattel . Malimmes koppelte seinen Gaul an einen Baum , nahm den Mantel und legte sich ins Gras . Er fand keine Ruhe . Wieder und wieder hob er den Kopf und lauschte in die Nacht hinaus . Erst gegen Morgen , als bei spätem Mondlicht die Sterne zu verblassen begannen , zerbrach ihm die Müdigkeit den Willen und drückte ihm einen bleiernen Schlummer auf die Augen . Im Grau des jungen Tages weckte ihn plötzlich ein wirrer Lärm . Den Hof des Leuthauses füllte ein aufgeregtes Gewühl von Menschen und Pferden , irgendwo kreischte die weibische Stimme des hochwürdigen Herrn Franzikopus , der zu befehlen schien , was niemand befolgte - und aus weiter Ferne dröhnte der dumpfe Donner eines schweren Geschützes . » Holla ! Die Supp ist gar ! « Mit diesem Schrei sprang Malimmes zu seinem Gaul hinüber . Ein Ruck an den Gurten , dann saß er im Sattel , mit dem Bidenhänder vor der Brust , in der Hand das blanke Kurzeisen . So jagte er durch den Hof des Leuthauses . Er sah noch , wie Herr Franzikopus sehr aufgeregt mit den Armen winkte . Und einen der zwölf Hämischer , die gerade davontrabten , hörte er auf der Straße schreien : » Höi ! Mit uns ! Befehl des Hauptmanns : durch das Schwarzenbachtal nach Plaien ! « Malimmes brüllte : » Reitet dem Teufel zu ! « Und riß den Gaul herum , gegen die neue Schanze beim Windbach . Er wußte , daß er eine nutzlose Dummheit machte , die ihn Freiheit und Leben kosten konnte . Aber machen mußte er sie , mußte sich wehren gegen einen fallenden Berg , mußte mit dieser sinnlosen Tapferkeit lächerlich werden vor sich selbst . Auch bei der Windbacher Schanze war Aufruhr und Streit , die Spießknechte des Herzogs wollten nach Plaien abmarschieren , die Söldner des heiligen Zeno wollten es hindern . Malimmes ritt in den Schwärm hinein und schrie : » Das Schanzentor auf ! Ich muß nach Kundschaft reiten . Herr Franzikopus hat ' s geboten . Gotts Teufel , das Tor auf ! « Man hob die Sperrbalken , und Malimmes jagte über die freie Straße hinaus . So lange der Wald dauerte , mußte der Gaul rasen , als hätte er Feuer unter dem Schweif . Bei den freien Wiesen der Strub waren die Kräfte des Tieres erschöpft . » In Gottsnamen , so verschnauf ! Ist doch eh ein Unsinn ! « Bei dieser klugen Einsicht brannten dem Malimmes die Augen vor Sorge . Immer lauschte er und spähte . Nichts war zu hören , nichts zu sehen , was seine Sorge hätte mehren können . Diese kühle Helle kam wie schöner Friede . Nur über den steilen Wiesen droben , wo die Straße zum Hallturm liegen mußte , dampfte ein graues Gewoge . War ' s Morgennebel ? Oder die Staubwolke eines Reitertrupps ? Dem Malimmes kam wohl der weise Gedanke , den Gaul über das Gehänge hinaufzuführen und die nach Plaien laufende Straße zu suchen . Da wäre er seines Lebens sicher gewesen . Das wußte er . Und dennoch begann er wieder den erschöpften Gaul zu treiben und hetzte über die Straße hin , die nach Berchtesgaden und zum Haus des leidenden Amtmanns führte . Er kam an niedergebrannten Höfen vorüber , an einer Staude , bei der zwei übelriechende Schläfer lagen , erschlagene Bauern , von deren Leibern beim Nahen des Reiters ein Krähenschwarm davonflatterte . An solche Bilder war Malimmes gewöhnt . Sie hielten ihn nicht auf . Und er hatte zu denken . Immer mußte er sich fragen