in diesem traurigen Zustande lebten , hatte mein Bruder den Leichtsinn , Ihnen , mein theurer Graf , Briefe an seine Mutter und an seinen Schwager zu geben , dessen Tod er nicht wußte und den er wieder in der Schweiz vermuthete , und so betraten Sie unser Haus . Ich hatte es nicht über mich vermocht , mein Herz zu zerreißen und meiner Mutter den ganzen Zusammenhang meiner traurigen Geschichte zu erzählen ; sie wußte bloß , mein Gemahl und mein Sohn seien gestorben , und sie glaubte keine Unwahrheit zu sagen , wenn sie mich Ihnen als die Wittwe Blainville vorstellte . Ich war es gern zufrieden , diesen Namen zu behalten und das entsetzliche Unglück meines Lebens im Verborgenen zu tragen , denn so konnte mich doch kein rohes Wort verletzen . Im Geheim bemühte sich Dübois immer noch , etwas von meinem Sohn zu erfahren , aber jede Spur seines Daseins war verschwunden . Ich weiß es , mein theurer Freund , ich trat Ihnen bleich , wie ein Marmorbild entgegen , mit tiefem Kummer im Herzen , voll Abscheu gegen eine Welt , die ich mich zu verlassen sehnte , und dennoch machte dieß vom Schicksal vernichtete Wesen Eindruck auf Ihre Seele und fesselte Ihr Herz . Ach ! und ich erkannte mit Dankbarkeit die zarte Aufmerksamkeit eines edeln Gemüths ; ich fühlte den milden Trost der Freundschaft , und ein dämmerndes Licht fiel in meine Seele und zeigte mir als schwachen Schatten einen fernen Reiz des Lebens . Ich weiß nicht , ob meine Mutter durch das erlittene Unglück scharfsichtiger geworden war , aber sie bemerkte zuerst Ihre wachsende Neigung und gründete die Hoffnung ihres Alters darauf . Ich gestehe es jetzt , mein edler Freund , mich erfüllte damals der Gedanke an jede andere Verbindung , als die ich glaubte mit dem Himmel geschlossen zu haben , mit Entsetzen , und ich zog mich unwillkührlich von Ihnen zurück und brachte meine Mutter dadurch zur Verzweiflung , die sich nun um ihre letzte Hoffnung betrogen sah . Wenn Sie ahnen könnten , was ich damals litt , Ihr edles Herz würde mich beklagen . Bitten , Thränen , Vorwürfe und Verwünschungen wendete mit wilder Leidenschaftlichkeit meine Mutter an , um mich Ihren Wünschen geneigt zu machen , und ich mußte mir gestehen , daß ihr von Alter , Krankheit und Gram geschwächter Körper diesen zerstörenden Empfindungen nicht lange würde widerstehen können . Ich glaube , mein theurer Freund , Sie hatten damals eine zu strenge Ansicht von der weiblichen Würde , und bei verschiedenen Gesprächen , die zu meiner Qual über die französische Revolution geführt wurden , äußerten Sie sich hart über die Frauen , die auf irgend eine Weise daran Theil genommen hatten , und als ich ein Mal bemerkte , daß wohl ein hartes Schicksal eine Frau darin verflechten könne , erwiederten Sie mit großer Heftigkeit , daß dieß für eine edle Frau ein unermeßliches Unglück sein würde , denn ein solches männliches Handeln und Leiden würden jeden Reiz der Weiblichkeit vernichten , wie es ja auch Frauen so roh machen kann , fügten Sie hinzu , daß sie fähig sind , nachdem sie kaum den Mann begraben haben , der auf dem Schaffot verbluten mußte , einem andern die Hand zu reichen , und ihm Zärtlichkeit und Liebe zu versprechen , da ihre Seele nur Schauder und Entsetzen sollte fühlen können . Mir würde eine solche Frau , schlossen Sie damals , abscheulich bleiben , so lange ich lebte , und ich begreife nicht , wie irgend ein Mann anders fühlen kann . Diese Worte , die vielleicht nur ein augenblickliches Gefühl Ihrer Seele , vielleicht nur eine Verstimmung bezeichneten , haben uns beide , mein geliebter Freund , um das reine Glück das Lebens gebracht . Ich , die ich die Pläne und Wünsche meiner Mutter kannte , betrachtete diese mit Wehmuth , denn mir schien jetzt Alles beendigt . Ich beschloß nun , ewig über mein Schisal gegen Sie zu schweigen , aber mich auch entschieden von Ihnen zurückzuziehen , um nicht Hoffnungen zu nähren , die nicht erfüllt werden konnten , denn nach Ihrem eigenen Geständniß mußten Sie ja aufhören , mich zu lieben , wenn ich im Stande wäre , Ihnen die Hand zu bieten , nachdem ein entsetzliches Unglück mir den ersten Gemahl entrissen hatte , und nur , indem ich Sie über mich täuschte , hätte ich mir Ihre Liebe erhalten können . Ich sah die Nothwendigkeit ein , meiner Mutter das Unglück meines Lebens in seiner ganzen Ausdehnung mitzutheilen , damit sie sich entschlösse , Hoffnungen , die sie mit Entschiedenheit nährte , aufzugeben . Ich erfüllte diese schwere Pflicht , deren Ausübung mich zu vernichten drohte . Meine Mutter , im Erstaunen über das ihr völlig Neue und Unerwartete , hatte noch die Grausamkeit , mich mit Klagen und Vorwürfen über dieß lange lieblose Schweigen zu bestürmen , und bemerkte ihre Härte erst , als sie mich wie sterbend vor ihr nieder sinken sah . Jetzt erwachte ihre Liebe wieder , und die Verzweiflung , in der ich sie erblickte , als ich wieder zur Besinnung kam , gab mir den Muth , zum Troste der Mutter das Leben zu ertragen . Damals ahneten Sie nicht , mein theurer Freund , wie tröstend und wie quälend mir Ihre zärtliche Sorge während der Krankheit war , die mich als Folge der stürmischen Auftritte mit meiner Mutter befiel . Es konnte mir nicht mehr verborgen bleiben , daß Sie sich mit leidenschaftlicher Liebe entschieden hatten , Ihr Geschick an das meine zu knüpfen , und sobald es meine Kräfte erlaubten , bat ich meine Mutter , Sie mit der Geschichte meines Lebens bekannt zu machen . So willst Du mir denn hartnäckig um einer Grille des Grafen Willen alle Hoffnungen auf ein ruhiges Alter rauben ? fragte meine Mutter mit Thränen . Können Sie wollen , entgegnete ich , daß ich einen edeln Mann hintergehen