Fort mit dir ! « In weitem Bogen flog das Wetterglas hinein in die Weinreben , wo es klirrend aufstieß ; aber diese außergewöhnliche Benutzung schien ihm Spaß zu machen . Es blieb nicht liegen , sondern hüpfte in lustigen Sprüngen den ganzen Berg hinunter und schließlich in den Bach . Da tauchte es noch einmal auf und verschwand dann in den Wellen . Merkwürdig , wie das ganze Dasein dieser Erfindung , war auch ihr Ende ! Dem Geheimrat Rottenstein war es eine große Erleichterung , als er bei der Rückkehr in die Veranda seinen Gast nicht mehr vorfand . Man wäre doch einigermaßen in Verlegenheit gewesen , was mit Ferdinand anzufangen sei , und erriet ungefähr , weshalb er so spurlos verschwand . Der alte Herr aber fand es jetzt für gut , in die Tiefe seines Kellers niederzutauchen , um dort etwas ganz Besonderes heraufzuholen . Er nahm eben den Schlüssel , da ertönte draußen ein Lachen , so hell , so übermütig und jugendfrisch , wie er es lange Jahre nicht gehört hatte . » Gott sei Dank , sie kann wieder lachen , meine Friedel ! « sagte er seelenvergnügt . » Das war ganz der alte Ton ! Und jetzt brauche ich auch nicht mehr nach Aegypten oder gar nach Indien , jetzt › versumpfe ‹ ich fröhlich weiter hier in meinem Lindenhof ! « Zufällig hatte Robert draußen auf der Veranda dasselbe Wort ausgesprochen ; er hatte seine Braut gefragt , ob sie denn wirklich entschlossen sei , in Brankenberg zu versumpfen , und damit jenes helle Lachen hervorgerufen ; jetzt aber fügte er tröstend hinzu : » Aber gar zu eng wollen wir uns doch nicht einspinnen in unserem Nest . Ich bin ja auch lange genug › da draußen ‹ gewesen ; da bleibt immer etwas hängen von der alten Wanderlust . Wir fliegen noch manchmal in die Welt hinaus , aber wir wissen dann doch , wo unsere Heimat ist . Wird dir das genug sein , Friedel ? « Die junge Frau war plötzlich ernst geworden und ihre Augen schimmerten feucht , als sie leise erwiderte : » Wenn du wüßtest , Robert , wie unglücklich ich gewesen bin in all den Jahren , wo sich die halbe Welt vor mir aufthat , wie öde und einsam es in mir war , während eine ganze Flut von Menschen mich umwogte ! Eingestanden habe ich das freilich niemals , nicht einmal mir selber , aber sie ist mir wie ein verlorenes Paradies erschienen , jene Zeit , wo wir beide noch arm waren – und so jung , so hoffnungsreich ! « Robert lächelte nur und sah ihr tief in das Auge , » Nun , so uralt sind wir doch auch jetzt noch nicht , sollte ich meinen ! Wir müssen es eben lernen , wieder jung zu sein . Den Reichenauer Forst aber kaufe ich jetzt unter allen Umständen . Da haben wir beide heute den Quell entdeckt , aus dem man sich neue Jugend trinkt und neues Leben , und den lassen wir keinem anderen , gelt Friedel ? Den wollen wir hüten unser Leben lang ! « Edelwild Die Nebelschleier , die so lange und dicht auf den Bergen gelegen hatten , begannen sich zu lichten , das unaufhörliche Rauschen und Rieseln des Regens war verstummt , und hoch oben am Himmel schimmerte zwischen jagenden Wolken das erste Blau . In der offenen Glasthür , die auf eine breite , steinerne Terrasse führte , stand ein Herr und blickte in das Nebelwogen da draußen . Von der Landschaft war noch nicht viel zu sehen , ein Stück des Sees , der dort unten lag , halb verschleierte Wälder und die undeutlichen Umrisse einzelner Berge , die auftauchten und wieder verschwanden . Das alles dampfte und gärte im Regendunst , aber der Beobachtende wandte sich nach dem Zimmer zurück und sagte mit voller Bestimmtheit : » Der Wind ist umgesprungen ! Der Wetterumschlag ist da ! « » Gott sei Dank ! « klang die Antwort einer Dame , die in einem hohen Lehnstuhl saß und jetzt die Handarbeit sinken ließ , mit der sie beschäftigt war . » Diese Landschaft mit ihren endlosen Wäldern ist bei Regenwetter unglaublich melancholisch ! « » Mein Restovicz gefällt dir nicht ? Ich habe es vorausgesehen , « entgegnete der Herr , indem er an ihrer Seite Platz nahm . » Es ist weit großartiger , als ich es mir vorgestellt habe . Du hast dich ja in deinen kurzen , flüchtigen Briefen nie auf Einzelheiten eingelassen , du schriebst nur von einem größeren Gute , das du gekauft hättest . Es klang ja auch ganz stattlich › Ulrich von Berneck auf Restovicz ! ‹ Daß du aber hier auf einer förmlichen Herrschaft sitzest , in einem alten Slowenenschlosse und ein ganzes Heer von Leuten kommandierst , das erfahre ich erst jetzt . Wenn das alles nur nicht so düster und fremdartig wäre ! Es macht mir einen beinahe unheimlichen Eindruck . « Die Bemerkung war , wenigstens für die nächste Umgebung , durchaus zutreffend . Das hohe Gemach , mit den dunklen Ledertapeten und tiefen Fensternischen , dessen Einrichtung offenbar noch aus alter Zeit stammte , mochte bei hellem Sonnenschein behaglicher sein . Heut , in dem trüben Lichte des Regennachmittags , sah es sehr düster aus , und der Ausblick in die Nebellandschaft da draußen war auch nicht erheiternd . Die Dame , im dunklen Seidenkleide , ein schwarzes Spitzentuch über dem schon ergrauten Haar , war eine vornehme Erscheinung , aber sehr kühl und gemessen in Haltung und Sprache . Dieselbe kühle beobachtende Ruhe lag auch in dem Blick , der langsam durch das Zimmer glitt und dann auf dem Gutsherrn haften blieb . Ulrich von Berneck , eine hohe , sehnige Gestalt , war bereits über die Jugend hinaus . Er sah vielleicht älter aus , als er in der That war , und das volle