ein ewiges rätselhaftes Mißverständnis . Und doch - ich gestehe es frei , erregt mir der Gedanke Schauer auf Kosten so mancher Überzeugung , die ich mit der Muttermilch eingesogen , dies Kleid zu tragen , wie einen Kerker , aus dem ich nimmer wieder heraus kann . Es ist mir , als wenn dem Mönch Johannes dieselbe Welt , in der der Kapellmeister Johannes doch so manches hübsche Gärtlein voll duftender Blumen fand , plötzlich eine öde unwirtbare Wüste sein würde , als wenn , einmal in das rege Leben verflochten , die Entsagung - « » Entsagung , « unterbrach der Abt den Kapellmeister mit erhöhter Stimme , » Entsagung ? - Gibt es für dich , Johannes , eine Entsagung , wenn der Geist der Kunst immer mächtiger wird in dir , wenn du mit starkem Fittich dich erhebst in die leuchtenden Wolken ? - Welche Lust des Lebens gibt es denn noch , die dich betören könnte ? Doch « ( so fuhr der Abt mit sanfterer Stimme fort ) » doch wohl hat die ewige Macht ein Gefühl in unsere Brust gelegt , das mit unbesiegbarer Gewalt unser ganzes Wesen erschüttert ; es ist das geheimnisvolle Band , das Geist und Körper verbindet , indem jener nach dem höchsten Ideal einer chimärischen Glückseligkeit zu streben vermeint und doch nur will , was dieser als notwendiges Bedürfnis in Anspruch nimmt , und so eine Wechselwirkung entsteht , die in der Fortexistenz des menschlichen Geschlechts bedingt ist . - Nicht hinzufügen darf ich , daß , ich von der Geschlechtsliebe spreche , und daß , ich es allerdings für nichts Geringes achte , ihr ganz zu entsagen . - Doch , Johannes , wenn du entsagst , so rettest du dich vom Verderben ; niemals , niemals kannst du , wirst du des eingebildeten Glücks der irdischen Liebe teilhaftig werden . « Der Abt sprach die letzten Worte so feierlich , mit solcher Salbung , als läge das Buch des Schicksals offen vor ihm , und er verkündige daraus dem armen Kreisler alles bedrohliche Leid , dem zu entgehen , er sich hineinretten müsse ins Kloster . Da begann aber auf Kreislers Antlitz jenes seltsame Muskelspiel , das den Geist der Ironie zu verkünden pflegte , der seiner mächtig worden . » Hoho , « sprach er , » hoho ! Ew . Hochehrwürden haben unrecht , haben durchaus unrecht . Ew . Hochwürden irren sich in meiner Person , werden konfuse durch das Gewand , das ich angelegt , um en masque einige Zeit hindurch die Leute zu foppen und , selbst unerkannt , ihnen ihre Namen in die Hand zu schreiben , damit sie wissen , woran sie sind ! - Bin ich denn nicht ein passabler Mensch , noch in den besten Jahren , von leidlich hübschem Ansehn und sattsam gebildet und artig ? - Kann ich nicht den schönsten schwarzen Frack ausbürsten , ihn anlegen und , was die Unterkleider betrifft , ganz Seide keck hineintreten vor jede rotwangichte Professors- , vor jede blau- oder braunäugichte Hofratstochter und , alle Süßigkeit des zierlichsten Amoroso in Gebärde , Antlitz und Ton , ohne weiteres fragen : Allerschönste , wollen Sie mir Ihre Hand geben und Ihre ganze werte Person dazu , als Attinenz derselben ? Und die Professorstochter wurde die Augen niederschlagen und ganz leise lispeln Sprechen Sie mit Papa ! oder die Hofratstochter mir gar einen schwärmerischen Blick zuwerfen und dann versichern , wie sie schon lange im stillen die Liebe bemerkt , der ich nun erst Sprache geliehen , und beiläufig vom Besatz des Brautkleides sprechen . Und , o Gott ! die respektiven Herrn Väter , wie gern würden sie die Tochter losschlagen auf das Gebot einer solchen respektablen Person als es ein großherzoglicher Exkapellmeister ist ! - Aber ich könnte mich auch versteigen in das höhere Romantische , eine Idylle beginnen und der glauen Pachterstochter mein Herz offerieren und meine Hand , wenn sie eben Ziegenkäse bereitet , oder , ein zweiter Notar Pistofolus , in die Mühle laufen und meine Göttin suchen in den Himmelswolken des Mehlstaubs ! - Wo würde ein treues ehrliches Herz verkannt werden , das nichts will , nichts verlangt als Hochzeit - Hochzeit - Hochzeit ! - Kein Glück in der Liebe ? - Ew . Hochehrwürden bedenken gar nicht , daß ich eigentlich recht der Mann dazu bin , um in der Liebe ganz horrend glücklich zu sein , deren einfaches Thema weiter nichts ist als : Willst du mich , so nehm ' ich dich ! dessen weitere Variationen nach dem Allegro brillante der Hochzeit dann in der Ehe weiter fortgespielt werden . Ew . Hochehrwürden wissen ferner nicht , daß ich schon vor mehrerer Zeit sehr ernsthaft daran gedacht , mich zu vermählen . Ich war damals freilich noch ein junger Mensch von weniger Erfahrung und Ausbildung , nämlich erst sieben Jahr alt , aber das dreiunddreißigjährige Fräulein , das ich zu meiner Braut erkieset , versprach mir doch mit Hand und Mund , keinen andern Mann zu nehmen als mich , und ich weiß selbst nicht , warum sich die Sache nachher zerschlug . Bemerken Ew . Hochehrwürden doch nur , daß mir das Glück der Liebe lachte von Kindesbeinen an , und nun - Seidene Strümpfe her - seidene Strümpfe her - Schuhe her , um gleich mit beiden Freiersfüßen hineinzufahren und unmäßig zu rennen nach der , die schon den niedlichsten Zeigefinger ausgestreckt hat , damit er stracks bereift werde . - Wäre es nicht für einen ehrsamen Benediktiner unanständig , sich in Hasensprüngen zu erlustieren , ich tanzte sogleich hier auf der Stelle vor Ew . Hochehrwürden Augen einen Matelot oder eine Gavotte oder einen Hopswalzer aus purer Freude , die mich ganz übernimmt , wenn ich nur an Braut und Hochzeit denke . - Hoho ! - was Liebesglück und Heirat betrifft , da bin ich ein ganzer Kerl ! - Ich wünschte , Ew .