erzählte , man hätte den Dieb sogleich auf dem kürzesten Wege , ohne alles Aufsehen , hinter dem Ort in den Thurm gebracht ... Dankmar begab sich jetzt aufs Amthaus , wo ihm die Düfte der von Zeisel ' schen Mittagstischvorbereitungen entgegenwallten und er erfuhr , daß der Justizdirector mit dem Schreiber bereits drüben im Thurme wäre . Dort angelangt fand Dankmar noch ein Dutzend Neugieriger , die an der geöffneten Verließthüre gafften , als wenn hier Jemand Pranger stehen sollte . Geht nach Hause , rief er ärgerlich ; die Grütze wird Euch kalt ! Beim Eintritt in den Thurm wußte sich Dankmar nicht gleich zurechtzufinden . Das alte Gebäude sah von außen kleiner aus , als sich die innere Räumlichkeit darstellte . Der Boden war der reine bloße Sand ; unterirdisch schien es also hier keinen Gewahrsam zu geben . Das durch die Thür hereinfallende Licht ließ zur Rechten eine schmale hölzerne Treppe erkennen , die empor führte . Dankmar bestieg sie und entdeckte sogleich einen der wahrscheinlich Herrn von Harder angehörenden Bedienten ; wenigstens war dieser von Bartusch ausgesprochene Name Schuld , daß er beim Anblick des Bedienten sich sogleich der bekannten Uniform jener vielvermögenden Familie der Harder ' s entsann , deren Haupt der alte neunzigjährige Chef der ausübenden Justiz des ganzen Landes war . ... Wir haben Sie schon kommen sehen , sagte der Bediente kurz und ziemlich impertinent , treten Sie nur hier ein ! Eine kleine niedrige Thür öffnete sich und in einem größern Gemache , das die ganze Rundung des Thurmes begriff , von einem Fenster aber nur spärlich erhellt war , fand er den Justizdirector , einen Schreiber und den neben dem Thurm wohnenden Wächter , der eine alte abgeschabte fürstlich Hohenberg ' sche Livree , hellblau mit roth , und ein gelbes Schild auf der Brust trug .... Dankmar erfuhr hier , was er schon über den Schloßvorfall wußte und wiederholte über den Gefangenen Dasselbe , was er zu Bartusch gesagt hatte . Die Absicht des Gefangenen , im Schloß zu stehlen , wurde von dem Justizdirector zwar nicht entschieden bestritten , aber doch auch gegen den unziemlich lärmenden Bedienten in Abrede gestellt . Er griff erst nach den Bildern herum , sagte dieser ; dann hob er sie von der Wand , und während wir auf einen Augenblick uns entfernt hatten , wollte er sie geradezu stehlen . Excellenz verlangen , daß Das streng genommen wird , und er muß doch noch vors Hofgericht in die Stadt ! Herr von Zeisel , den ein Grauen überfiel , als vom Hofgericht die Rede war , äußerte , daß hier vielleicht nur eine leichtverzeihliche Neugier obgewaltet hätte , mindestens könne er nicht begreifen , was ein reisender Handwerksgesell , den der Anblick schön ausgestatteter Zimmer gefesselt hätte , mit einem alten unansehnlichen Bilde anfangen sollte , während doch viel kostbarere , kleine transportable Sachen in der Nähe gestanden hätten , die man mit einem kühnen Griff sich hätte aneignen können . Übrigens könne ihm in der That nicht zugemuthet werden , diesen Gefangenen auf derlei geringfügige Aussagen hin der annoch zu Recht bestehenden Ortsjustiz zu entziehen , es müßte denn von einem hohen Obergerichte ihm ausdrücklich befohlen werden . Weit bedenklicher scheine ihm allerdings des Gefangenen gänzlicher Mangel an Legitimation und sein trotziges , hartnäckiges Ablehnen jeder nähern Erklärung , weshalb er auch durchaus nichts dagegen hätte , daß sich der von ihm mehrfach um Vermittelung ersuchte anwesende Herr zu ihm verfüge und von ihm selbst die Willfährigkeit zu Geständnissen zu gewinnen suche . Dankmarn fielen hier Hackert ' s Mittheilungen über die Hohenberg ' sche Justizpflege ein . Er verstand vollkommen des mildgesinnten Justizdirektors Absicht , dieser Untersuchung so viel wie möglich überhoben , noch mehr aber vor einer Verschleppung derselben an die Kreisgerichte gesichert zu sein . Der Harder ' sche Bediente murmelte Vielerlei gegen diese Erklärung , aber die Versicherung des Amtsboten und Gefangenwärters , der Inculpat säße ja nun criminalisch , bewirkte denn doch , daß der Justizdirector , der wie Alle auf dem Lande gegen zwölf Uhr aß , die Sitzung aufhob und Dankmarn bat , ihm um drei Uhr Nachmittag , wo er seinen ärztlich befohlenen Ruheschlaf beendigt hätte , gefälligst mitzutheilen , was er von dem störrischen und trotzigen jungen Manne , der sich nur ihm hätte anvertrauen wollen , denken solle . Dem Wärter die strengste Obhut anempfehlend , stieg er mit dem Schreiber , der seinen ziemlich leeren Protokollbogen in eine Mappe legte , die baufällige Treppe behutsam hinunter . Der Bediente , Dankmarn mit mistrauischen Blicken musternd , folgte . Der Wärter aber winkte dem staunenden Dankmar und führte ihn noch eine Treppe höher . Diese brachte ihn erst zu den eigentlichen Gefängnissen , deren der Zahl der kleinen vergitterten Fenster nach zu schließen , die Dankmar außen beobachtet hatte , etwa vier oder fünf hier sein konnten . Sind sonst noch Gefangene da ? fragte Dankmar beim Hinaufsteigen . Nein , erwiderte der Wächter , es fällt jetzt im Ganzen nicht viel vor , und was Politische sind , die kommen gleich weiter ins Provinziale ! Jetzt stand Dankmar im zweiten Stock vor einer stark verriegelten Thür , die erst zu einem Vorplatze führte . Hier umgab ihn völlige Finsterniß . Der Vorplatz war nur von der aufgehenden Thür erhellt , die der Wächter gleich ansichzog . Ich muß Sie mit einschließen ... sagte der Mann zu Dankmarn , und war dabei nicht ohne Höflichkeit . Thut nichts ! erwiderte Dankmar . Sie brauchen nur aus dem Fenster zu rufen : Pfannenstiel ! Dann höre ich ' s schon und komme . Gut ! gut ! sagte Dankmar und hörte mit pochendem Herzen , wie Pfannenstiel , dessen Namen er fast überhörte , in der Dunkelheit den Schlüssel an ein Schloß setzte und öffnete . Die Thür eines kleinen niedrigen Gemachs ging auf und in der That , vom spärlichen Lichte , das durch die Gitterfenster fiel , beleuchtet ,