für ihr ganzes Leben in eine unheilvolle Richtung schleudert . Aber ich erkannte daß Benvenuta an meiner Seite , unter diesen Umständen , Eindrücke empfangen müsse , die ihr ebensowenig segensvoll sein könnten als für mich die lange Krankheit meiner Mutter gewesen war , und ich entschloß mich sie in eine Erziehungsanstalt in Ouchy bei Lausanne zu geben . Diese war nicht groß , nahm nie mehr als zwölf junge Mädchen auf , war auf einen höchst einfachen , häuslichen Fuß eingerichtet , lag inmitten eines herrlichen Gartens am See , und erfüllte durch sorgsame Aufsicht und vortrefliche Lehrer meine Ansprüche . Benvenuta fand dort fröhliche Gefährtinnen ; nicht nur Beschäftigung , sondern , durch Wetteifer belebt , auch Interesse für dieselbe ; und endlich in der Einfachheit des Zuschnitts des Lebens eine höchst nothwendige Schranke gegen übermäßige Verwöhnung , in die sie als einziges Kind und als Erbtochter eines reichen Hauses verfallen war . Es kostete mich einen harten Kampf diesen Entschluß festzuhalten . Mir graute vor der grenzenlosen Einsamkeit die mich nach Benvenutas Abreise umgeben würde . Ich sagte mir , ich könne ja in der Villa paisible so gut wie in Engelau Gouvernante , Hofmeister , Lehrer für sie halten - diese Lieferanten des Bildungsproviants . Aber die Gespielen , die jugendlichen Gefährten bei Unterricht und Erholung konnte ich ihr nicht schaffen , und das bestimmte mich vorzugsweise . Zum neuen Jahr brachte ich sie nach Ouchy , und hatte die Freude , daß sie sich leicht in ihren fremden Umgebungen zurechtfand . Die Villa paisible war für das junge Wesen zu abgeschieden gewesen ! Ich aber kehrte beruhigt dahin zurück und sah mich mit einem halb beklemmenden und halb wolthuenden Gefühl in gänzlicher Einsamkeit . - - - - - - Ich hatte wieder einen Gegenstand gefunden , von dem ich Beschäftigung und Nahrung für meinen ewigarbeitenden Geist hofte . Im Canton Waadt herrscht die Calvinische Kirche , die sich an manchen Orten zu äußerst streng religiösen Secten , deren Anhänger dort Methodisten und Momiers genannt werden , zugespitzt hat . Sie ziehen sich ganz von der Welt zurück , verschmähen nicht nur die geselligen Zerstreuungen dermaßen , daß Bälle und Schauspiele ihnen sündhaft erscheinen , sondern meiden auch geistige Unterhaltung , Musik , Lectüre , sobald sie nicht religiösen Inhalts sind und sich um Christus , um Gnade , Rechtfertigung , Erlösung und Genugthuung bewegen . Sie lesen nur derartige Andachtsbücher und hauptsächlich die Bibel , kommen nur mit Gleichgesinnten zusammen , und unterhalten sich in ihren Vereinigungen nur durch geistliche Gespräche , Bibelerklärung , Lesen von frommen und ascetischen Schriften - zuweilen mit einem geistlichen Gesang . Uebrigens sind es stille Leute , nicht besser und nicht schlechter als Andre , und etwas langweiliger und dafür weniger frivol . Am ganzen Leman , in Genf , Lausanne , Vevay , Montreux sind sie sehr zahlreich in allen Ständen und Classen , und ich war in der höchsten Spannung Menschen kennen zu lernen , die ihr Leben um einen einzigen Gedanken , das Sterben Christi , aufgebaut hatten . Es wurde mir auch möglich durch einen Arzt aus Montreux , den ich durch eine Krankheit meines Kammerdieners kennen lernte , mit ihnen bekannt zu werden , denn dieser Mann und seine ganze Familie war ganz methodistisch . Ich fand bei ihnen die Lehrsätze mit einer Schärfe und Strenge ausgeprägt und festgehalten wie nur immer in der Katholischen Kirche - aber nach meiner Ansicht ohne die Consequenz der letzteren . » Was hält denn Eure Dogmen aufrecht , was giebt ihnen Basis und Krone , da Euch die Autorität der Kirche und die Gemeinschaft des Glaubens fehlt ? « fragte ich zuweilen ; und erhielt immer die Antwort : » Das Wort Gottes , die heilige Schrift , ist unsre Autorität . Was sie sagt und gebietet , nehmen wir an , was sie nicht sagt - verwerfen wir . « » Aber kein Mensch wird geboren mit der Kenntniß der heiligen Schrift ; sie muß ihm gedeutet und erklärt werden . Wer erklärt sie Euch ? « » Die lautre Milch des Wortes gewährt auch dem unmündigsten Geist eine leicht verdauliche Nahrung . Wir haben die Verheißung des Herrn : » Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen , da bin ich mitten unter Euch . « Wir getrösten uns derselben und wissen , daß beschirmt vom heiligen Geist die Wahrheit wächst und gedeiht . « » Eure eigene Autorität ist also Eure letzte Instanz ? « » Unsre Lehre ist es in Uebereinstimmung mit der heiligen Schrift , wie sie uns von unsern Lehrern und Geistlichen überliefert wird . « » Also haben Eure Lehrer doch für Euch die Autorität der Unfehlbarkeit ! aber letztere ist gegen das Princip der Reformation , welche die Unfehlbarkeit antastete und verwarf . « » Und eben deshalb besitzt ein Jeglicher in der heiligen Schrift die Leuchte , welche seinen Fuß auf den Weg des Friedens führt . « » Also dennoch wie ich sagte in letzter Instanz Eure eigene Autorität , wie sie sich aus den Bedürfnissen und der Auffassung des Individuums herausbildet ! rief ich . Mein Gott ! ist die ein Anker für die unruhige schwankende Menschenseele ? « » Wir sind fest im Glauben und ruhen in Gott . « » Wol Euch ! sagte ich ; es ist eine glückliche Gabe sich über alle Widersprüche hinweg in den Schooß des Glaubens flüchten zu dürfen . « » Sie wird auf dem Weg des Kreuzes gefunden - in der Schule des Leidens , nennt es die Welt ! Drum segnen wir die Trübsale und damit sie jeden Stachel für uns verlieren , gedenken wir des herben Leidens und Sterbens des Heilands unaufhörlich . Durch den Gedanken daß er sie mit uns getheilt hat , wandelt sie sich in Wonne . Halleluja ! meine Seele lobe den Herrn ! « Die Person mit der ich dies Gespräch und zahllose ähnliche hatte , war