! « Da saßen Mutter und Tochter aufgerichtet im Bette und sahen sich verwundert in ' s Gesicht beim Schein der Lampe , die Eva auszulöschen vergessen . Sie hatten beide geträumt , beide von derselben Person , und beide doch wie anders ! » Ach der arme Junge , und der war dir so gut , « sprach die Mutter . Eva rief : » Das ist er , aber es war wohl ein Traum ! Er spielte mit dem Kurfürsten Fangen , und sie warfen sich rothbackige Aepfel zu . « - » Ihm wird ' s schlimm gehn , « sagte die Mutter . » Nein , gut « , erwiederte Eva . Beide stritten in Güte und hatten doch keine Gründe , bis sie Beide lachen mußten . Und dann plauderten sie noch lange fort , und Eva erzählte der Mutter , was Hans Jürgen auf dem Heimweg vom Vorwerk ihr erzählt , wie er mit dem fremden Jäger zusammengetroffen , und noch mancherlei , bis die Mutter sanft entschlief . Das Lächeln auf ihren Lippen küßte Eva verstohlen weg , und selbst mit einem himmlisch frohen Lächeln , das ich Einem gegönnt hätte , daß er ' s gesehen , streckte sie ihr Köpfchen unter die Decke . Zwanzigstes Kapitel . Zwei Erwachen . » Sprich , was Du denkst « , sagte der Kurfürst zu seinem Begleiter , als sie durch den Fichtenwald ritten . Das kleine Gefolge war auf seinen Wink zurückgeblieben . Die Morgenstunde fing an die Nebel zu zertheilen und versprach einen schönen Tag . » Daß Ihr wieder gut machen wolltet , was Ihr schlimm gemacht . Aber - « » Grad ' heraus , Niemand lauscht , und ich bin in der Laune , Dich zu hören . « » Ihr denkt , der Specht spricht auch , und der Häher und die Krähe schreien , warum nicht Hans Jürgen . « » Was ich denke , ist mein . Ich will Deine Gedanken hören . « » Nu ja , Herr Kurfürst , was ich von Euch damals dachte , das wißt Ihr , als ich noch nicht wußte , daß Ihr ' s wart . « » Das zu wiederholen erlaß ich Dir . Was denkst Du aber nun ? « » Weil Ihr meinem Oheim so große Schande angethan , darum kamt Ihr . Denn , daß Ihr auf der Jagd blos verirrt wär ' t und nur so von ungefähr angesprochen , das glaube ich nicht . « » Bursch ' , Du zeihst Deinen Fürsten einer Lüge ? « » Das darum auch noch nicht . Bei Hofe und in der Stadt mag ' s wohl so in der Art sein , daß Jeder was anders sagt als er im Sinne hat ; weil das Jeder vom Andern weiß , so gleicht sich ' s aus . « » Und wenn ich darum nach Hohen-Ziatz geritten wäre ? Wir sind hier nicht bei Hof , wir sind in Gottes freiem Walde . Du darfst nicht hinter ' m Berge halten . « » Wenn Einer Einen geschlagen hat , oder was noch schlimmer ist als das , denn das ist es , und nun kehrt er bei ihm im Hause ein , und ißt an seinem Tisch und schläft bei ihm zu Nacht , da weiß ich doch nicht , wie er das damit wieder gut macht . « » Bist Du unter Bären aufgezogen ? Weißt Du nicht , was der Unterschied ist zwischen einem Fürsten und Vasallen ? « » Jeden juckt doch seine Haut , und was Ehr im Leibe ist , das weiß doch ein Vasall so gut , wie ein Fürst . « » Denke , Du wärst ich , und hättest einem Vasallen , einem Fremden Unrecht gethan , und fühltest den Drang , es wieder gut zu machen . Was würdest Du thun ? - Du besinnst Dich sehr lange . « » Das ist schon recht . Es geht Einem schwer an . Aber wenn ich einen zu meiner Thür hinausgeworfen hätte wider Recht , den lüd ' ich wieder zu mir ein , wenn ' s auch über ' s Recht wäre , mit allen Ehren und thäte ihn bewirthen wie einen Fürsten , wie ' s mich auch hart anginge , und was auch die Leute dazu sagten , und wenn - « » Besinne Dich , Hans Jürgen , ob ich nicht mehr that ? « Hans Jürgen besann sich : » Ja , Ihr denkt ' s so . Daß Ihr Euch so fast allein in unsern Wald gewagt und in unser Haus geritten , und ohne Leibtrabanten Euch zur Ruhe gelegt habt . Denn um der Ehre willen war das gar nicht nöthig , daß Ihr noch zur Nacht bliebt . Wenn Ihr zur Vesper gegessen und einen Trunk gethan , hättet Ihr noch ganz gut bis Golzow reiten können , wo Ihr bei den Rochows besser aufgenommen wart , als bei uns . Aber Ihr thatet es , um so zu thun , als wenn Ihr uns wunder was Vertrauen damit zeigen thätet . Aber ich meine , für meine Person , das ist nicht so sehr viel , denn das weiß doch jedes Kind , daß wir Euch nicht todt geschlagen hätten , und hätten ' s auch nicht geduldet , daß Euch Einer ein Haar krümmte , blos weil Ihr unser Gast wart . Ich stand selbst die ganze Nacht durch vor Eurer Thür Wache . Dagegen ist nun nichts , und ' s ist auch ganz gut , aber Ihr denkt Euch doch nun , wir Alle müßten uns überschlagen vor Erstaunen und Verwunderung , und vor Dankbarkeit nicht wissen , wo wir hin sollten , und dabei kommen mir denn so eigene Gedanken . « Joachim ritt eine Weile schweigend vor sich hin . » Sie werden ' s mir nicht danken , meinst Du ?