ihm aber leider nicht . » Allah ja ' lam el gheb - Allah kennt das Verborgene ! « seufzte er endlich erleichtert . Das war das einzige und , wie es schien , ihn sehr beruhigende Resultat , welches er sich aus der Stirn frottiert hatte . Dann kniete er nieder , um die Pflaumen in den Korb zu lesen . Dabei betrachtete er jede einzelne mit einem Blicke , als ob er sie sich ganz besonders vorgemerkt habe . Aber plötzlich fuhr er halb empor . Er hatte etwas Wichtiges gesehen . Das waren die Fußstapfen , welche ich in dem weichen Boden zurückgelassen hatte . » Men schabar nahl - wer Ausdauer hat , dem gelingt es ! « rief er aus . Er glaubte wohl , auch jetzt noch immer gerieben und nachgedacht zu haben . Nun erhob er sich und hinkte den Spuren langsam nach . Sie führten ihn natürlich her zu mir . Als er um die Ecke des Gebüsches trat , steckte ich soeben eine Pflaume in den Mund . Zunächst blieb er wie eine Salzsäule vor mir stehen . Er bewegte kein Glied . Nicht einmal seine Wimper zuckte . » Wer bist du ? « fragte ich . » Du - - du - - du hast die Pflaumen - - - meines Ustad gestoh - - - « Weiter kam er nicht . Die Stimme versagte ihm . Also diese Früchte waren für den Ustad reserviert ! Da konnte ich ruhig sein ; der gönnte sie mir gewiß . Aber dieser meiner Ruhe stand ein ebenso schnelles wie gewaltsames Ende bevor , denn der Lahme bekam plötzlich seine ganze Bewegungsfähigkeit , sogar zehnfach gesteigert , wieder , und ehe ich nur den Gedanken hätte fassen können , daß so etwas möglich sei , warf er sich mit aller Macht über mich her , schlang die überlangen Arme anderthalbmal um mich herum und begann , aus Leibeskräften um Hilfe zu schreien . Nach den Ausdrücken , die aus seinem Munde flossen , war eigentlich zu schließen , daß er eine ganze Bande von Dieben , Räubern und Mördern ergriffen habe . Er war ein außerordentlich kräftiger Mann , mich aber hatte die Krankheit so geschwächt , daß ich vergeblich versuchte , von ihm loszukommen . Glücklicherweise dauerte es nur ganz kurze Zeit , bis mir die von ihm herbeigerufene Hilfe kam . Wahrscheinlich sah er sie , denn er hörte auf mit Schreien ; statt seiner aber hörte ich die fette Stimme der sich eiligst nähernden » Festjungfrau « . » Wo sind denn die Räuber , die Mörder ? « fragte sie . » Hier , hier ! Komm , komm ! « antwortete er . » Wen haben sie ermordet ? « » Die Pflaumen , die Pflaumen des Ustad , die Früchte meines lieben , hohen Herrn ! « » Unsinn ! Pflaumen werden doch nicht ermordet ! « » Komm nur ; komm , und sieh ihn an ! « Sie kam ; sie stand schon da . » Zeig , Tifli ! « gebot sie ihm . Tifli heißt » mein Kind « , sogar » mein kleines Kind « . Er ließ mich los . Ich hatte im Gefühle meiner Ohnmacht mich ganz passiv verhalten und konnte nun gar nicht anders , ich mußte ihm lachend in das grimmige Kindergesicht sehen . Wenn dieser Mann ein » kleines Kind « war , welche Länge mußten da die großen Kinder wohl hier zu Lande haben ! Die » Festjungfrau « war zunächst auch ganz ohne Worte . Sie schien nicht recht zu wissen , aus wem von uns dreien sie klug zu werden habe . » Das ist er ! « sagte er , indem er beide Zeigefinger schnurstracks auf mich richtete . » Wer ? « fragte sie . » Der Dieb . « » Was hat er gestohlen ? « » Die Pflaumen ! Dort liegen noch welche ! « Er deutete nach den Bäumen . Sie schaute hin , sah die Früchte unten liegen , schlug die dicken Händchen patschend zusammen und jammerte : » Die besten , grad die allerbesten ! « » Aufgehoben haben wir sie für unsern Herrn ! « klagte er mit . » Bis zur Stunde der höchsten Reife ! « fuhr sie fort . » Dann erst ißt er sie , seine Lieblinge ! « fügte er hinzu . » Er hat wohl noch genug ! « tröstete ich . Da sahen beide mich so erstaunt an , als ob ich etwas ganz Unbegreifliches gesagt habe . Dann fuhr mich der Lange zornig an : » Sie sind alle sein , alle , alle ! Wer bist du denn ? « » Ja , wer bist du ? Das wollen wir wissen ! « erklärte mir die Besitzerin des frohsinnigen Näschens . » Das wißt ihr nicht ? « antwortete ich . » Nein , « sagte sie . » Ihr habt mich noch nicht gesehen ? « » Noch nie ! Doch , wer du auch seiest , wie darfst du es wagen , hier Früchte zu stehlen ! Kein einziger Dschamiki stiehlt . Du mußt ein Fremder sein ! « » Aus der Fremde kam ich allerdings , doch gehöre ich zum Hause . Ich bin des Ustad Gast . « » Gast ? Seit heut ? « » Seit Wochen schon . « » Seit Wo - - Wo - - - Wochen - - Wo - - - ! « Das runde , kleine Mündchen blieb ihr offen stehen , so offen , daß man die kerngesunden , perlengleichen Zähne sehen konnte . Die Wänglein verloren die Farben ; das Kinn zeigte sich ängstlich gespannt ; das Näschen wollte verschwinden , und die Aeuglein schlossen sich , zwar langsam aber ganz . Hatte sie etwa einmal von einer Europäerin gesehen , welche Ritterdienste in solchen Fällen von einer kleinen Ohnmacht zu erwarten sind