. Er gebe , fügte er , den Herzog entschieden anblickend , hinzu , dem Kaiser , was des Kaisers , und Gotte , was Gottes sei . Der Herzog fühlte sich in einer zornigen Verlegenheit . Er war ein ganz guter regelrechter Katholik , doch betrachtete er , wie die meisten vornehmen Männer seines Glaubens , diesen mehr als eine Sache für sich , von der nicht viel Wesens gemacht werden müsse , und alles , was von fern nach Fanatismus oder Verbreitungssucht schmeckte , war ihm im Grunde der Seele zuwider . Nun aber durfte er den , der immer ein nach den Begriffen der Kirche gottgefälliges Werk getan hatte , doch nicht dieserhalb schelten , und so blieb ihm denn weiter nichts übrig , als dem geschäftigen Priester mit scharfer Freundlichkeit zu eröffnen , daß er für seine weitere Befördrung Sorge tragen werde . Unter diesen Verdrießlichkeiten wurde ihm die Klage des Oheims behändigt , welche , lange vorbereitet , ihn vor den höchsten Gerichtshof der Provinz lud , über die Herrschaft , über seine Weiler und Vorwerke , Wiesen , Wälder , Teiche und Flüsse , Gemarkungen und Breiten zu Recht zu stehn . Abermals begann nun das Suchen nach dem verschwundnen Adelsbriefe der Urältermutter , von welchem er und Wilhelmi das Schicksal dieses Streits abhängig glaubten . Kein Winkel der Bibliothek , des Archivs , der Registraturen blieb undurchforscht . Indessen waren diese Mühen vergebens . Er zog sich hierauf ebenfalls in die Einsamkeit seiner Zimmer zurück , und selbst die Hausoffizianten , welche zunächst mit ihm zu tun hatten , bekamen ihn nicht zu sehn . Fünfzehntes Kapitel » Welche fremde Gewalt nimmt mich so ungestüm gefangen ! Man hat mir gesagt , es sei unsre Bestimmung , zu lieben und geliebt zu werden . Warum denn nun diese Bangigkeit , diese Angst ? Klopft der Blume auch so das Herz , wenn sie aus der schwachen , farblosen Knospe bricht ? Mir ist immer , als stände ich auf der schwindelerregenden Spitze eines hohen Turms , und selbst seine Nähe beruhigt mich nicht . « * » Ich bemühe mich oft , mir den Eindruck recht klar zu machen , den ich empfand , als ich dich zum ersten Male erblickte , Hermann ! Denn ich meine , wenn ich mir nur darüber Rechenschaft geben könnte , so müßte eine Rettung aus dieser Not sein . Aber es ist vergebens ; je mehr ich darüber nachsinne , desto undeutlicher fließt alles ineinander , bis du mir begegnest , wo denn in Tränen und Lust alles Grübeln weit weg flieht . « * » Warum hast du nicht Platz behalten , Gott , in dem Herzen , welches dir so ganz gehörte ? Warum erlaubtest du deinem Geschöpfe aus Staub , sich neben dir einzudrängen , und die reine Weihrauchwolke , die dort sich dir erhob , zu zerstreun ? « * » Dies ist die Sünde ! Nun weiß ich , was das schreckliche Wort bedeutet . Ich tue nichts Unrechtes , und doch bin ich verstimmt ; meine Gedanken mischen sich und erquicken mich nicht mehr , meine Seele nimmt verschiedne Stellungen an , und in keiner ist ihr wohl . Und doch ist , was ich erleide , nur ein gemeines Schicksal so vieler meines Geschlechts , warum werde ich denn nun dadurch so geplagt ? « * » Ich habe mir vorgenommen , ihn zu meiden , aber was hülfe mir das ? Bliebe nicht immer seine Schattengestalt in meiner Seele störend zurück ? Nein , ich muß versuchen , dies Fremde in mir innerlich zu überwinden , es in den Frieden , der mich sonst durchsäuselte , aufzulösen . Ich muß diese Liebe zur Tugend erheben . « * » Es ist so süß , so lieblich , was ich oft empfinde , wenn ich neben Hermann sitze , daß ich mitunter denke , alle diese Ängstigungen laufen wohl am Ende auf leere Selbstquälerei hinaus . Ich möchte ihn selbst gern zum Richter über unser Verhältnis machen , er sieht mir an , daß ich ihm etwas zu sagen habe , sein freundlicher Blick will mir Mut machen , das Wort schwebt mir auf der Lippe , dann riegelt mir eine unbezwingliche Gewalt den Mund zu . « Über den Blättern , welche diese und ähnliche geheime Ergießungen eines zart liebenden , mit sich zwiespältigen Gemüts enthielten , saß Hermann und las sie , wir wissen nicht , zum wievielsten Male ? Es waren diejenigen , welche der unbescheidne Vogel ihm in die Hände gespielt hatte . Das war die Hand der Herzogin , und sein Name stand hier in so gefährlicher Verbindung geschrieben ! » So ist es denn wahr ! « rief er . » So ist mir das Geheimnis ihres Betragens enthüllt ! So soll ich undankbar an meinem Gönner und Gastfreunde werden ! « Er schrieb mit Heftigkeit an Cornelien , warf ihr vor , daß sie ihm auf seine früheren Briefe nicht geantwortet habe , versicherte ihr seine ewige Liebe , und daß er trotz des Widerspruchs von seiten des Oheims die Verbindung mit ihr werde zu bewirken wissen . In der Einsamkeit , welche nun zum Gegensatze der früheren Geschäftigkeit im Schlosse herrschte , war nichts , was ihn abzog . Er fühlte sich müßig , gepeinigt ; er wußte nicht , an welcher Handhabe er seine Tage anfassen sollte . Viele Stunden versaß er in den Zimmern des alten Herrn , zu denen er den Schlüssel behalten hatte . Nach dessen letztem Willen sollten sie unberührt bleiben , weil sie die Erinnerungen seines Lebens enthielten . Er selbst war dort in ganzer Figur gemalt , als Schäfer ; rings um dieses große Bildnis wimmelte es von kleineren in ovalem und vierecktem Format , aus welchen jugendlich schöne Gesichter als Nymphen , Dianen , Jägerinnen , Armiden und Griechinnen hervorsahen . Alle Tische und Schränke waren mit Kleinigkeiten von Holz , Porzellan ,