nicht ? « fragte sie den Gepeinigten . Er verneinte heftig . Roquairol kam nach ; » Passez , Monsieur « sagte sie , Platz machend und ihn fortwinkend . Liane blickte sehr ernst nach . » La voici ! « sagte Julienne , indem sie an einem Ringe ihrer kleinen Hand durch einen Druck die Decke eines Bildnisses aufspringen ließ . - - Guter Jüngling ! es war ganz die Gestalt , welche in jener Zaubernacht aus dem Lago maggiore aufstieg , dir von den Geistern zugeschickt ! - » Sie ist getroffen « , sagte sie zu dem erschütterten Menschen . » Sehr ! « sagt ' er verwirrt . Sie untersuchte dieses widersprechende » Sehr « nicht ; aber Liane sah ihn an ; » Sehr schön und kühn ! « ( fuhr er fort ) » aber ich liebe Kühnheit an Weibern nicht . « - » O , das glaubt man den Männern gern « , versetzte Julienne ; » keine feindliche Macht liebt sie an der andern . « Sie gingen jetzt in der Kastanienallee vor der heiligen Stätte vorbei , wo Albano die Braut seiner Hoffnungen zum ersten Male hinter den Wasserstrahlen hatte glänzen und leiden sehen . O er hätte hier mit dieser vom Gegeneinanderarbeiten wunderbarer Verhältnisse bang-erhitzten Seele gern vor dem nahen stillen Engel niederknien mögen ! - Die zarte Julienne merkte , sie habe ein bewegtes Herz zu schonen ; nach einem ziemlich lauten Schweigen sagte sie in ernstem Ton : » Ein holder Abend ! Wir wollen aufs Wasserhäuschen . - Liane wurde da geheilt , Graf ! Die Fontänen müssen auch springen . « - » die Fontänen ! « sagte Albano und sah unbeschreiblich-gerührt Lianen an . Sie dachte aber , er meine die im Flötental . Helena gebot hinter ihnen , zu warten , und kam mit zwei Händchen voll gepflückter tauiger Aurikeln nachgetrippelt und gab sie alle Lianen , von ihr als der Kollatorin der Benefizien die Blumen-Spende erwartend ; » auch die Kleine denkt noch an den schönen Sonntag in Lilar « , sagte Liane . Sie gab der Prinzessin ein paar , und Helena nickte ; und als Liane sie ansah , nickte sie wieder zum Zeichen , der Graf soll ' auch etwas haben ; - » noch mehr ! « rief sie , als er bekommen ; und je mehr jene gab , desto mehr rief sie » mehr ! « - wie Kinder in den Hyperbeln ihres Hanges zur Unendlichkeit pflegen . Man ging über eine grüne Brücke und kam in ein niedliches Zimmer . Statt des vorigen Pianofortes stand ein gläsernes Heiligenhaus der Tonmuse da , eine Harmonika . Der Hauptmann schraubte innen hinter einem Tapetentürchen , und sogleich fuhren draußen alle festgebundnen Springwasser mit silbernen Flügeln gen Himmel . O wie brannte die beregnete Welt , als sie hinaus auf die Höhe traten ! Warum warst du , mein Albano , gerade in dieser Stunde nicht ganz glücklich ? - Warum stechen denn durch alle unsre Bündnisse Schmerzen , und warum blutet das Herz wie seine Adern am reichsten , wenn es erwärmt wird ? - Über ihnen lag der stille verwundete Himmel im Verband eines langen weißen Gewölkes - die Abendsonne stand noch hinter dem Palast , aber auf beiden Seiten desselben wallete ihr Purpurmantel aus Wolken in weiten Falten über den Himmel hin - und wenn man sich umkehrte nach Osten , zu den Bergen von Blumenbühl , so liefen grüne Lebens-Flammen hinauf , und wie goldne Vögel hüpften die Irrlichter durch die feuchten Zweige und an die Morgenfenster , aber die Fontänen warfen noch ihr weißes Silber in das Gold . - - Da schwamm die Sonne mit roter heißer Brust , goldne Kreise in den Wolken ziehend , hervor , und die gebognen Wasserstrahlen brannten hell .... Julienne sah Albano , neben welchem sie immer gleichsam gutmachend geblieben , herzlich an , als ob es ihr Bruder wäre , und Karl sagte zu Liane : » Schwester , dein Abendlied ! « - » Von Herzen gern « , sagte sie ; denn sie war recht froh über die Gelegenheit , sich mit dem wehmütigen Ernst ihres Genusses zu entfernen und drunten in der einsamen Stube auf den Harmonikaglocken alles laut zu sagen , was die Entzückung und die Augen verschweigen . Sie ging hinab , das melodische Requiem des Tages stieg herauf - der Zephyr des Klanges , die Harmonika , flog wehend über die Garten-Blüten - und die Töne wiegten sich auf den dünnen Lilien des aufwachsenden Wassers , und die Silberlilien zersprangen oben vor Lust und Sonne in flammige Blüten - und drüben ruhte die Mutter Sonne lächelnd in einer Aue und sah groß und zärtlich ihre Menschen an . - Hältst du denn dein Herz , Albano , daß es mit seinen Freuden und Leiden verborgen bleibt , wenn du die stille Jungfrau im Mondschein der Töne wandeln hörst ? O wenn der Ton , der im Äther vertropft , ihr das frühe Verrinnen ihres Lebens ansagt und wenn ihr die langen weichen Melodien als das Rosenöl vieler zerdrückter Tage entfließen : denkst du daran nicht , Albano ? - Wie der Mensch spielet ! Die kleine Helena wirft mit Aurikeln nach den lodernden Wasseradern , damit sie eine mit aufschleudern ; und der Jüngling Zesara bückt sich weit über das Geländer und lässet an der schiefen Hand den Wasserstrahl auf ein heißes Gesicht und Auge abspringen , um sich damit zu kühlen und zu verhüllen . - Durch seine Schwester wurde ihm der feurige Schleier geraubt ; Rabette gehörte unter die Menschen , welche dieses tönende Beben sogar physisch zernagt - so wie wieder den Hauptmann die Harmonika wenig ergriff , der immer am wenigsten gerührt war , wenn es andere am meisten waren - ; die Unschuldige war mit keinen Schmerzen weniger vertraut als mit süßen ; die bittersüße Wehmut , worein sie in der müßigen Einsamkeit der