Sie . Wie anders könnten Sie der Freundin dienen , würden Sie der gute Engel des Kleinen . Ich habe etwas Aehnliches wohl lange im Stillen gedacht , aber da Sie mir nichts zu sagen hatten , so konnte ich Ihnen auch nichts sagen , und bat darum Curd , zuweilen hinaus nach dem Amthof zu reiten , und mir zu schreiben , wie es um das Kind stehe . Es wird denn nun freilich an seinen Berichten nicht viel sein . Ich dachte aber , immer ist es ein verwandtes Gesicht , nur eine Erinnerung aus der frühern Zeit , die dem Verlassenen in dem ungewohnten Leben Freude machen muß . Und kann ich doch sonst nichts mehr für meinen Liebling thun ! O wie das Kind auf meine Seele drückt . Die weiche , liebreiche Madame Lindhof theilt mir Alles mit , was ihren Pflegling betrifft ; allein , sie sieht ihn täglich mit ältern Knaben , Georg verliert sich unter diesen . Auch ist er stumm , wo er sich fremd fühlt , und fremd werden ihm diese Kreise immer bleiben ! Manches mag auch als Unart erscheinen , was er nur nicht verständlich machen kann , was Niemand dort verstehen wird ! Es quält mich , all den Widerspruch zu denken , der mit Tavanelli ' s Eintritt begann und immer verwirrender fortgehen muß ! Wenn Sie wollten - sehen Sie zu , Hugo , wie Sie es machen , was Sie thun können ! Wie mich ' s hebt und entzückt , Sie und das Kind auf den Bahnen zu denken , die mir verschlossen sind . Von Eduard kein Wort ! Auch an die Lindhof nicht . Er weiß , fürchtet diese , um deren Briefwechsel mit mir . Der Prior kommt zuweilen nach dem Amt . Wenn mir von daher neue Leiden drohten . Es ist doch ein Punkt unsers gegenseitigen Vertrags , daß der Knabe bis zum siebenten Jahre seiner jetzigen Pflegerin verbleibe . - Wenn - ! Umsonst macht der geistliche Herr seine Spatziergänge nicht so oft durch die Erlen am Bache und in den Amtsgarten . Der Einfluß von daher wäre mir unaussprechlich peinlich ! Haben Sie ein wachsames Auge , lieber , geliebter Hugo ! Sie , der Sie alle Schläge dieses Herzens mit dem Engel theilen , der auch Ihr Liebling war . Dulden Sie es nicht , daß man dies helle Gemüth verfinstere , den aufrichtigen , klaren Sinn zur Verstecktheit und Lüge reize ! Bin ich doch ganz wieder erwacht , seit ich an Sie schreibe ! Regen sich doch tausend fremdgewordene Wünsche und Gedanken in mir ! O Herz , wie würde Dir sein , dürftest Du Dich nur einmal wieder - - Aber weg , weg mit solchen Bildern ! Die Tante rasselt mit den Schlüsseln , die Bodenthüre knarrt . Es regnet , und die Wäsche muß trotz der Jahreszeit im Hause getrocknet werden , die Mägde und Weiber jammern beim Hinaufschleppen der Last ! Was wird der außerordentliche Fall uns nicht heute alles bei Tisch reden lassen ! Der Justizrath an den Präsidenten Indem ich die Ehre habe , Denenselben die Ausfertigung der Scheidungsakte hiermit ganz gehorsamst zu übersenden , bemerkte ich gleichzeitig , daß der Rechtsanwald Dero gewesenen Frau Gemahlin diese ebenfalls von der gerichtlichen Auflösung ihrer stattgehabten ehelichen Verbindung in Kenntniß setzte , so daß Sie beiderseits , nach Ablauf vorgezeichneter Frist , zu einer zweiten Wahl zu schreiten gesetzlich berechtigt sind . Die schnelle Beendigung eines , jeden Falls störenden Prozesses , darf allein Ihrer großmüthigen Aufopferung zugeschrieben werden , da diese Alles überging , was Leichtsinn und Unbestand an dem Selbstgefühl des beleidigten Gatten verschuldeten . Befriedigt in diesem Bewußtsein , werden Sie , geehrter Herr Präsident ! nichts vermissen , was Ihnen eine glänzende Laufbahn , die Anerkennung der Welt und die Verehrung der Bessern in dieser nicht vollwichtig ersetzen könnte . In tiefster Ergebenheit verharrend etc. Hugo an Elise Sorgen Sie nicht , Liebe ! Ich träume nicht mehr . Ich habe die einschläfernde Trauer abgeworfen . Der Schmerz ist kein Wahn , aber die Klage ist eine Schwäche . Man beklagt Niemand als sich selbst . Das Liebkosen der Seele nimmt dem Leid seinen aufregenden Stachel . Unter die Füße mit dem Geschick , und frei gehoben das Auge in die Welt hinaus , die unser ist und die der Mensch gestaltet , wenn er sich nicht durch sie gestalten läßt ! - Ich fange wieder an zu leben , Elise ! Der Bau in Wehrheim schreitet zum Erstaunen vor . Er soll beendet sein , ehe der Winter uns überfällt . Täglich bin ich dort . Die Leute jubeln über meinen Eifer . Abends fahre ich auf kleinem Fischerboot den raschen Strom hinunter . Ich durchschneide pfeilschnell die Fluth . Komme ich dann an Ihrem Garten vorbei , dann lege ich dort an , gehe eilig nach dem Amthofe und hole mir Georg , der schon die Stunden bis zu meiner Ankunft zählt . Wir sitzen dann Beide in dem kleinen Cabinett auf dem Sopha , der Tisch mit Baukasten und Soldaten steht vor uns . Ich muß ihm erzählen , während er das neue Haus drüben in Wehrheim noch baut . Gestern nahm ich ihn mit herüber im Kahn . Er sprang und klopfte vor Freude in die Hände . Die ganze Zeit sprach er von Ihnen , und meine Gedanken errathend , sagte er seitdem zuversichtlich : » Für Mutter ist das schöne Schloß drüben , da will ich zu ihr reisen . « Sehen Sie , Elise ! das ist es , was mich beseelt , was meinem Muthe Flügel giebt . Verstehen Sie mich , Liebe ? Denken Sie sichs einen Augenblick . Sie dort wohnend , das Kind in Ihrer Nähe , ich auf der Burg , jeder Augenblick unser ! Ich komme , ich gehe , wir gehen mit einander , wir besuchen die gute Madame Lindhof ,