Seen des Hochlandes - gen Süden zu den lombardischen Seen begeben , welche letztere übrigens unvergleichlich schöner sind , da sich an ihren Ufern die großen Kontraste des Hochgebirges und der südlichen Vegetation begegnen , tiefer Ernst und graziöse Anmut sich verbinden und eine Fülle wilder und weicher Formen von dem Schmelz eines überreichen Farbenspiels umflossen werden . Diese großen Gegensätze in Formen und Farben fehlen dem schottischen Hochlande , überhaupt der Naturschönheit des Nordens ; es hat nur eine Farbe : grün - und dadurch bekommt es einen ganz eigentümlichen Charakter von Schwermut , der aus dieser stillen , kühlen , einförmigen , wechsellosen Färbung hervorgeht . Es gibt kaum etwas Melancholischeres , als ein Sommerabend im schottischen Hochland , an einem dieser stillen Seen , mit grünbewaldeten hügeligen Ufern , wenn der Abendwind durch die Wälder rauscht und die unbelebte Fläche des See ' s ein wenig kräuselt und die eintönige Melodie eines Liedes herüberweht , das ein » Bagpiper « auf seinem Dudelsack bläst und das einst das Schlachtlied von Clan M ' Donald oder von Clan M ' Kenzie war . Graf Windeck behauptete , einen der größten Liebesbeweise für seine Töchter habe er ihnen durch diese romantische Reise zu den Seen des schottischen Hochlandes gegeben ; denn man laufe Gefahr , auf derselben einen Anfall von Spleen zu bekommen . Wenn kein Walter Scott gekommen wäre , würde sich nie ein Mensch um diese triste Naturschönheit bekümmert haben , die ihm den Eindruck eines grünen Leichentuches mache . Regina empfand in diesem nebelreichen und sonnenarmen Lande doppelt schmerzlich , daß auch die warme Liebessonne der katholischen Kirche hier hatte untergehen müssen . Als sie statt des Kruzifixes , das die Katholiken gewöhnt sind inmitten ihrer Gottesäcker zu sehen , um zwischen der Grabestrauer und den Todesschmerzen auf die selige Auferstehungshoffnung in und mit Christus hingewiesen zu werden - als sie auf dem Gottesacker zu Glasgow dafür die kolossale Statue , hoch thronend und weit sichtbar , des Apostels des reinen Evangeliums für Schottland erblickte , sagte sie zu Corona : » Sieh , wie die Irrlehre sich unabsichtlich als solche stempelt ! John Knox hat Christus verdrängt ! Über unsere Gräber schwingt sich der gekreuzigte Gottessohn aus seinem Grabe mit der Siegesfahne der Auferstehung empor und im Glauben an Ihn finden wir das ewige Leben . Diese Armen aber müssen zuerst an John Knox und dann an das glauben , was er ihnen von Christus übrig gelassen hat , müssen mit einer verstümmelten Lehre und mit verkümmerten Gnaden sich zufrieden geben - und müssen sich endlich im Grabe zu seinen Füßen betten . O , auf dem Karmel ! wie will ich da beten für die armen irrenden Brüder . Die heilige Therese stiftete ihre betenden und büßenden Klöster der unbeschuhten Karmeliten für Männer und Frauen , gerade zu der Zeit , als hier ein John Knox und in anderen Ländern Brüder seines Geistes gegen die heilige Kirche wüteten und die weltliche Macht auf ihre Seite rissen , so daß die guten Katholiken verfolgt , unterdrückt , martyrisiert und ausgerottet - die lauen aber angesteckt , wankelmütig und eingeschüchtert wurden , und die Irrlehre in der Welt die Oberhand zu gewinnen schien - wie denn hier im Lande eine Maria Stuart unterlag und eine Elisabeth triumphierte . Und sieh ! plötzlich trat ein ungeheurer Umschwung ein : der Strom der verderblichen Lehre wurde nicht bloß eingedämmt , sondern zurückgedrängt und der wiedergewonnene Boden aufs neue und kräftiger als zuvor von der heiligen Kirche angebaut und bestellt . Diese Gnadenkräfte hat nur das Gebet vom Himmel herabgezogen , und wo konnte mehr gebetet werden , als in den Klöstern , deren Ordensgenossenschaften damals entweder neu sich bildeten oder neue Zweige trieben , indem sie in ursprünglicher Strenge hergestellt wurden . O Corona , wenn dereinst die schwere Erdenbinde von unseren Augen fallen wird , welche wundervolle Dinge werden wir schauen ! .... und eine Schönheit erster Ordnung wird es sein , das fromme beharrliche Gebet um Rettung der Seelen wahrzunehmen - dies Gebet , das gleichsam ein Perlennetz und eine goldene Angel nach den armen Fischlein auswirft , welche in den bitteren Wassern der Glaubenstrübung schwimmen ; dies Gebet , das die heilige Therese mit ihren Söhnen und Töchtern vom Karmel so gut verstand . « » Wenn ich Dich so sprechen höre , Regina , möcht ' ich auch gern in ' s Kloster , « sagte Corona ; » aber ich habe nicht den Mut dazu . « » Bitte Gott darum , « entgegnete Regina , » und er wird Dir Mut geben . « » Aber ich habe auch nicht einmal den Mut , den lieben Gott recht aufrichtig um einen solchen Heldensinn zu bitten , « erwiderte Corona zaghaft . » Nun , dann wird das Kloster wohl nicht Deine Bestimmung sein ! « sagte Regina lachend . » Hoffst Du es denn wirklich bei dem Papa durchzusetzen , daß er Dich gehen läßt ? « fragte Corona . » Wenn ich nicht zuvor sterbe - gewiß ! Gott wird es schon so fügen ! Er gibt den Dingen plötzlich eine Wendung , die kein Mensch ihnen geben - ja , nicht einmal ahnen konnte , und das Ziel , das wir tausend Meilen fern von uns wähnten - liegt nahe vor uns . « Und wenn es vor uns liegt und uns unerreichbar ist , trifft es sich zuweilen , daß wir inzwischen anders geworden sind und - statt vorwärts zu gehen , umkehren möchten ! von so wandelbarer Gebrechlichkeit ist der Mensch . Auf Stamberg Es war ein wunderschöner Herbsttag . Die Sonne schien so golden vom blauen Himmel herab , als wolle sie durch ihren Glanz ihren Mangel an Wärme ersetzen . Die Laubholzwaldungen leuchteten in ihren bronzefarbenen Schattierungen , je nach Art der Bäume , vom hellen Citronengelb bis zum tiefen Blutrot . Einzelne Tannen sprangen schwarz und finster aus diesem goldenen Meer auf , das mit