geben wolle , wenn er ihm nur seine beiden Arme unversehrt lasse . Aber die Kräftigen , unter denen Anton gewiß einer der ersten , ließen sich diese Sorgen wenig anfechten , sie untersuchten noch sorgfältig ihre Vorräte und warteten der tätigen Stunde . Der Ehrenhalt erkannte nach seiner Kriegserfahrung die Sicheren , sonderte sie auf Bertholds Befehl in eine Schar zusammen , ließ sie nach einer Seite den Feind aufsuchen , wo keiner anzutreffen war . Kaum eine Stunde , nachdem Anton mit diesen von der Masse sich getrennt hatte , erblickte Berthold und die bei ihm geblieben , das große Bundesheer beim Ausreiten aus einem dichten Walde gleich einer Überschwemmung um sich her , aus der ein Schilfwald von Spießen und zwölf große Kanonen , wie Krokodile mit offenem Munde , hervorragten . Hier war weder an Sieg noch an Flocht zu denken , sie waren beobachtet , eine Masse Fußvolk schrie schon hinter ihnen im Walde . Berthold wendete sich zu dem erschrockenen Haufen , stellte ihnen die ganze Gefahr ihrer Lage dar , sie müßten sich auf Gnade und Ungnade ergeben . Dann aber sagte er ihnen , daß der Schwäbische Bund keine Ungnade gegen sie hege , daß er ihm wiederholend Reichsfreiheit für die Stadt habe anbieten lassen , in sofern die Bürger sich entschlössen , die Sache Herzog Ulrichs aufzugeben und mit dem Bunde sich zu vereinigen . Sie möchten jetzt wählen , er werde sich ihrem Entschlusse ergeben , es stehe bei ihnen , ob sie , ergeben dem trunknen Unholde , von dem sie nie Schutz , sondern nur immer Trutz , Zwang und Zahlungsgebote empfangen , der sie wie Hunde zu seinen Jagden , ihre Frauen zum Frevel mißbraucht , in den Wald von Spießen stechen , oder sich selbst als freie Reichsbürger regieren , niemand als dem Kaiser verpflichtet sein , und die Hand dem Herzog Wilhelm reichen wollten , der mit Grünewald geritten komme , um sie ihnen zu bieten . Die Bürger sahen einander verwundert an , keiner wollte sprechen , einige fluchten auf den Bürgermeister , aber da keiner Anstalt zur Gegenwehr machte , so begrüßte Herzog Wilhelm Berthold und seine Bürger als Freunde , verkündete ihnen Friede und Freiheit und Berthold dankte in ihrem Namen . Der ganze Zug ging nun nach Waiblingen , den Bürgern wurden die Tore geöffnet , die Fremden zogen nach , die Stadt wurde besetzt , und die Bundesscharen in die Häuser gelegt . Jeder Bürger war über die Änderung verwundert , am meisten Anton mit seiner Schar , als sie keinen einzigen Feind im Felde und nun so viele in der Stadt fanden , aber es war geschehen und die Bedürfnisse der Gäste beschäftigten alle Hände . Am andern Morgen sollte der Zug weiter gehen , vermehrt durch die bewaffneten Bürger . Berthold freute sich der kühnen Taten , die seiner warteten , aber kein Bürger kam zur Versammlung , sie erklärten , daß sie nicht eidbrüchig , wie der Bürgermeister wären . Nichts auf der Welt hatte Berthold je so gekränkt , schon mußte er von Frundsberg hören , daß an keine Reichsfreiheit zu denken sei , wenn die Bürger sie nicht zu erstreiten sich geneigt fänden . So hatte er ganz vergebens das Glück der Seinen an dies Unternehmen gesetzt , mit Herzog Ulrich war keine Versöhnung möglich ; er fühlte , daß er die Stadt nicht gekannt , sie in seine Hoffnungen habe zwingen wollen , er konnte sich nur mit der guten Absicht bei dem schlechten Erfolge rechtfertigen . In dem Wirbel dieser Betrachtungen saß er fast gedankenlos müßig ; das Geschehene läßt sich nur durch Tat , nicht durch Nachdenken vernichten . Größere Bundesscharen kamen in den nächsten Tagen , die Bürger hatten alle Lebensgefahr vergessen , der sie entkommen , die Last und Kosten schienen ihnen unerschwinglich , sie sprachen laut gegen den Bürgermeister , obgleich dieser aus freiem Willen mehr Last übernahm , als ihm im Verhältnis zukommen konnte . Er wollte die Stadt befestigen , aber niemand zeigte sich bereitwillig , er wollte den Rat über alle Angelegenheiten setzen , die sonst der herzogliche Vogt besorgte , aber keiner wollte sie übernehmen , er sah , daß die reichsstädtische Verfassung zu einer leeren Form wurde , weil sie nicht durch die Notwendigkeit entstanden war , eine allgemeine Kraft zu begrenzen . Diese allgemeine , belebende Kraft fehlte , die Verständigen schwiegen , die Toren und Widerspenstigen waren überlaut , die Verständigen hielten ihn für einen Schwärmer , die Schlechten glaubten in ihm einen bestochenen Verräter , die fremden Landsknechte spotteten seiner teuer erkauften Reichsfreiheit . Jeder suchte sich ihm und der Stadt in der Vorsorge für die Bedürfnisse der fremden Scharen zu entziehen , auf ihm lastete das ganze Geschäft , dabei schwärmten seine Gedanken umher nach Rat und Trost , so mußte sich ihm die Arbeit verdoppeln und die Fremden mochten zuweilen wohl mit Recht auf den Mangel an Anordnung schelten . Sein einziger Genuß war es , seit er von diesen Fremden doch kein Heil erwartete , die Bürger gegen ihren Unwillen und Übermut zu schützen ; zu jedem Streite eilte er mit rechter Lust und setzte gar oft sein Leben an eine Kleinigkeit , die mit einiger Ruhe friedlich geschlichtet werden konnte . Die üble Folge davon war , daß stärkere Besatzung in die Stadt gelegt wurde , damit nicht einzelne wieder in solchen Streitigkeiten unterliegen möchten , und so fühlte sich Berthold die Veranlassung einer neuen , drückenden Last . » Wären wir ruhig zu Hohenstock ! « rief Berthold zuweilen , aber Anna antwortete immer : » Lieber tot , als dort unter den wahnsinnigen Menschen ! « Als eine Verstärkung der Besatzung rückte auch ein sehr unbequemer Bekannter , der Graf Konrad , mit einer Schar Reisigen ein , welche die Kronenwächter für ihn geworben und mit denen sie ihn zum Herzog Wilhelm geschickt hatten . Berthold freute sich in seinem Unmut , ihre alte Streitigkeit