mit ihren Gespielinnen ! war sein erster Gedanke , als er vier schöne junge Mädchen kaum zwanzig Schritte vom Ufer in einem kleinen Kahne sitzen sah . Doch bald ward er von ihrer irrdischen Natur überzeugt , denn so wie sie seiner ansichtig wurden , streckten sie alle unter ängstlichen Klagetönen die runden weißen Arme ihm entgegen . Ihnen war das Ruder entglitten , das sie ohnehin schwerlich zu führen wußten . Die armen Kinder glaubten wegen einer nicht weit davon liegenden Mühle sich in der dringendsten Todesgefahr zu befinden , obgleich der spiegelhelle , von keinem Lüftchen gekräuselte See gerade an dieser Stelle sehr flach war , und der Kahn eigentlich auf dem Sande schon fest saß . Albert hatte zwar noch nie Gelegenheit gehabt , den Umfang seiner physischen Kräfte kennen zu lernen , oder sich durch Behendigkeit und Besonnenheit aus irgend einer Verlegenheit zu ziehen , aber er bedachte sich dennoch keinen Augenblick , sich muthig den Fluthen anzuvertrauen , die ihm kaum bis über die Fußknöchel reichten . Dann ergriff er einen hinter dem Kahn herschwimmenden Strick , der inwendig befestigt , diesen am Ufer anzubinden wahrscheinlich gedient hatte , und zog das Fahrzeug sammt seiner reizenden Last etwas näher ans Land ; endlich suchte er große Steine zusammen , um den schönen Kindern eine Brücke zu bauen , und so gelang es seinem Bemühen , sie alle ziemlich trocknen Fußes ans Land zu bringen . Kaum fühlten sie festen Boden unter sich , so begannen die vier Mädchen alle zugleich , ihrem Erretter mit vielem Wortaufwande und großem Eifer ihre Dankbarkeit bezeigen zu wollen , doch leider verstand Albert keine Silbe von dem was sie sagten und er hätte dieses auch nicht gekonnt , selbst wenn er der deutschen Sprache vollkommen mächtig gewesen wäre , denn seine Seele , alle seine Sinne waren in seinen dunkel flammenden Augen , und von der Hand aus , die zum erstenmal in seinem Leben eine Mädchenhand berührt hatte , strömte ein nie gekanntes verzehrendes Feuer durch sein ganzes Wesen hin . Erglühend und erbleichend stammelte er einige italienische Worte und verging fast in unerwartetem Entzücken , als Luise , die jüngste unter den vier Schwestern , ihm in der nämlichen Sprache antwortete . Zum erstenmal , seit der alte Giovanno ihn verlassen hatte , trafen die süßen gewohnten Töne wieder sein Ohr und von Lippen , die selbst der fehlerhaften Aussprache einen ganz eigenthümlichen Reiz zu verleihen wußten . Auch die übrigen Mädchen suchten nun in der Geschwindigkeit das wenige Italienische zusammen , das sie hauptsächlich aus Opernarien erlernt hatten , um mit dem schönen schwarzgelockten Jüngling eine Art von Konversation anzuknüpfen . Albert befand sich wie im Traume ; so vielem Zauber vermochte er nicht zu widerstehen , um so weniger , da es ihm gar nicht einmal in den Sinn kam , dieses zu wollen . Entzückt , betäubt , kaum seiner selbst sich bewußt , wandelte er an Luisens Seite durch die schattigen Sternalleen des parkähnlich ausgehauenen Waldes und stand , ehe er sich dessen versah , vor einer zahlreichen , unter den Säulen eines sehr schönen modernen Landhauses versammelten Gesellschaft . Scheu wie ein Reh , wäre er gern zurück in das Gebüsch geflohen , aber da war an kein Entrinnen zu denken . Die Mädchen hatten unterwegs seinen Namen von ihm erforscht und stellten ihn unter diesem ihren Eltern vor , indem sie zugleich recht ausführlich die große Gefahr , aus welcher der junge Fremde sie errettet hatte , erzählten , solche bis zum Schauderhaften vergrößerten und nicht unterließen , Alberts bei dieser Gelegenheit bewiesenen Heldenmuth bis in die Wolken zu erheben . Dies mußte einigen der Anwesenden ein leichtes sarkastisches Lächeln entlocken , denn der sehr verlegene Held dieser großen Begebenheit stand , trotz der überstandenen Wassersnoth , in vollkommen trockner Kleidung da . Baron Steinau und seine Gemalin , die Eigenthümer des Schlosses , ermangelten indeß nicht , auf die freundlichste Weise von der Welt über die große Verwegenheit ihrer Töchter zu schelten , und deren noch immer verstummenden Erretter mit Danksagungen und Lobsprüchen zu überhäufen , von denen dieser in der Angst seines Herzens keine Silbe verstand . Da Baron Steinau schon früher von Alberts isolirter Lage auf dem jetzt öden Leuenstein gehört hatte , so lud er ihn in sehr fließendem Italienisch und auf die einnehmendste Weise ein , bis zur Ankunft des ältern Herrn von Leuen bei ihm als seinem nächsten Guthsnachbar zu verweilen , und sich ohne allen Zwang als ein Mitglied seiner Familie zu betrachten . Albert hätte aus Mangel an Bekanntschaft mit den Formen des geselligen Lebens gar nicht gewußt , wie er es anfangen könne , um eine solche Einladung von sich zu weisen , selbst wenn er dazu geneigt gewesen wäre , aber er begriff schon jetzt gar nicht mehr die Möglichkeit zu leben , ohne die holde Luise zu sehen . Tief erröthend verbeugte er sich vor dem Baron , ohne weiter ein Wort hervorbringen zu können , und so wurden von dieser Stunde an seine Umgebungen , sein Empfinden , seine Gedanken , ja sein ganzes Leben auf eine Weise umgestaltet , die ihm selbst bis zum Unglaublichen wunderbar geschienen hätte , wenn es ihm nur möglich gewesen wäre , auf einen einzigen Augenblick aus dem ewigen Freudentaumel , in welchem er schwebte , zur Rückkehr in sich selbst zu erwachen . Das Haus des Barons Steinau war in der ganzen Umgegend bei weitem das glänzendste auf viele Meilen in der Runde ; die Familie desselben bestand außer den vier Töchtern noch aus zwei Söhnen , von denen der älteste , ein vollkommen für die Welt gebildeter junger Mann , mit Albert in gleichem Alter war . Auch der verlobte Bräutigam der ältesten Tochter war zugegen , und nächstdem vergrößerten noch mehrere für den ganzen Sommer eingeladene Gäste beiderlei Geschlechts die Gesellschaft . Die Unterhaltung , in welcher der feinste gesellige Ton vorherrschte , wurde gewöhnlich in französischer Sprache geführt ,