Gesinnungen ! Florio rieb sich die Ohren , ob es ihm drinnen nur brause , als sie ihm zärtlich zusprach , und so verschwand das , was ihn zweifelnd zwischen beide gestellt ; die Schönheit schien ihm eine falsche Schminke , doch ließ sich ihre Lust nicht übertragen . Er selbst klagte seiner Arnika dieses Vergehen der Schönheit vor ihm in einigen rührenden Worten : Ich liebte sie , Verschlossen war sie , stille ; Und ihrer Schönheit Fülle Versiegte nie . Der Blume gleich , Glaubt ich die Welt verstecket , Wo nie ein Ton erwecket , Ihr Herz wie reich . Du liebe Zeit , Da fängt sie an zu sprechen , Will mir das Herze brechen , Ach , wie sie schreit ; Ich fühl mich arm , Nun sie sich reicher fühlet , Wie ist mein Herz erkühlet , Was einst so warm . So sang Florio oft , und schwor seiner Arnika eine ungeteilte Liebe . Den Grafen ärgerte das Lied ; er wußte erst nicht warum ; ihm fiel glühend heiß in den Sinn , daß er bei ähnlicher Veranlassung , als er Dolores wiedergesehen , von einem gleichen Eindrucke ergriffen worden sei , und dann fiel ihm ein , was ihm selbst alles fehle , und er seufzte : » Die Menschen sind nur schön und herrlich und vollkommen in den Gedanken andrer , darum sei unser Streben , in andern gut zu leben . « Mit hastigen Schritten ging er auf und nieder , setzte sich an ein kleines Klavier und sang mit beengter Stimme : Wenig Töne sind verliehen Meinem Herzen , Viele Schmerzen Drin verglühen ! O Vogelsang Der wildentbrannten Weisen , Ich muß dich höher preisen , Nun ich so bang . Was da bleibet unverleidet , Find ich immer ; Immer , nimmer , Was verliebet und verscheidet , Schöne Töne ! » Sie sind unglücklich , mein werter Herr « , sagte Arnika , und er beugte sich nieder , weinte , und ihre Hände deckten ihn , und ihm ward wieder einmal ganz wohl und leicht . » Können Sie mir Ihren Schmerz vertrauen « , fragte sie , » ich weiß mit Schmerzen umzugehen . « - » Nein « , antwortete der Graf sehr milde , und sie erzählte weiter . Die Hoffnungen der guten Arnika ihren Florio nun ganz und ungeteilt zu besitzen , erfüllten sich nicht ; die eine Hälfte seiner Liebe war untergegangen an ihrem Gegenstande , aber nicht in sich , und er füllte diese Neigung zu wunderbarer Schönheit mit wunderbaren Spekulationen über die fremdartigsten , entlegensten , göttlich-menschlichen Verhältnisse . Der Herzog , der mit Mystik , Geisterbeschwörung und Alchemie nur spielte , führte sein ernstes Nachdenken hinein ; er brachte ihn auf der Reise zu dem wunderbaren Doktor , dessen Hausgenossen sie beide geblieben , nachdem es ihm unmöglich geworden , sich von dessen Sammlungen und magischen Büchern zu trennen . Der Herzog hatte sie beide dem Doktor übergeben , weil seine Langeweile in ihrer Gesellschaft erwachte : diese Höllenpein , die ihn wie einen Verfluchten durch die Welt trieb . Divina hatte er mit sich genommen , die von Florios Verschmähung tief gekränkt worden . Hier ereignete es sich , daß Arnika in der Furcht , Florio möchte über die Bücher seinen Verstand verlieren , während seines Schlafes sie alle verbrannt hatte ; seitdem sprach er nie mehr , sondern sang , und war der festen Überzeugung , daß er bei dem Alten so lange zur Maschine geworden sei , bis er die Bücher wiedergeschafft ; gewiß war es , der Alte machte große Forderungen dafür an beide , um sich dadurch länger ihre Merkwürdigkeit zu erhalten . Der Graf erbot sich vergebens mit anständigem Wohlwollen diese Schuld zu übernehmen ; Arnika antwortete ihm immer verbindlich : » Sie können uns nicht helfen , Gott allein kann uns helfen ; ich bin meinem Schicksale unterworfen , und Florio hat auch recht in sich ; wo wir wären , würde uns das Unabänderliche in unserm Verhältnisse drücken ; ihn zerstreuen hier Studien , mich die Einsamkeit ; ich sammle die schönen Blitze seiner Empfindung , die ihm das Jugendland erhellen ; mich sammeln einige fromme Bücher , die mir ganz genügen . Der Alte flüchtet sich zu uns , wenn er in den wunderlichen Kreisen seiner Maschinen und Versuche sich verwirrt und sie ihm übermächtig werden ; ich kenne hier viele Unglückliche , die meines Trostes bedürfen , denen ich in ihrer Sprache zu reden weiß ; die Welt ist so reich und prächtig für jeden , der sie fassen kann . « - Der Graf erzählte ihr jetzt das Schicksal der Divina mit Lenardo ; sie weinte darüber , und sagte : » Gott wird ihr verzeihen , sie ist so sehr dumm . « Der Graf fragte sie : » Warum wollen Sie mich nicht trösten , warum kommen Sie nicht mit mir ? « - Sie antwortete : » Sie werden noch viel überstehen , vieles , wobei ich Ihnen nicht helfen kann , und wo mein Trost von Ihnen nicht gehört werden würde ; Sie haben einen schönen Grund in Ihrem Herzen , dort sind auch Ihre Fehler : denken Sie immer daran , daß eines Augenblicks Fehler Jahre voll guter Taten zertrümmern kann ; je höher eine Tanne , je mehr Samen unter ihr aufgegangen , je mehr junge Bäume kann sie niederstürzen , zerschmettern . Hüte dich , du grünes Holz . « - Der Graf fand sich von Ahndungen umlagert ; wieder drückte er seinen Kopf in ihre Hände , sie segnete ihn ein , und seine Tränen flossen ; sie hingen ihm so lose in den Augen wie die Wolken am Frühlingshimmel , wenn es einmal ins Regnen kommt , und wieder fand er einen Trost , als wenn er gleich nach Hause wandern und alles ertragen könnte , was ihm begegnen möchte . Der Alte trat jetzt herein und