es ist doch brav von Dir , Du armes , verrathenes Kind - brav - na warte ! - morgen - morgen - - « » Sei still , Adam ! Thu ' mir den Gefallen ! Wir reden morgen davon ... Aber willst Du nicht lieber zu Bett gehen - ? Hier kannst Du doch nicht bleiben ... Ja ? - Komm ! Ich führe Dich hinüber ... Nachher rücke ich mir ' n Sessel neben Dein Bett und wache bei Dir ... Das ist das Beste - komm ! « Adam gab nach . Es war ihm auch so gleichgültig , was mit ihm geschah . Emmy brachte ihn zu Bett . Sie war um ihn herum , wie eine Mutter , die ihr krankes Kind wartet und pflegt und besorgt in sichere Hut birgt . Mit feiner Discretion , mit tactvollster Gewandtheit brachte sie den Erschöpften auf sein Lager zur Ruhe . Dann zog sie einen Fauteuil neben sein Bett und setzte sich zu ihm . Leise küßte sie ihn auf die Stirn und gab seinen heißen , schweißigen , teigigen Fingern ihre kleine , glatte , kühle , feste Hand zurück . » Nun schlaf ' süß , Geliebter , und träume von mir - « flüsterte sie ihm leise zu und fühlte , wie sie erröthete . Wie gut war es , daß er sie nicht sah und nicht dieses Erröthen bemerkte ! Adam lächelte matt . Schon zogen die letzten verworrenen Tagesgedanken von ihm . Bald war er eingeschlafen . Leise entzog sie ihm ihre Hand und lehnte sich zurück . Allerlei buntes Zeug schwirrte und flog noch durch ihren Kopf , sie starrte noch eine Weile vor sich hin in die dämmrige Nacht . Dann fielen auch ihr die Augen zu . - Draußen huschten die ersten , scheuen Frühlichter über den Horizont . - XIX. Als Adam erwachte , lag die Sonne in breiten Licht-und Wärmemassen im Zimmer . Die Luft war schwül , schweißdurchdünstet . Adam hob den Kopf aus den Kissen und sah sich um . Allmählich kehrte ihm die Erinnerung zurück , er entsann sich , wie es gekommen war , daß Emmy da im Sessel , kaum einen Schritt von ihm entfernt , saß und schlief . Ach ja ! Das war gestern ein böser Tag gewesen und ein wüster Abend . Aber nun war der Spuk verflogen , das kleine Weib da hatte seine letzten schwarzen Schatten zu verscheuchen gewußt . Adam fühlte sich heute wohler , im Ganzen gestärkt und gekräftigt , wenn er auch noch eine träge Schwere und Mattigkeit in den Gliedern verspürte und einen heftigen Schmerz im Hinterkopf . Auch das Genick war steif geworden , jede Bewegung zuckte stechend in den Schläfen nach . Adam beschloß , leise aufzustehen . Die Zeit lief auf Neun , es war also schon spät genug . Aber Emmy konnte noch ruhig weiter schlafen . Ihr Athem ging tief und langsam . Der Kopf ruhte in halber Wendung nach links zwanglos an der Lehne , auf der Stirn standen ein paar kleine Schweißtropfen . Die Decke war ihr von den Knieen auf den Teppich hinabgeglitten , die obersten Knöpfe des Kleides waren ihren Oeffnungen entschlüpft , discret schimmerte das Weiß vom Spitzenbesatze des Hemdes durch den schmalen Spalt . Adam erhob sich , kleidete sich nothdürftig an und schlich nach seinem Arbeitszimmer hinüber . Er öffnete das Fenster , unten auf der Straße trieb rüstig das Leben . Da drüben auf der anderen Seite hatte er gestern Abend ... hatte er heute Nacht gestanden , und nach hier hinaufgestarrt . Und jetzt lag der helle Tag da unten , und allerlei buntes Menschenvolk zog an der Stätte vorüber , da er noch vor ein paar Stunden - denn länger war ' s doch nicht her - gestanden , mutterseelenallein gestanden , mutterseelenallein in der schweigenden Nacht . Und doch dünkte es ihn , es wäre das schon lange , lange her , viele , viele Jahre . Er war heute ein so ganz Anderer , wohl war kaum das Bewußtsein intimer Fülle in ihm , aber doch durchzitterte es ihn wie eine Ahnung , daß es in ein anderes Geleise eingelenkt . Dies und das kam noch zu ihm in seiner stillen Morgenschau an losen Erinnerungen , die Erlebnisse der jüngsten Tage mitbrachten . Hui ! Er war ja auch Bräutigam , glücklicher Bräutigam ... und das war jedenfalls das Curioseste von Allem , worauf er sich in dieser Stunde besinnen mußte . Nun bestellte er sich seinen Kaffee und machte Toilette . So viel Zeit war gar nicht mehr übrig . Um elf Uhr fuhr der Zug , mit dem Lydia abreisen wollte - und - nein ! ... es ging wohl doch nicht an , daß er die Abschiedsscene versäumte . Er mußte sich schon bei Zeiten an den obligaten Biß in den bewußten saueren Apfel gewöhnen . Da schlug die Glocke der elektrischen Klingel heftig an . Adam horchte erstaunt auf . Das mußte etwas Besonderes zu bedeuten haben . Im nächsten Augenblick wurde auch schon die Thür seines Zimmers aufgerissen und Hedwig stürzte herein . Adam war nicht im Stande , ein Wort hervorzubringen . Er starrte das Weib an , das todtenblaß , keuchend , mit fliegenden Gliedern , verstörten Mienen , unstet umherirrenden Augen vor ihm stand . Er sprang nicht hinzu , als Hedwig jetzt schwankte , zusammenbrechen zu müssen schien und sich nur noch im letzten Augenblick am nächsten Thürpfosten festklammerte . » Adam - ! « stieß sie aufstöhnend heraus - » mein Gott - ! ich kann nicht mehr - daß ist zu viel - mein Vater - o Gott ! - mein armer Vater ist - ist - todt ... oh - - « Das Aufkreischen der Stimme bei dem Worte » todt « riß Adam aus seiner Erstarrung . Zuerst wußte er nicht , was dieser kurze , schneidende Laut ihm sagen sollte ,