Ding neu aufzuputzen , legte ich für meine Stimme Gesänge ein , die ich selber dichtete und komponierte Lieder , die den Wert des Geldes priesen , den Raub halb komisch entschuldigten , die reichen Geizhälse schalten und dergleichen mehr . Wir machten mit unserer Extravaganz Fureur , wie man es nennt . Der Zulauf war so ungeheuer aus der Stadt und der ganzen Umgegend , daß wir das Stück zwölfmal hintereinander bei überfülltem Hause und doppelten Preisen geben konnten . Mein bankerotter Gesell war gerettet , hatte bedeutenden Überschuß und konnte , da ich für meinen Spaß nichts begehrte , seine Truppe wieder erneuern und verbessern . Nun sei es fern von mir , meinem größeren Rival seinen Karl Moor zu nehmen , aber den Spiegelberg will ich so recht con amore darstellen , und ihn , was eigentlich besser paßt , alle diese Lieder und Arietten singen lassen . « » Recht so ! « sagte der Komponist ; » ich helfe bei der Einrichtung mit Instrumenten und Musik , daß das Gedicht : Ein freies Leben führen wir , welches zum Studentenliede erhoben ist , recht infernalisch kann gebrüllt werden . Waldhörner und Räubermusik müssen noch öfter vorkommen , als Karl Moor sie fordert , und eine große wirkliche Schlacht mit Schießen und Hauen muß den zweiten Akt beschließen . Dazu können wir diese neue Einrichtung des Theaters , und seine Stufen , Treppen und Balcone vortrefflich benutzen . Das soll ein Toben geben , daß den Leuten das Herz im Leibe lacht . Da können wir einmal recht unsere Lust büßen . Ich spiele mit Vergnügen den Roller , oder den Bastard Hermann , oder , wenn es sein muß , alle beide . « » Vortrefflich ! « rief Elsheim , » und unsern Schulmeister machen wir glücklich , wenn wir ihm den biedern Schweizer geben . « » Auch ich « , sagte Mannlich , » trage gern zum allgemeinen Almosen bei , denn ich habe schon sonst den alten Grafen mit Beifall gespielt , diese Rolle kann ich sogleich wieder übernehmen . « Sie standen auf , doch Leonhard hielt sie noch zurück und sagte : » Wir haben die Hauptsache vergessen . Keine von unseren Damen wird sich zur Amalie hergeben wollen . « Elsheim lachte und antwortete : » Schadet nicht , ich denke , diese Heldin werde ich schaffen können . Ja , das Trauerspiel muß so aufgeführt werden , wie wir es beschlossen haben , ich lade morgen höflich alle diese Bittsteller ein , und in drei oder vier Tagen geben wir die Räuber , und wenn ich selbst die Amalie spielen sollte . « Es war in des jungen Barons Weise , daß , nachdem er sich entschlossen hatte , sich und seinen Freunden , wo möglich , durch den wandernden Komödianten einen Scherz zu bereiten , er auch für ihn zu sorgen sich verpflichtet fühlte . Schon auf der Reise war ihm das kleine Bündel aufgefallen , mit welchem sich der Eilende trug ; sein Gewand war noch dasselbe , nur etwas abgetragener ; er dachte also darauf , ihn ingeheim so auszustatten , daß er sich mit Anstand in der Gesellschaft zeigen könne . Er lud ihn daher auf sein Zimmer , wo er ihm selbst zwei noch gute Kleider nebst Wäsche und Zubehör in einen Koffer gepackt hatte , und als er dem Künstler das Geschenk übergeben , ließ er es von dem Gärtnerburschen , als ob es eben angekommenes Gepäck des Reisenden wäre , in das Haus des Pachters tragen . Dieses Geschenk war um so besser angebracht , da der Fremde ungefähr denselben Wuchs und die Größe des jungen Barons hatte . Leonhard war seit einigen Tagen in einer mehr als unruhigen Stimmung . Er fühlte , daß sein Freund irgend etwas gegen ihn habe , ja er ahndete selbst die Ursache ihres gegenseitigen Zwiespalts , und dennoch konnte er den Moment nicht finden , den Entschluß nicht fassen , offenherzig den Gegenstand zu besprechen . Auffallend war es , daß Elsheim seinen unruhigen Freund gewissermaßen bewachte . Dieser sah jenen oft ganz unvermutet neben sich , wenn er ihn weit entfernt glaubte . Sein prüfendes Auge lauschte , und Leonhard war oft verlegen , ohne sich sagen zu können , warum . Auch erschien in der Heiterkeit , dem Lachen und Gespräch des jungen Barons etwas Erzwungenes und Übertriebenes , so daß Leonhard vielfältig wünschte , die Stunde seiner Abreise möge schon herbeigekommen sein . Es war ihm bisher unmöglich gewesen , sooft sich auch dazu die Gelegenheit zu bieten schien , mit Charlotten allein zu sprechen . Sie hatte ihm zuweilen einen Wink gegeben , aber Elsheims lauernde Gewandtheit hatte jedes Verständnis , jedes vertraute Gespräch zu hindern gewußt . Auch Charlotte machte ihn irre und ängstlich , denn sie behandelte ihn , da sie ihn nur in Gesellschaft sah , mit auffallender Kälte , aber noch sichtlicher entfernte sie sich von Elsheim . Und so trieben sich die noch vor kurzem so heiter Gestimmten in Verwirrung und Ängstlichkeit um , jeder den andern vermeidend und suchend , nach Frohsinn ringend , fast immer zerstreut , so daß das Gespräch oft plötzlich unterbrochen wurde , und die beiden Freunde gewannen durch diese Lästigkeit und den Druck der Gegenwart die Überzeugung , daß es notwendig sei , zu einer deutlichen Erklärung zu kommen . Leonhard hatte im Theatersaal ein Buch liegenlassen und ging hin - es war noch früh am Morgen - es zu suchen . Er fand es nachdem er eine Weile herumgekramt hatte , und , indem er sich an die Säule lehnte , stand plötzlich Charlotte vor ihm . Er war bei diesem Anblick tief bewegt , ja fast erschrocken . Es schien , als sei sie schnell die Treppe heraufgestiegen , denn ihr Atem war kurz , und eine wallende Röte hatte ihre Wangen überflogen . » Sehen wir uns endlich einmal allein ? « flüsterte sie .