so heilig gehalten , wie die Häuptlinge es wünschen . Uebrigens gibt es so viele Leichen hier , daß der Ausdruck Haus des Todes gar wohl auch berechtigt ist . Gehen wir sogleich hinein ? « » Wie weit ist es von hier bis zum See ? « » Bis zum Wasser nur zweihundert Schritte . « » So müssen wir vorsichtig sein . Es kommen nicht nur einheimische , sondern auch fremde Indianer her , welche das Verbot , diesen Ort hier zu betreten , wohl kaum beachten werden . Wir müssen also vor allen Dingen unsere Pferde verbergen und uns Mühe geben , keine Spuren zu verursachen . Erst wenn das geschehen ist , betreten wir den Tempel . Suchen wir also nach einer Stelle , die sich zum Versteck für uns und die Pferde eignet ! « » Die ist bereits gefunden , « sagte Kakho-Oto . » Ich habe gesucht , noch ehe ich den See verließ , um euch entgegen zu reiten . Kommt ! « Sie führte uns eine kurze Strecke zurück und dann in eine Seitenschlucht hinein , aus welcher wieder eine dritte Vertiefung abzweigte , die grad groß genug war , sich für unsere Zwecke ganz vortrefflich zu eignen . Es gab da Wasser und Grünfutter mehr als genug . Wir sattelten ab , hobbelten die Pferde und die Maultiere an und gaben ihnen unsern alten Pappermann als Wächter . Er war ganz damit einverstanden , nicht überall mit herumkriechen zu müssen ; so drückte er sich aus . Wir andern aber kehrten nach dem Haus des Todes zurück . Dort wieder angekommen , schritten wir zunächst die Umgebung ab . Es war die Spur weder eines Menschen noch eines Tieres zu sehen . Wir verwischten mit Hilfe von Zweigen unsere Fährte sofort hinter uns her . Als wir vorhin von der Höhe unseres gestrigen Lagers herabkamen , waren wir an die Rückseite des Baues gelangt . An dieser Seite befand sich , wie bereits beschrieben , das Tor . Dies war hinter Büschen und Bäumen derart verborgen gewesen , daß kein Mensch geahnt hätte , daß hier ein Tempel stehe . Erst als zufällig ein verlassenes , aber nicht ausgelöschtes Lagerfeuer weiter um sich gefressen und das Gebüsch zerstört hatte , war das Tor sichtbar und das Geheimnis verraten worden . Man sah die Spuren des Feuers noch jetzt am verräucherten Gestein . Als wir von der Hinter- nach der Vorderseite des vermeintlichen natürlichen Felsensturzes gelangten , sahen wir das Wasser des Sees in der bereits angegebenen Entfernung vor uns liegen . Die an- und übereinandergehäuften Quader und Steinbrocken waren also vom See aus sehr deutlich und auch weithin zu sehen , machten aber einen so natürlichen Eindruck , daß gewiß kein Mensch von selbst auf den Gedanken gekommen wäre , daß es sich um ein künstliches Bauwerk handle . Der Felsenabsturz war so steil und derart angeordnet , daß man ihn unmöglich ersteigen konnte . Nur in den Winkeln , wo sich im Laufe der Zeit der Staub der Lüfte angesammelt hatte , gab es ein wenig Grün , sonst aber war alles nur glatter , lebloser Stein . Hierauf konnten wir zur Betrachtung des Innern gehen . Durch das Tor eingetreten , befanden wir uns in einem nicht allzu weiten , aber sehr hohen Raum , dessen Bau ein ganz eigentümlicher war . Man denke sich einen auseinandergeschnittenen , also halben Zuckerhut , der mit seiner geraden , senkrechten Schnittfläche am Felsen lehnt , während seine gebogene , halbkegelförmige Wand von den Felsenstücken gebildet wurde , aus denen der vermeintliche Bergsturz bestand . Diese Wand ging also nicht senkrecht , sondern schief nach innen empor . Sie bildete keine glatte Fläche , sondern ihre riesigen Quader lagen derart neben- und übereinander , daß immer auf einen vorstehenden ein zurückliegender folgte . Hierdurch wurden Nischen gebildet , die zur Aufbewahrung von Mumien , Skeletten oder einzelnen Knochenteilen dienten . Am Boden , genau auf der Mitte desselben , stand ein steinerner Altar . Er besaß , wie wir erst später bemerkten , im Innern eine Höhlung , auf welcher eine schwere , glatte Platte lag . Die Seitenflächen dieses Altares zeigten vierundzwanzig Relieffiguren , nämlich zwölf Adlerfedern und zwölf festgeschlossene Hände . Es wechselte je eine Hand mit einer Feder ab . Die geschlossene Hand ist das Zeichen der Verschwiegenheit . Die Figuren sagten also , daß nur Häuptlinge sich diesem Altare nahen durften und daß über alles , was da beraten und vorgenommen wurde , die Geheimhaltung zu beobachten sei . Die Platte sah in ihrer Mitte schwarz aus . Es hatte bei jeder Beratung ein Feuer auf ihr gebrannt . Besondere Sitze , wenn auch nur aus Stein , sah man nirgends . Die Beleuchtung dieses fremdartigen Raumes war , fast möchte ich sagen , eine magische . Es herrschte , genau abgemessen , ein Zweidritteldunkel . Das wenige Licht , was es gab , kam durch die Quadermauer . Man hatte von Stelle zu Stelle in ihr einen Quader ausgelassen , so daß Oeffnungen entstanden waren , durch welche der Schein des Tages Zutritt finden konnte . Aber die Mauer war außerordentlich dick , so daß eine jede dieser Oeffnungen schon mehr einen tiefen Gang nach außen bildete , dessen Ende von unten aus nicht zu ersehen war . Zudem waren die Oeffnungen von draußen sehr fürsorglich verkleidet worden , damit man sie nicht etwa vom See aus bemerken möge . Es ging also von dem hereinbrechenden Lichte der größte Teil verloren , noch ehe es das Innere des Tempels erreichte . Ich habe eine ähnliche geheimnisvolle Beleuchtung in einigen ägyptischen Königsgräbern gefunden , die allerdings sehr niedrig sind . Dieser Tempel am » See des Todes « hatte aber eine solche Höhe , daß die Wirkung sich unendlich steigerte . In jeder Nische eine dunkle , hockende Mumie , die kaum zu erkennen war , oder ein helleres Skelett in kauender Stellung , oder eine Sortierung