mal seine besondere Höhe verloren , und anstatt sich in diese Tatsache zu finden , versucht es unser Regime , dem Niedersteigenden eine künstliche Hausse zu geben . « » Es ist , wie Sie sagen . Aber gegen wen richtet sich ' s ? Sie sprachen von Regime . Wer ist dies Regime ? Mensch oder Ding ? Ist es die von alter Zeit her übernommene Maschine , deren Räderwerk tot weiterklappert , oder ist es der , der an der Maschine steht ? Oder , endlich , ist es eine bestimmte abgegrenzte Vielheit , die die Hand des Mannes an der Maschine zu bestimmen , zu richten trachtet ? In allem , was Sie sagen , klingt eine sich auflehnende Stimme . Sind Sie gegen den Adel ? Stehen Sie gegen die alten Familien ? « » Zunächst : nein . Ich liebe , hab auch Ursach dazu , die alten Familien und möchte beinah glauben , jeder liebt sie . Die alten Familien sind immer noch populär , auch heute noch . Aber sie vertun und verschütten diese Sympathien , die doch jeder braucht , jeder Mensch und jeder Stand . Unsre alten Familien kranken durchgängig an der Vorstellung , daß es ohne sie nicht gehe , was aber weit gefehlt ist , denn es geht sicher auch ohne sie ; - sie sind nicht mehr die Säule , die das Ganze trägt , sie sind das alte Stein- und Moosdach , das wohl noch lastet und drückt , aber gegen Unwetter nicht mehr schützen kann . Wohl möglich , daß aristokratische Tage mal wiederkehren , vorläufig , wohin wir sehen , stehen wir im Zeichen einer demokratischen Weltanschauung . Eine neue Zeit bricht an . Ich glaube , eine bessere und eine glücklichere . Aber wenn auch nicht eine glücklichere , so doch mindestens eine Zeit mit mehr Sauerstoff in der Luft , eine Zeit , in der wir besser atmen können . Und je freier man atmet , je mehr lebt man . Was aber Woldemar angeht , meiner sind Sie sicher , Frau Gräfin . Bleibt freilich , als Hauptfaktor , noch die Comtesse . Für die müssen Sie die Bürgschaft übernehmen . Die Frauen bestimmen schließlich doch alles . « » So heißt es immer . Und wir sind eitel genug , es zu glauben . Aber das führt uns auf ganz neue Gebiete . Vorläufig Ihre Hand zur Besieglung . Und nun erlauben Sie mir , nach diesem unserm revolutionären Diskurse , zu den Hütten friedlicher Menschen zurückzukehren . Ich habe mich bei dem alten Herrn nur auf eine halbe Stunde beurlaubt und rechne darauf , daß Sie mich , wenn nicht bis ins Museum selbst ( das dem Programm nach besucht werden sollte ) , so doch wenigstens bis auf die Schloßrampe begleiten . « Dreißigstes Kapitel Lorenzen tat , wie gewünscht , und auf dem Wege zum Schloß plauderten beide weiter , wenn auch über sehr andere Dinge . » Was ist es eigentlich mit diesem Museum ? « fragte Melusine ; » kann ich mir doch kaum was Rechtes darunter vorstellen . Eine alte Papptafel mit Inschrift hängt da schräg über der Saaltür , alles dicht neben meinem Schlafzimmer , und ich habe mich etwas davor geängstigt . « » Sehr mit Unrecht , gnädigste Gräfin . Die primitive Papptafel , die freilich verwunderlich genug aussieht , sollte wohl nur andeuten , daß es sich bei der ganzen Sache mehr um einen Scherz als um etwas Ernsthaftes handelt . Etwa wie bei Sammlung von Meerschaumpfeifen und Tabaksdosen . Und Sie werden auch vorwiegend solchen Seltsamkeiten begegnen . Anderseits aber ist es auch wieder ein richtiges historisches Museum , trotzdem es nur halb das geworden ist , worauf Herr von Stechlin anfänglich aus war . « » Und das war ? « » Das war mehr etwas Groteskes . Es mögen nun wohl schon zwanzig Jahre sein , da las er eines Tages in der Zeitung von einem Engländer , der historische Türen sammle und neuerdings sogar für eine enorme Summe , ich glaube , es waren tausend Pfund , die Gefängnistür erstanden habe , durch die Ludwig XVI. und dann später Danton und Robespierre zur Guillotinierung abgeführt worden seien . Und diese Notiz machte solchen Eindruck auf unsern liebenswürdigen Stechliner Schloßherrn , daß er auch solche historische Türensammlung anzulegen beschloß . Er ist aber nicht weit damit gekommen und hat sich mit dem Küstriner Schloßfenster begnügen müssen , an dem Kronprinz Friedrich stand , als Katte zur Enthauptung vorübergeführt wurde . Doch auch das ist unsicher , ja , die meisten wollen nichts davon wissen . Nur Krippenstapel hält noch daran fest . « » Krippenstapel ? « » Ja . Der Name frappiert Sie . Das ist nämlich unser Lehrer hier , Liebling des alten Herrn und sein Berater in derlei Dingen . Der hat ihm denn auch das gegenwärtige Museum , das man als Abschlagszahlung auf die historischen Türen ansehen kann , zusammengestellt . Außer dem angezweifelten Fenster werden Frau Gräfin noch ein paar phantastische Regentraufen finden und vor allem viele Wetterhähne , die von alten märkischen Kirchtürmen herabgenommen wurden . Einige sollen ganz interessant sein . Ich habe keinen Sinn dafür . Aber Krippenstapel hat einen Katalog angefertigt . « Unter diesen Worten waren beide bis an die Rampe gekommen , auf der Engelke schon stand und auf die Gräfin wartete . Lorenzen empfahl sich . Aber auch Melusine wollte nicht gleich ins Museum hinauf , zog es vielmehr vor , erst unten in das große Gesellschaftszimmer einzutreten und sich da zu wärmen . Engelke machte sich auch sofort am Kamin zu schaffen , was der Gräfin gut paßte , weil sie noch manches fragen wollte . » Das ist recht , Engelke , daß Sie Kohlen aufschütten und auch Kienäpfel . Ich freue mich immer , wenn es so lustig brennt . Und oben im Museum wird es wohl noch kalt sein . « »