einem einzigen Momente , vor einer Gefahr , die Waldemar bedrohte , sank das alles zusammen . Wanda hatte ihrer Tante noch an demselben Abend das Geschehene mitgeteilt . Die junge Gräfin war viel zu stolz , viel zu sehr in ihren nationalen Vorurteilen befangen , um sich nicht mit aller Energie von dem Verdachte zu reinigen , sie habe wirklich das gethan , was die Fürstin » Verrat « nannte . Sie erklärte der Tante , daß sie keine Warnung gesandt , keinen Argwohn erweckt habe , daß sie erst im letzten Augenblicke , als es hinsichtlich der Försterei nichts mehr zu verbergen und zu retten gab , dazwischen getreten sei . Wie das geschehen war , und was sie gethan hatte , um Waldemar zu retten , konnte sie freilich auch nicht verbergen – die Wunde an ihrem Arme sprach deutlich genug . Der Eintritt ihres Sohnes weckte die Fürstin aus den quälenden Gedanken , die in ihrem Innern auf und nieder wogten . Sie wußte es , woher er kam . Pawlick hatte ihr gemeldet , Herr Nordeck habe es heute morgen zum drittenmal versucht , Einlaß bei der Gräfin Morynska zu erlangen , und diesmal auch wirklich seinen Willen durchgesetzt . Er kam langsam näher und blieb seiner Mutter gegenüber stehen . » Du kommst von Wanda ? « fragte sie . » Ja . « Die Fürstin sah in sein Gesicht , das in diesem Momente von dem aufflackernden Feuer hell beleuchtet wurde . Es stand ein Zug herben , aber verbissenen Schmerzes darin . » Also hast du es wirklich erzwungen , trotz ihrer wiederholten Weigerung . Freilich , was erzwängst du nicht ! Wenigstens wird die Unterredung dich überzeugt haben , daß es nicht mein Verbot war , das dir Wandas Thür verschloß , wie du mit solcher Bestimmtheit annahmst . Es war ihr eigener Wille , dich nicht zu sehen ; du hast ihn wenig genug geachtet . « » Ich werde nach dem , was Wanda gestern um meinetwillen gewagt hat , doch wenigstens das Recht haben , sie zu sehen und zu sprechen ; sprechen mußte ich sie . O , sei ganz ruhig ! « fuhr er mit ausbrechender Bitterkeit fort , als die Fürstin etwas erwidern wollte . » Deine Nichte hat vollständig deinen Erwartungen entsprochen und das möglichste gethan , mir jede Hoffnung zu rauben . Sie glaubt allerdings nur ihrem eigenen Willen zu folgen , wo sie sich blindlings dem deinigen unterwirft . Es waren deine Worte , deine Anschauungen , die ich aus ihrem Munde hören mußte . Ich allein hätte es vielleicht von ihr erreicht , erzwungen , wie ich diese Unterredung erzwang , aber ich vergaß , daß sie seit vorgestern abend unausgesetzt , deinem Einflusse preisgegeben war . Du hast ihr das Wort , das sie noch als ein halbes Kind , von euch überredet und gedrängt , meinem Bruder gab , als ein unwiderrufliches Gelübde hingestellt , das zu brechen Todsünde wäre , hast sie so in eure nationalen Vorurteile hineingehetzt – « » Waldemar ! « unterbrach ihn die Mutter drohend . » In das Vorurteil , « wiederholte er mit Nachdruck , » daß es ein Verrat an ihrer Familie und ihrem Volk wäre , wenn sie einwilligte , mir anzugehören , weil ich zufällig ein Deutscher bin und die Verhältnisse mich zwangen , feindselig gegen euch aufzutreten . Nun , du hast es erreicht ; sie würde jetzt eher sterben , als auch nur die Hand zu ihrer Befreiung rühren , oder mir Erlaubnis geben , das zu thun , und das danke ich dir allein . « » Ich habe Wanda allerdings an ihre Pflicht erinnert , « entgegnete die Fürstin kalt . » Es bedurfte dessen kaum mehr ; sie war schon allein zur Besinnung gekommen , und ich hoffe , das ist jetzt auch bei dir der Fall . Daß deine einstige Knabenneigung nicht erloschen , daß sie im Gegenteil zur Leidenschaft herangewachsen war , wußte ich seit dem Tage , wo du dich hier mir gegenüber als Feind erklärtest . In welchem Maße diese Leidenschaft erwidert wird , weiß ich erst seit vorgestern . Es wäre nutzlos , euch Vorwürfe über das Geschehene zu machen – es wird dadurch nicht ungeschehen gemacht , aber ihr fühlt wohl selbst , was ihr jetzt euch und Leo schuldig seid – die unbedingteste Trennung ! Wanda hat das bereits eingesehen , und auch du mußt dich dem fügen . « » Muß ich ? « fragte Waldemar . » Du weißt , Mutter , Fügsamkeit ist meine Tugend nicht , und am wenigsten da , wo mein ganzes Lebensglück auf dem Spiele steht . « Die Fürstin sah mit dem Ausdrucke schreckensvoller Ueberraschung empor . » Was heißt das ? Willst du etwa versuchen , deinem Bruder die Braut zu rauben , nachdem du ihm bereits ihre Liebe geraubt hast ? « » Die hat Leo nie besessen . Wanda kannte sich und ihr Herz noch nicht , als sie seiner Neigung , als sie deinen und ihres Vaters Wünschen und den Familienplänen nachgab , Ihre Liebe besitze ich , und nun ich diese Gewißheit habe , werde ich auch zu behaupten wissen , was mein ist ! « » Nicht so unbeugsam , Waldemar ! « sagte die Fürstin fast mit Hohn . » Hast du schon bedacht , was dein Bruder dir auf eine solche Zumutung antworten wird ? « » Ich würde meine Braut freigeben , wenn sie mir erklärte , daß ihre Liebe einem andern gehöre , « erwiderte der junge Mann fest . » Unbedingt und entschieden freigeben , gleichviel , was ich dabei empfände . Leo wird das nun allerdings nicht thun , wie ich ihn kenne . Er wird außer sich geraten , Wanda bis zur Verzweiflung quälen und sich und uns eine Reihe der furchtbarsten Scenen bereiten . « » Willst du ihm Vorschriften für seine Mäßigung machen ,