erzeugte in ihm eine freundliche und friedliche Stimmung . Es war einen Augenblick lang , wie sie aus der Kanne in seine Tasse goß ; sie hatte eine nicht allzugroße Figur , und in ihrer Bewegung war etwas Hausmütterliches ; er stand aufrecht da und schien groß und energisch ; einen Augenblick lang hatten sie beide ein Gefühl : wie es wäre , wenn sie einander angehörten als Mann und Weib , und dieses wäre ihr Heim , das die Frau freundlich und friedlich machte , damit der Mann Ruhe fände , und der Mann erhielte es , und die Frau hätte bei ihm Sicherheit . Aber schnell verschwand das Gefühl durch Demut und Stolz , denn sie meinten jeder , der andere sei höheren Glückes wert , und er wolle nicht unbescheiden sein . Dann erzählten sie sich . Zuerst war das Gespräch recht zaghaft , denn als Menschen , die viel für sich gelebt , verstanden sie nicht die Kunst der leeren Worte und scheuten sich , formelhafte Reden zu gebrauchen , bei denen sie nichts empfanden ; aber bald wurden sie recht eifrig , denn sie waren auf etwas gestoßen , dafür sie beide Wärme hatten , nämlich auf gelesene Bücher . Da ereignete sich etwas Wunderbares . Sie sprachen von diesem Buch und jenem , und beide hatten dieselben Bücher gelesen und waren auf die gleichen Fragen gekommen und hatten die gleichen Gedanken gehabt . Sie vertieften sich ganz im Zeigen und Wiedererkennen , und vergaßen sich , und im Eifer geschah es Hans , daß er zu der Gräfin sagte » Du « , worüber sie rot wurde , er aber merkte nichts . Und dann wieder kam ihnen das Märchenhafte zum Bewußtsein , daß sie sich gesehen hatten als kleine Kinder vor vielen Jahren , und jetzt waren sie beide erwachsene Menschen , und in der Zwischenzeit hatten sie ihre Köpfe über dieselben Schriften gebeugt , hatten dieselben Lehren ihren Geist erschüttert , dieselben Fragen sie umhergetrieben , und hatte doch keiner vom andern gewußt , als daß sie einmal zusammen gespielt im Heu und im alten kleinen Forsthause im Walde . Und jedem war gewesen lange Jahre hindurch , als sei er allein in der Welt , und die Menschen waren ihm nur Schatten und Geräusche und lebten nicht , und nun zeigte es sich , daß es noch einen Menschen gab , der alle diese Gedanken und Gefühle gehabt hatte ; und plötzlich war es jedem , als sei die Welt nun lebendig geworden aus einem Zauber , und alle Menschen hätten Seelen bekommen . Hans hatte wohl viele Menschen getroffen , die ähnlich sprachen und dachten und ähnliches studiert hatten wie er , aber die waren ihm doch tot gewesen , das wußte er jetzt . Denn was das Lebendige zwischen ihnen schuf , das merkten sie beide nicht in Harmlosigkeit , nämlich , es kam zu den gleichen Meinungen und den gleichen Büchern , daß er ein Jüngling war und sie eine Jungfrau , und daß sie an seiner Brust liegen konnte und er sie umschlungen halten konnte . Das war ein Glück in ihnen , das sie noch nie gespürt . Sie überhasteten sich in ihren Reden , fragten und erwarteten keine Antwort , machten Pläne , nahmen sich Vorsätze vor und lachten , ohne daß sie einen rechten Grund hatten . Noch vor einer Stunde waren sie einander fast fremd gewesen , und nun schien es ihnen , als ob sie zueinander gehörten , so hatten sie ohne Scheu ihre natürlichen Bewegungen , und Maria legte ihre Füße auf einen kleinen Schemel , wie sie gewohnt war , ohne daran zu denken , daß sie einen fremden Herrn zum Besuch hatte , nicht einen Bruder oder Gatten ; plötzlich fiel ihr die Unschicklichkeit auf , und sie errötete . Wie ein kleines Mädchen errötete sie , und so glücklich sah sie aus , wie ein kleines Mädchen in ihrer Schwesterntracht und glattgestrichenem Haare . Durch ihre Bewegung wurde er aufgeschreckt , sah nach seiner Uhr und fand mit großer Bestürzung , daß er ganz unschicklich lange geblieben war , so stand er hastig auf , und mit einer gewissen Befangenheit trennten sich die beiden . Als Hans sie das zweite Mal besuchte , waren sie verlegen und kalt , und in ihre Worte wollte keine Wärme kommen , und was sie sagten , sagten sie nicht aus Liebe und Überfluß , sondern um ein schleppendes Gespräch zu erhalten ; und weil alles , was vorher so rosig erschien , jetzt grau war , so prüften sie nach bei sich und fanden , daß sie eine eigentliche Belehrung doch das vorige Mal nicht voneinander empfangen hatten , und daß sie ein jeder das schon gewußt , was besprochen war ; aber weder er noch sie warfen die Schuld davon auf den andern , sondern meinten jeder , der Grund liege bei ihnen selbst ; so trennten sie sich sehr früh . Nachher machten sie sich schwere Gedanken , wußten sich nicht zu erklären , woher die Kälte und Verlegenheit gekommen , und meinten jeder , er selbst sei schuld daran , indem er das erste Mal aufdringlich gewesen sei . Denn schon hatte in der Zwischenzeit die Liebe ihre seltsame Arbeit in ihren Seelen ausgeübt , nämlich den Geliebten verschönt und erhöht und so geschmückt , daß er ein ganz andres Wesen wurde , aus einem kleinen Menschenkinde mit seiner Angst und Verlegenheit ein zürnender Engel , der unnahbar ist durch seinen Glanz und Größe . Und so sagte Hans bei sich , daß er von niederem Herkommen war und später selten vornehme Leute getroffen , denn die meisten Bekannten und Gleichstrebenden waren ähnlicher Abkunft wie er , deshalb wußte er manches nicht , was schicklich war , etwa ob man die Beine übereinanderschlagen durfte , denn in einem Buche über den seinen Anstand , das er durchstudiert , war das verboten , und vielleicht habe er die Komtesse