wird mich vernichten , seine Beschämung mir qualvoller seyn , als ewige Trennung ! Ich soll mich ihm zeigen , in dieser blassen abgehärmten Gestalt , mit diesen verweinten Augen , mit der Narbe auf den Wangen , ihm , der täglich das reizendste Geschöpf der Erde in seine Arme schließt ? Nein , nein , tausendmal lieber sterben ! Und was bleibt mir übrig ? - Ich will fliehen ! er soll hören , daß ich lebe , aber er soll mich nicht wieder sehen ! Er würde sich Mühe geben , mich artig zu empfangen , die Veränderung meiner Gestalt nicht zu bemerken , er würde mir recht viel Verbindliches sagen , wie es ihn freue , mich wieder zu sehen , wie bestürzt er über die Nachricht meines Todes gewesen u.s.w. Und ich - ich würde verzweifeln ! O was hat Heliodor über mich gebracht ! In welchen Jammer hat er mich gestürzt ! Und er glaubt noch ein Recht zu haben , mit mir zu zürnen , er sieht mich für strafbar an ! Dahin kommt ein Herz , das sich jedem sanften Gefühl aus Anlage oder Grundsatz verschlossen hat ! Diesen Morgen kam er plötzlich und in sehr lebhafter Bewegung zu mir . Er hatte erst gestern spät den Namen und die Umstände seines Kranken erfahren . Mein ehemaliges Geständniß fiel ihm ein , er eilte rasch zu mir , um mich um die Ursache meiner vorsätzlichen Verborgenheit zu fragen , da der Freund meiner Jugend unter einem Dache mit mir lebte . Seine strenge Tugend hatte sich eine wohlgefällige Vorstellung dieser Ursache entworfen . Er hatte mir Kälte und schwärmerische Andacht genug zugetraut , daß ich freiwillig meinen liebsten Wünschen entsagen , mich den Pflichten des Hauses für immer widmen , und mein Leben in der ihm so erhaben dünkenden beschaulichen Abgezogenheit zubringen würde . Er war ganz gerührt von dieser Vorstellung , er fing an , mich zu loben , sein Auge ruhte mit väterlichem Wohlgefallen auf mir . O wie peinlich war mir dies Lob ! Nicht der ungerechteste Verdacht hätte mich halb so sehr geschmerzt ! Eine Weile schwieg ich , endlich konnte ich ' s nicht länger ertragend . Ich gestand ihm unter Thränen Alles , was ich sagen konnte , ohne Calpurniens Besuche und ihre Verkleidung zu verrathen ; denn leicht hätte er bei seinen strengen Begriffen ein Aergerniß daran nehmen , und dem schönen Sclaven den Zutritt verwehren können , und ich - ach , ich will das Glück der Liebenden nicht stören ! Er fand es sehr unrecht , daß eine so verzeihliche Untreue , als die des Agathokles , der mich seit mehr als einem Jahre für todt hielt , mich so aufbrächte , daß ich ihn gar nicht wieder sehen wollte . Man könnte ja , meinte er , wenn die Liebe aufgehört habe , noch Freundschaft für einander fühlen , und sich herzlich gut seyn . Es war vergeblich , ihm die Unmöglichkeit dieser Freundlichkeit begreifen zu machen ; er sah es ein , daß das beschämende Gefühl des Flattersinns und Unrechts , wie verzeihlich es auch sey , das reine Verhältniß ewig stören , und die verstimmten Saiten nie wieder harmonisch klingen würden . Als er endlich meinem Eigensinn diese Grille zugestand , fand er doch , daß , wenn ich auch Agathokles Freundin nicht seyn wollte , so würde er doch erfahren dürfen , daß ich lebe , ja , er würde es , der Natur der Sachen nach , über kurz oder lang erfahren müssen . Das mußte ich zugeben - aber ich sagte zuletzt , als er mit unaussprechlicher Härte in mich drang , es würde mir nicht so viel daran liegen , daß Agathokles mein Daseyn erfahre , wenn ich nur erst entfernt , und bei dir in Apamäa wäre . Nun wollte er die Ursache dieser Seltsamkeit wissen . Er forschte , er fragte , und ach , auf allen Seiten gedrängt , und mit einer grausamen Consequenz von Schlüssen , Voraussetzungen und Folgen auf ' s Aeußerste getrieben , bekannte ich endlich , daß mir der Gedanke , mich , so entstellt wie ich bin , neben der schönen Calpurnia zu zeigen , unerträglich , und schlechterdings unmöglich sey . Das ist ' s ! fuhr er auf ein Mal mit einer Heftigkeit auf , daß ich zusammenschrak . Das ist ' s , die Eitelkeit ist ' s , die euer Geschlecht von jeher zum Bösen verführt , die den Tod , die Erbsünde , die alle Uebel der Welt über uns gebracht hat . Aus Eitelkeit sündigte Eva , aus Eitelkeit fallen ihre Töchter . Und nun ergoß sich ein fürchterlicher Strom von Beredtsamkeit , den ich vergebens zu unterbrechen suchte . Er hielt mir alle meine Vergehungen vor , seit dem ersten Augenblick , als er mich bei den Gothen gefunden , Falschheit , übermäßige Leidenschaft , Verkehrtheit , Bosheit , Eitelkeit - ach Gott weiß , was Alles ! Ich fing an zu weinen und zu zittern . Ich erkannte , daß er in vielen Stücken Recht hatte ; aber so schlimm , als sein Zorn mich machte , bin ich doch nicht . - O Gott ! Meine Absicht war ja schuldlos ! Kann es ein Verbrechen seyn , nur nicht so ganz verschmäht und vergessen neben der glücklichen Nebenbuhlerin stehen zu wollen ? Ich will ihnen ja kein Uebels - ach , ich habe es ja sogar schon über mein Herz vermocht , für Calpurnien zu beten ! Kann ich denn gar so strafbar seyn ? Und doch legt es mir Heliodor als Buße auf , als unerläßliche Bedingung , unter der allein mir meine Sünden vergeben werden können , mich Agathokles zu entdecken ? Was kann ich thun ? Er ging im höchsten Zorn von mir weg . Alles , was ich erhalten konnte , war , daß er nicht auf der Stelle zu Agathokles eilte , aber ich mußte