zu bald oben . « Er brauchte jetzt nicht zu gähnen , die Aufregung unter den Leuten und Aufsehern war zu groß , als daß die Arbeitsordnung nicht für die Zeit hätte suspendirt sein sollen ; auch befanden wir uns mindestens zwölf Fuß tiefer ; man sah von oben nur unsere Rücken . Katzen-Caspar wußte diese Gelegenheit trefflich auszubeuten . Während wir Schulter an Schulter den Stein hinaufwuchteten , wechselte er mit denen oben unfeine Witze und zwischendurch sprach er zu mir schnell in abgerissenen Sätzen : » Wollt Ihr mithalten , Kamerad ? so gut kommt es uns nicht wieder - es gehören aber mindestens zwei Kerle dazu , so wie Ihr und ich - es sind noch ihrer zehn - aber zwei müssen anfangen - Keiner hat außer mir den Muth - und nun hoffentlich Ihr - morgen ist der letzte Tag - durch die Pforte über die Brücke , über den Wall an den Außenhafen , an den Strand - folgt mir nur - will Euch schon durchbringen - wer uns in den Weg tritt , den schlagen wir todt - den schuftigen Süßmilch zu allererst . - Wenn Ihr uns verrathet - « » Man arbeite und schwatze nicht ! « rief der Wachtmeister . » Ich kann nicht mehr ! « sagte der Katzen-Caspar , den Hebebaum zur Erde werfend . Er hatte seinen Zweck erreicht ; es lag ihm nichts daran , seine Kraft zu vergeuden . » Man komme herauf ! « commandirte der Wachtmeister , sehr zufrieden , daß er schließlich doch Recht und doppelt Recht behalten hatte , da die zwei stärksten Männer der Brigade nicht hatten vollbringen können , was der Katzen-Caspar sich allein vermessen . Die Ordnung war wieder hergestellt , die Arbeit nahm ihren geregelten Fortgang . Ich arbeitete für zwei , die Aufregung zu verbergen , in welche mich die Mittheilung des Raubmörders versetzt hatte . Sein Plan war mir von vornherein ziemlich einleuchtend gewesen und wurde mir vollends klar , als ich eine Gelegenheit benutzte , mich auf dem höchsten Punkte des Bauplatzes , von wo man über die Mauer sehen konnte , umzublicken . Unmittelbar an dem Bauplatze war ein Thor in der Mauer , das während des Baues wiederholt benutzt worden war , und zu welchem der Wachtmeister den Schlüssel in der Tasche trug . Von dem Thore führte eine kurze Brücke , die wiederum auf der Mitte eine mit spanischen Reitern verwahrte Pforte trug , über einen breiten Graben , der ehemals der Wallgraben der Stadt gewesen war , wie unsere Gefängnißmauer an dieser Stelle nur ein Theil der alten Stadtmauer . Jenseit des Grabens war eine hohe Bastion , an deren Fuße sich die mit Wallnußbäumen besetzte Wallpromenade hinzog und auf der oben ein paar Kanonen standen , ohne daß ich jemals eine Schildwache dort bemerkt hätte . Rechts von der Bastion lag ein bedeutend niedrigerer Wall , über den man von meinem Standpunkte aus bequem wegsehen konnte . Jenseit des Walles sah ich die Wimpel von Schiffen , es mußte dies der Außenhafen sein , von welchem der Katzen-Caspar gesprochen . Zwischen den Wimpeln schimmerte ein Stück blaues Meer ; ja ich hatte einen flüchtigen Blick auf die Insel , deren niedrige Kreide-Ufer in der Abendsonne erglänzten . Ich hatte genug gesehen und beeilte mich , herabzusteigen , um keinen Verdacht zu erregen . Gleich darauf ertönte die Abendglocke . Die Arbeit war zu Ende ; ich trat in Begleitung des Wachtmeisters den mir nun wohlbekannten Weg an den Gärten entlang über den Wirthschaftshof nach meiner Zelle an . Diese Nacht kam kein Schlaf in meine Augen . Ich überlegte fortwährend in meiner Seele die Möglichkeiten der Flucht . Daß des Katzen-Caspar ' s Plan Hand und Fuß habe , davon war ich jetzt überzeugt , und nicht weniger , daß ein so schlauer , kühner Geselle ganz der geeignete Mann sei , das Beschlossene durchzuführen . Das Local konnte nicht günstiger sein : ein hoher Wall , ein Außenhafen mit Booten , Fahrzeugen aller Art , ein weiter menschenleerer Strand , und drüben die Insel , die ich schlimmstenfalls schwimmend zu erreichen sicher sein konnte . Und war ich erst drüben - ich wußte jetzt , wie man von dort wieder fortkam , wie leicht es war , fortzukommen . Noch waren meine Kleider bei der alten Frau im Stranddorf und meine Flinte war da und meine Jagdtasche . Und Hans war da , der gute , edle Hans , dessen treue Hülfe ich diesmal nicht verschmähen würde ! Dann lebe wohl Untersuchungshaft und Gefängniß , lebe wohl preisliches Richter-Collegium und Vertheidigung , Zuchthaus-Director und Scherge ! Ich war ein freier Mann und konnte eurer spotten ; und eurer , ihr guten Bewohner meiner Vaterstadt , die ihr mir ein so schlechtes Zeugniß ausgestellt ! Und der Vater - nun ja , der Vater mochte sehen , wie er sich mit seinem Gewissen abfand gegen den Sohn , den er durch seine Härte von sich gestoßen , den er - und er allein - zum Verbrecher gemacht hatte . Ich war es bis jetzt nicht gewesen ; ich wußte , ich würde es jetzt werden ; ja ich fühlte mich schon als solcher . Oder machte die Gemeinschaft , die bloße Berührung eines Menschen , wie dieser Katzen-Caspar , nicht schon zum Verbrecher ? Und das war ja klar , daß es ohne ein wirkliches , eigentliches Verbrechen , daß es ohne Mord und Todtschlag nicht abging . Der Wachtmeister hatte die Schlüssel zu dem Thore und zu der Brückenpforte in der Tasche ; der Wachtmeister sah wahrlich nicht aus wie Einer , der gutwillig nachgiebt und hergiebt , noch dazu in einem solchen Falle . Dann waren noch die beiden anderen Aufseher da , die ebenfalls keine Hasenherzen zu sein schienen . Die Drei würden sich widersetzen , so lange sie sich regen könnten . Sie mußten zu Boden , und im ersten Anlauf , und womöglich so ,