; ich hätte laut aufschreien können , ich hätte mich an die Erde werfen und mich todt weinen können . Und doch schickte ich Cloten zu meiner Tante ; um bei ihr um mich anzuhalten . Wie ich das konnte ? Du kennst uns Frauen nicht , wenn Du danach fragst . Cloten , oder ein Anderer , es war mir Alles gleich in diesem Augenblick . Ich hatte nur den einzigen Gedanken , mich an Dir zu rächen , indem ich mich so tief unglücklich machte , als nur möglich ; damit Du mein Unglück auf dem Gewissen hättest , damit ich einst zu Dir sagen könnte : Du hast es ja nicht anders gewollt . Dies Einst ist früher gekommen , als Du wohl selbst gedacht hast ; ich wollte freudig Jahre meines Lebens geben , ja auf der Stelle wollte ich sterben , könnte ich Dich dadurch wieder so frei machen , wie Du warst , als wir uns zum ersten Mal in Barnewitz sahen . Was hätte ich von meiner Freiheit , wenn ich Dich verlieren müßte ? erwiderte Emilie zärtlich und neckisch . Nein , nein , Oswald , zehntausendmal lieber so , wie es jetzt ist . Wenn Du mich ein wenig lieb haben willst - Kannst Du daran zweifeln ? Vielleicht ; aber gleichviel , ein wenig nur und ich bin zufrieden ; mag ich dann immerhin Frau von Cloten heißen ; magst Du dann immerhin eine Andere lieben - Eine Andere ? Ja , mein Herr , eine Andere , die allerdings sehr schön , aber auch ebenso stolz wie schön ist , und die , das können Sie versichert sein , ihrem Stolz unbedenklich ihre Liebe opfern würde , wenn sie , woran ich übrigens zweifle , wirklich lieben kann . O , Oswald , ich wollte , Du hättest sie gestern Abend gesehen ! Ich weiß , die Leute schelten mich kokett , und ich mag ' s auch wohl sein , wenn ' s darauf ankommt , einen Narren am Seil zu führen ; aber dann thu ' ich ' s lustig und nicht mit keuschem Augenniederschlagen , wie Helene . Ich kann Dir sagen , daß ich mich gestern für Dich geschämt habe . Ich dachte , der arme Mensch verschmachtet vor Liebe , während die Dame seines Herzens sich hier nach Herzenslust die Cour machen läßt , und von wem ? von dem Ausbund aller dünkelhaften Aufgeblasenheit , die je in einem bunten Rock steckte ; von dem König aller Ballhelden in Lackstiefeln und tadellosen Glacés ; von dem Musterbild unsrer jungen Laffen , die ihm vergebens seine Kopfhaltung nachzuäffen und sein Non , Ma ' am , oui , Ma ' moiselle ! nachzuschnarren suchen . Und wer ist dieser Held ? fragte Oswald mit einem Lachen , das nicht ganz natürlich klang . Ein russisch-preußischer Fürst Waldernberg - Waldernberg-Malikowsky-Letbus - Ist es nicht ein schwarzer Mann , so lang , wie sein Name , mit einem Gesicht , wie ein melancholischer Bulldog ? Ganz derselbe . Schön ist er nicht ; witzig ebensowenig , wahrscheinlich auch nicht einmal gut - aber , was thut ' s ? Bei der Aussicht , Fürstin von Waldernberg-Malikowsky-Letbus zu werden und über einige hunderttausend Seelen zu commandiren , kann man über die Seelenlosigkeit seines Gemahls schon gnädiglichst den Schleier der dunklen seidenweichen Wimpern fallen lassen . Während Emilie so den Dämon der Eifersucht zu ihrer Hülfe rief , waren sie in die unmittelbare Nähe von Fräulein Bärs Haus , an dem ihr Weg vorüberführte , gekommen . Emilie schwieg und zuckte zusammen , denn aus dem Schatten der Pappeln vor der Gartenpforte löste sich plötzlich eine riesige , in einen langen Mantel gehüllte Gestalt , die dort gestanden haben mußte , ab und kam langsam an ihren vorüber . Quand on parle du loup - flüsterte Emilie , als sie einige Schritte weiter gegangen waren ; wenn es weniger dunkel wäre , so würde das ein interessantes Rencontre gewesen sein . Die Begegnung des Fürsten zu dieser Stunde , an diesem Orte war eine Bestätigung von Emiliens Worten , die nicht stärker sein konnte . Der Tropfen Eifersucht , der eben in sein Herz getröpfelt war , setzte sein Blut in Flammen und brachte ihn mit jäher Schnelligkeit in jene verzweifelte Stimmung , in welcher Emilie an jenem Abend in Grenwitz war , als sie , von Oswald zurückgewiesen , Zorn gegen ihn und Eifersucht gegen Helene im Herzen , hinging und Clotens Braut wurde . Nur war der Unterschied , daß Emilie den Mann , in dessen Arme sie sich stürzte , nie geliebt , und auf Oswalds Herz die reizende Frau , die jetzt so verführerisch fest an seinem Arme hing , vom ersten Augenblick an einen tiefen Eindruck gemacht hatte . Wir sind an Ort und Stelle , sagte Emilie , als sie bald darauf an einer auf derselben Seite der Straße gelegenen Villa anlangten . Zwischen der Villa und dem Nachbarhause führte ein Weg , den Oswald kannte , direct in den Park . Er lenkte in diesen Weg ein ; Emilie zauderte für einen Moment . Fürchtest Du Dich ? flüsterte er . Mit Dir ! erwiderte sie noch leiser . Aber ihr Muth konnte doch so groß nicht sein , denn während sie die Strecke zwischen den beiden Häusern und dann den abschüssigen Pfad , der zuletzt über eine kurze gewölbte Holzbrücke in den Park führte , hinabgingen , schlug ihr das Herz zum Zerspringen , und als sie nun unter die hohen Bäume traten , durch deren entblätterte Zweige der Nachtwind in dumpfen Tönen rauschte , blieb sie stehen und sagte : Es ist recht dunkel hier . So fürchtest Du Dich doch , Du Liebe ? erwiderte Oswald , sein Gesicht so tief herabbeugend , daß sie seinen Athem auf ihrer Wange fühlte . An Deiner Seite nicht , und ginge es in den Tod . Sie hing an seinem Hals