dem bereits warme und köstliche Düfte aufstiegen . Das Licht fiel von oben herein durch eine achteckige Kuppel von kunstvoll geschliffenem Glas : gerade am Eingang erhob sich eine Treppe von Zedernholz , die auf zwölf Staffeln zu einer Sprungbrücke führte : rings an den Marmorwänden der Galerie wie des Beckens verkleideten zahllose Reliefs die Mündungen der Röhren , die den Wasserkünsten und der Luftheizung dienten . Ohne ein Wort legte das Weib das Badegerät auf die weichen Kissen und Teppiche , die den Boden der Galerie bedeckten und wandte sich zur Türe . » Woher bist du mir bekannt ? « fragte die Fürstin sie nachdenklich betrachtend , » wie lange bist du hier ? « » Seit acht Tagen . « Und sie ergriff die Türe . » Wie lange dienst du Cassiodor ? « » Ich diene von jeher der Fürstin Gothelindis . « Mit einem Angstschrei sprang Amalaswintha bei diesem Namen auf , wandte sich und griff nach dem Gewand des Weibes - zu spät : sie war hinaus , die Türe war zugefallen und Amalaswintha hörte , wie der Schlüssel von außen umgedreht und abgezogen ward . Umsonst suchte ihr Auge nach einem andern Ausgang . Da überkam ein ungeheures , unbekanntes Grauen die Königin : sie fühlte , daß sie furchtbar getäuscht , daß hier ein verderbliches Geheimnis verborgen sei : Angst , unsägliche Angst fiel auf ihr Herz : Flucht , Flucht aus diesem Raum war ihr einziger Gedanke . Aber keine Flucht schien möglich : die Türe war von innen jetzt nur eine dicke Marmortafel , wie die zur Rechten und Linken : nicht mit einer Nadel war in ihre Fugen zu dringen : verzweifelnd ließ sie die Blicke rings an der Wand der Galerie kreisen : nur die Tritonen und Delphine starrten ihr entgegen : endlich ruhte ihr Auge auf dem schlangenstarrenden Medusenhaupt ihr gerade gegenüber - und sie stieß einen Schrei des Entsetzens aus . Das Gesicht der Meduse war zur Seite geschoben , und die ovale Öffnung unter dem Schlangenhaar war von einem lebenden Antlitz ausgefüllt . War es ein menschlich Antlitz ? Die Zitternde klammerte sich an die Marmorbrüstung der Galerie und spähte vorgebeugt hinüber : ja , es waren Gothelindens verzerrte Züge : und eine Hölle von Haß und Hohn sprühte aus ihrem Blick . Amalaswintha brach in die Kniee und verhüllte ihr Gesicht . » Du - du hier ! « Ein heiseres Lachen war die Antwort . » Ja , Amalungenweib , ich bin hier und dein Verderben ! Mein ist dies Eiland , mein das Haus ! - es wird dein Grab ! mein Dolios und alle Sklaven Cassiodors , an mich verkauft seit acht Tagen . Ich habe dich hierher gelockt : ich bin dir hierher nachgeschlichen wie dein Schatte : lange Tage , lange Nächte hab ' ich den brennenden Haß getragen , endlich hier die volle Rache zu kosten . Stundenlang will ich mich weiden an deiner Todesangst , will es schauen , wie die erbärmliche , winselnde Furcht diese stolze Gestalt wie Fieber schüttelt und durch diese hochmütigen Züge zuckt : o ein Meer von Rache will ich trinken . « Händeringend erhob sich Amalaswintha : » Rache ! Wofür ? Woher dieser tödliche Haß ? « » Ha , du fragst noch ? Freilich sind Jahrzehnte darüber hingegangen und das Herz des Glücklichen vergißt so leicht . Aber der Haß hat ein treues Gedächtnis . Hast du vergessen , wie dereinst zwei junge Mädchen spielten unter dem Schatten der Platanen auf der Wiese vor Ravenna ? Sie waren die ersten unter ihren Gespielinnen : beide jung , schön und lieblich : Königskind die eine , die andre die Tochter der Balten . Und die Mädchen sollten eine Königin des Spieles wählen : und sie wählten Gothelindis , denn sie war noch schöner als du und nicht so herrisch : und sie wählten sie einmal , zweimal nacheinander . Die Königstochter aber stand dabei von wildem , unbändigem Stolz und Neid verzehrt : und als man mich zum dritten wieder gewählt , faßte sie die scharfe , spitzige Gartenschere « - » Halt ein , o schweig , Gothelindis . « - » Und schleuderte sie gegen mich . Und sie traf ; aufschreiend , blutend stürzte ich zu Boden , meine ganze Wange eine klaffende Wunde und mein Auge , mein Auge durchbohrt . Ha , wie das schmerzt , noch heute . « » Verzeih , vergib , Gothelindis ! « jammerte die Gefangene . » Du hattest mir ja längst verziehn . « » Verzeihen ? ich dir verzeihen ? Daß du mir das Auge aus dem Antlitz und die Schönheit aus dem Leben geraubt , das soll ich verzeihen ? Du hattest gesiegt fürs Leben : Gothelindis war nicht mehr gefährlich : sie trauerte im stillen , die Entstellte floh das Auge der Menschen . Und Jahre vergingen . Da kam an den Hof von Ravenna aus Hispanien der edle Eutharich , der Amaler mit dem dunkeln Auge und der weichen Seele : und er , selber krank , erbarmte sich der kranken halb Blinden : und er sprach mit ihr voll Mitleid und Güte , mit der Häßlichen , die sonst alle mieden . O wie erquickte das meine dürstende Seele ! Und es ward beraten , zur Tilgung uralten Hasses der beiden Geschlechter , zur Sühne alter und neuer Schuld - denn auch den Baltenherzog Alarich hatte man auf geheime , unbewiesene Anklage gerichtet - , daß die arme , mißhandelte Baltentochter des edelsten Amalers Weib werden sollte . Aber als du es erfuhrst , du , die mich verstümmelt , da beschlossest du , mir den Geliebten zu nehmen : nicht aus Eifersucht , nicht , weil du ihn liebtest , nein , aus Stolz , weil du den ersten Mann im Gotenreich , den nächsten Manneserben der Krone , für dich haben wolltest . Das beschlossest du und hast es durchgesetzt :