Toni weg is , nach Berlin sagen sie , aber kein Mensch weiß was von der Toni schreiben thut se nich . Die Leute reden alles Mögliche ! Ihren kleinen Jungen hat sie zur Therese gegeben was auch nich schön is die Leute haben sich alle gewundert . Karl und Therese sind nämlich jetzt in Wörmsbach , die haben ' s doch auch nicht dazu . Den alten Leuten natürlich geht es gar nich gut Traugott Büttner is so stille und simeliert in einer Dur die Leute sagen es wäre nicht richtig mit ihm , sprechen sie . Allerdings hat er viel Kummer und Herzeleid erlebt und ärgern hat er sich auch sehr müssen . Die Bäuerin ist sehr geringe geworden , so geringe , wie die Frau is ! Ich sagte über Buschlobeln am Sonntag sagte ich : Die löscht aus wie ein Licht , habe ich gesagt . Sie hat schon das Wasser in den Beinen und zu beißen und zu brechen haben sie allerdings mich nichts auf dem Bauerngute , weil ihnen doch Herr Harrassowitz alles weggepfändt hat . Überhaupt die Ochsen hat der auch weggenommen , das kannst Du Gustaven sagen . Die Not ist groß wenn nicht gute Menschen helfen , wissen wir nicht was der liebe Gott noch verhängen mag über die armen Menschenkinder . Die Büttners was die alten Leute sind waren doch immer so fleißige und ordentliche Leute , das sagt ein jeds und nu sowas zu erleben ! Die Leute sagen auch hier im Dorfe , daß sich Kaschelernst schämen müßte denn der soll doch bloß den Bauern reingebracht haben und kein anderer . Ich schließe hiermit und wünsche daß es Euch immerdar gut gehen möge und alle gesund bleiben wie es mir auch geht Deine liebe Mutter Clementine Katschner . « Der Brief machte Eindruck auf alle , die ihn lasen . Die Nachrichten aus der Heimat waren spärlich geflossen . Der Büttnerbauer nahm die Feder ungern zur Hand , zu allerletzt gewiß zu einem Briefe . So hatte man denn von den wichtigen Ereignissen der letzten Zeit höchstens von weitem etwas vernommen durch Briefe , die an andere Sachsengänger aus der gemeinsamen Heimat kamen . Gustav hatte sich viel mit geheimen Sorgen um den Vater und seine Angelegenheiten getragen . Die letzten Ereignisse waren von ihm ja vorausgesehen worden . Aber nun kam die schwere Erkrankung der Mutter noch zu allem Jammer hinzu . Der Vater um Haus und Hof gebracht ! Die alten Leute gänzlich allein in ihrer Not ! - Es war ein Elend , wie es größer nicht sein konnte ! Frau Katschners beredter Brief machte die Runde bei den Familienmitgliedern . Man sprach über die Vorgänge in der Heimat und beriet , was geschehen solle . So wurden die Zwistigkeiten , die eben noch geherrscht hatten , in den Hintergrund gerückt . Man kam zu dem Schlusse , daß es das beste sei , den Eltern eine Summe Geldes zu schicken . Sie legten zusammen von ihren Ersparnissen . Auch Häschkekarl bat , beisteuern zu dürfen . Sein Geldstück wurde nicht abgewiesen . Gustav erlebte noch eine besondere Genugtuung : Als unter den Mädchen bekannt geworden war , wie schlecht es den Eltern ihres Aufsehers gehe , sammelten auch sie , ganz im stillen , unter sich und brachten ihm eines Tages ein ganz stattliches Sümmchen , das er mit nach Halbenau an die alten Leute schicken möge . Eine Versöhnung fand nicht statt zwischen Gustav und Häschke . Aber mit der Zeit sprach der Aufseher doch wieder mit dem Geliebten seiner Schwester . V. Die Büttnerbäuerin war gestorben . In den letzten Tagen hatte sie über unerträglichen Frost geklagt ; der Bauer mußte des Nachts bei ihr liegen , um die Erkaltende zu wärmen . Eines Mittags , als der Bauer vom Felde zurückkehrte , fand er sie auf dem Gesichte liegend , mit ausgebreiteten Armen . Er faßte sie an ; sie war kalt . Mehrere Stunden mochte sie wohl schon so gelegen haben . Keine Spur von Lebenswärme war mehr an dem steifen Körper zu entdecken . Die eine Gesichtsseite hatte sich bläulich verfärbt . Der alte Mann stand wie erstarrt vor der Leiche seiner Lebensgefährtin . Er warf sich nicht über die Tote , liebkoste nicht die leblose Hülle . Und doch hatte er sie geliebt mit echter , starker Liebe . Wie im Leben , hielt sie auch dem Tode gegenüber sein Gefühl fern von Überschwang . Es hatte Tage gegeben , wo die Gatten kaum ein Wort miteinander gewechselt . Wochen und Monde waren vergangen ohne Kuß und Umarmung . Harte Worte von seiten des Mannes , Tränen auf seiten der Frau waren nichts Seltenes gewesen . Und doch hatte innige Treue die beiden Menschen verbunden wie ein unsichtbares Band . Unter rauhen Formen wurde diese Liebe gewahrt , als etwas Stilles und Keusches , von dem man nicht viel Aufhebens macht , weil es so selbstverständlich war . Der Bauer blieb sich treu in seiner schlichten Gesinnung für die Lebensgefährtin bis zum letzten . Keine Klage , kein Haarausraufen , als er jetzt vor ihrer Leiche stand . Ein tiefer Seufzer und ein paar Tränen , die ihm über die Wangen liefen , ohne daß er es recht wußte ; das war alles . Dann machte er sich daran , für die Entschlafene zu tun , was noch für sie getan werden konnte . Er drückte ihr die Augenlider herab , hob den schweren Körper aus dem Bette , reinigte die Leiche und kleidete sie in ein frisches Hemd . Alles , ohne eine Spur von Grauen vor der greifbaren Nähe des Todes zu empfinden . Dann ging er ins Dorf , meldete den Tod beim Standesbeamten an , bestellte den Sarg und besprach im Pfarrhaus den Tag der Beerdigung mit dem Geistlichen . Der Leichenzug fiel über Erwarten stattlich aus , jung und alt beteiligte sich , Kränze waren gespendet worden , aus freien Stücken trug ein