» Wer ist Schwindelmann ? « » Schwindelmann , « entgegnete sie einigermaßen erstaunt , » ist der Theaterdiener , der uns zu den Vorstellungen abholt und im Wagen wieder nach Hause bringt . « » Ein junger Mann ? « fragte Arthur mit einer eifersüchtigen Regung . » O , Sie müssen Schwindelmann kennen ! « fuhr sie fort , ohne den Sinn seiner Frage zu verstehen . » Er läßt den großen Portalvorhang herab und kennt namentlich mich genau . Er und mein Vater sind zusammen in die Schule gegangen . « » Ah so ! « sagte Arthur sichtlich erheitert . » Und der Schwindelmann hat es gesehen , daß ich Ihnen die Hand gab ? « » Das will ich meinen , und er war sehr mürrisch . Sonst trägt er mir immer meinen Korb und nimmt ihn hinten zu sich auf den Wagen ; aber an dem Abend schob er ihn zu mir herein und brummte allerlei in den Bart. « » Das scheint mir ein braver Mann zu sein , der Theaterdiener , « sagte Arthur . » Auch fuhr er mich an dem Abend nicht zuerst nach Haus wie sonst , sondern zuletzt . Und dann ließ er den alten Andreas , den Kutscher , nach Hause , blieb bei mir an der Treppe stehen und hielt mir eine starke Predigt . « » Und das Alles , weil ich Ihnen die Hand gereicht ? « » Allerdings ; natürlicherweise bildete er sich noch viel mehr ein . Es sei schade um mich , sagte er , ich hätte mich so gut gehalten , Alle hätten die größte Achtung vor mir , man könne mir nicht das geringste Ueble nachsagen , und nun finge ich auf einmal so dumme Streiche an ! « » Schwindelmann scheint mir bösartig zu sein , « versetzte Arthur einigermaßen ärgerlich . » Nein , er ist sehr gut , « versetzte die Tänzerin . » Wissen Sie , er hat beim Theater schon sehr viel erlebt , « sprach sie mit sehr ernster Stimme ; » er hat gesehen , wie schon manches Mädchen unglücklich wurde , und da er mich , wie gesagt , gern hat , so warnte er mich auf ' s Allerernstlichste . « » Vor einem Händedruck ? « » Nicht nur ganz davor , « entgegnete sie heimlich lachend , » aber er sagte , das wäre der Anfang , und er hatte nicht Unrecht darin . Es ist bis jetzt Alles gekommen , wie der Schwindelmann mir vorher gesagt , « sprach sie auf einmal sehr ernst werdend , indem sie vor sich niedersah . - » Zuerst würden Sie sich mir Abends in den Weg stellen , mit mir zu sprechen ; und das haben Sie auch gethan , - anfänglich weniger und dann häufiger . - Dann aber « - hier stockte sie einen Augenblick , und fuhr erst fort , als sie Arthur aufmerksam und fragend anblickte - » dann aber würden Sie unter irgend einem Vorwand in unser Haus kommen ; und dann - - wäre ich auf dem Wege des Verderbens - o mein Gott ! « - Diese letzten Worte sprach das Mädchen mit gepreßter Stimme und in sichtlicher Angst , und als sie ausrief : » O mein Gott ! « preßte sie ihre beiden Hände vor das Gesicht , sprang auf und eilte zu ihrer kleinen Schwester , der sie emsig half , Teller und Gläser zu ordnen , ohne sich im Augenblick weiter um ihren Gast zu bekümmern . Arthur war überrascht sitzen geblieben und hatte die Tafel in den Händen des Bübchens gelassen , welches sie eifrig an sich nahm und mit zu den Schwestern hin sprang , um ihnen das Krokodil und die schöne Schlange zu zeigen . Auch der alte Herr trat jetzt nach vollbrachter Mittagsruhe wieder in ' s Zimmer und mußte ebenfalls die seltsamen Thiergestalten bewundern . Obgleich der Maler dem aufgeregten Mädchen gerne noch einige begütigende Worte gesagt hätte , so war dies doch nicht möglich . Sie kam nicht an das Fenster zurück , sie ließ ihn ruhig seinen Hut nehmen und wandte sich erst nach ihm um , als er dem Vater die Hand reichte , dem Bübchen auf den Kopf pätschelte und der jüngeren Schwester freundlich zunickte . Dann bot auch sie ihm einen freundlichen guten Tag , wobei er allein bemerkte , wie sie durch Thränen lächelte . Als er hierauf gedankenvoll die Treppe hinab ging , schüttelte er den Kopf und sagte : » Thränen bei meinem ersten Besuch , und Schlangen , die ich zeichnen mußte ; wenn das nur keine bösen Vorzeichen sind ! « Eine lange Zeit hatte , während Arthur bei Herrn Staiger war , draußen auf dem Gange Mademoiselle Emilie Wundel Bücher und Noten ausgeklopft , auch hie und da einen Vers aus irgend einer Arie getrillert , ohne daß der angenehme junge Mann zurück gekommen wäre . Endlich war Clara erschienen , und als er auch jetzt noch nicht kam , ging die Ausklopferin achselzuckend in ihr Zimmer zurück . - » Da hätte ich schön warten können , « sagte sie hohnlachend , » das ist ja eine abgekartete Geschichte ! Wie man auch so dumm sein kann ! « - Damit meinte sie die vorsorgliche Mutter . - » O die Clara ! Ich für meine Person habe ihr nie was Gutes zugetraut , das kann ich euch versichern ; die hat ' s lange heimlich getrieben ; jetzt wirft sie alle Scham bei Seite und läßt ihre Liebhaber am hellen Tage in ' s Haus kommen . Ihr werdet schon sehen : Einen nach dem Andern . - Pfui Teufel über dies Volk vom Ballet ! « - Achtundzwanzigstes Kapitel . Betrachtungen . Wir wissen nicht , theurer und geneigter Leser , ob du in deinem Leben schon in den Fall gekommen bist , in lebenden Bildern mitzuwirken . Daß du