kümmern Sie sich um andere Dinge ! Ich war hitzig , die Geschichte mit Fräulein Hedwig hatte mich aufgebracht , man nennt Sie einen Jakobiner ; aber lassen Sie uns beisammen bleiben und weiter zusammen fechten . - Apropos ! ein Graf von Topf aus Deutschland hat einmal an mich geschrieben Ihretwegen , ich gab ihm unbefriedigende Nachrichten , die ungefähr so ausgesehen haben mögen , als seien Sie bei Grochow geblieben - bringen Sie den Mann aufs reine , ich habe im Drang der Dinge fortwährend vergessen , Ihnen davon zu sagen . - Und nicht wahr , wir fechten noch zusammen ? « Valerius gab ihm keine bejahende Antwort , er war noch zu heftig in Aufregung . So schieden sie rasch , und beide Teile waren unbefriedigt . 21. Valerius unterrichtete des andern Tages Joel beizeiten , daß äußerlich nichts zu besorgen sei . Dieser war in der erzürnten , halb grimmigen Stimmung , welche jener den Tag vorher mit Eifer entzündet hatte . Sie ist der beste Schutz kräftiger Menschen gegen die unleidlichen konventionellen Übel , und sie ermunterte Joel auch sogleich , wie sein Freund das Regiment zu verlassen . » Wir finden einen freundlichen Tod , « sagte er , » beim alten Dwernicki - dorthin lassen Sie uns gehen , dort gibt ' s keine Aristokraten für Sie - und für mich - ach , für mich ist ' s überall gleich , aber die Jugend , die unter Dwernicki fechten will , ist doch besser , ihr Blut ist noch natürlicher , und die Natur kennt keinen Haß . « Valerius eilte nun zu Stanislaus - er war nicht zu sprechen - der alte Graf ebenfalls nicht - die Fürstin war den Abend vorher zum ersten Male wieder im Salon erschienen . O , in welch einer verworrenen Stimmung eilte er hinweg ! Was mußte Konstantie von ihm denken , wie tief mußte sie sich gekränkt glauben . Sollte er schreiben ? Nein , das war ihm nicht möglich - das Hoch und Niedrig , Vornehm und Gering sprang so wild in seinem Kopfe herum , daß ihm das Schreiben an die Fürstin wie ein Hinterhalt vorkam , in welchen er mit all seinem Bürgerstolze fallen könnte wie der arme Joel . Sind wir einmal aus dem Regelmäßigen aufgeschreckt , dann sehen wir in allen Ecken Feinde . Und Stanislaus und sein Vater - sie hatten sich sicherlich verleugnen lassen - » wie konnte ich einen Augenblick vergessen , daß sie keine Deutschen sind mit all ihrer Sanftmut ! « Das Leben in diesem Zustande ward ihm unerträglich ; wenn sich das Verhältnis zu Stanislaus und seinem Vater so feindlich ausbildete , wie er glaubte , daß es jetzt angefangen habe , so war ihm der Weg zu Konstantien versperrt . Von der Armee hatte er sich geschieden , was hatte er nun in Polen noch zu schaffen ? Aber der Gedanke war ihm ebenso unerträglich , jetzt zu entscheiden . Alle Interessen seines Geistes und Herzens hätte er in unvollkommener Halbheit nach Deutschland gebracht . In dem unbehaglichsten Aufruhr seiner Gedanken und Wünsche kam er in seine Wohnung . Magyac trat ihm mit traurigem Gesicht entgegen : » Herr , Sie wollen nicht mehr mit uns fechten ? « » Woher weißt du das ? « Nach einigem Zögern erzählte er , daß es ihm der Bediente des Grafen Stanislaus gesagt habe . » Er hat den jungen und den alten Herrn Grafen sehr heftig darüber sprechen hören , auch von Joel ist die Rede gewesen , und der alte Herr hat dem jungen heftige Vorwürfe gemacht , daß er unbesonnen sein Vertrauen und seine Freundschaft wegwerfe . Herr , es ist einer wie der andere von unseren Edelleuten , wenn auch in manchen Stunden einer besser aussieht als der andere , und ich würde nicht von Ihnen gehen , Herr , wenn Sie noch mit uns fechten wollten . « » Du willst mich also verlassen ? « » Ja , Herr , ich bin ein Pole . « Valerius fühlte eine Art Kitzel der Trauer darin , daß ihm plötzlich alles untreu würde . Er reichte dem Thaddäus die Hand und schenkte ihm seine Börse , ohne zu bedenken , daß es der letzte Rest seiner Barschaft sei . » Leb ' wohl , Magyac , du bist noch der Ehrlichste von allen . « Thaddäus küßte ihm heftig die Hand , eine ungewöhnliche Rührung trat auf sein Gesicht : » Herr , Sie sind gut , lassen Sie mich so lange hier bleiben , bis Sie aus Warschau gehen , jetzt gibt es doch noch nichts zu tun . « Diese stillschweigende Voraussetzung des einfachen Bauers , daß sein Herr Warschau verlassen müsse , wenn er nicht mehr fechten wollte , ergriff diesen heftig . Er fühlte sich unglücklich , verlassen , beleidigt , und da er nicht wußte , wen er direkt anklagen sollte , so hätte er am liebsten weinen mögen wie ein ungezogenes Kind . So schnell wechseln die Dinge , daß er es heut war , welcher Joel aufsuchte , um einen Freund zu sehen . Einer wollte den andern zerstreuen , und sie strichen planlos Arm in Arm durch die Straßen . Stanislaus und sein Vater fuhren rasselnd an ihnen vorüber , Valerius bemerkte sie zu spät , um zu grüßen , sie selbst hatten keine Anstalt dazu gemacht . » Hoffen Sie wirklich , « sprach Joel , » mit diesen Leuten noch in Verbindung zu bleiben , nachdem Sie sich meiner angenommen , nachdem Sie Ihr Regiment verlassen haben ? O wie wenig kennen Sie meine Landsleute , im Patriotismus liegt all ihre Tugend , und wenn sie andere edle Gefühle zeigen , so entspringen diese nur aus einem nahen oder fernen Zusammenhange mit diesem Patriotismus . Alle Nationalität ist eine Gattung Egoismus , und die unsere vollends . Und haben Sie denn vergessen , daß Hedwig des jungen Grafen Verlobte