gewesen . Noch im Beisein der Herrschaften hatte das junge Paar Abschied voneinander genommen . Und nun saß neben Klaudine am Fußende des Himmelbettes eine kleine , zierliche Gestalt , und beide hatten verweinte Augen . Die Herzogin war nach der Trauungsfeierlichkeit ohnmächtig geworden , und der Medizinalrat hatte sich zum Herzog begeben und ihn flüsternd auf das Unabweisliche vorbereitet . Da draußen waren die Schneewolken zerrissen , und die Sterne blitzten herab auf die winterliche Erde . In den Zimmern der Prinzen schien die Ampel auf schlummernde , blonde Köpfchen . Sie ahnten nichts . Sonst wachte alles in dieser Nacht . Die Lichter des Schlosses flimmerten hinaus in die Schneelandschaft , und dort unten in den Häusern der Stadt betete man für die allzeit hilfsbereite Herrin , die auf ihrem Sterbebette lag . Im Vorzimmer ging der Herzog auf und ab . Zuweilen warf er einen Blick in das Schlafgemach seiner Gemahlin . Dann hörte er eine leise Stimme : » Adalbert , ist Klaudine fort ? « – Und die junge Frau rückte geräuschlos an die Seite des Bettes . » Du bist noch da ? « fragte die Kranke . » Laß mich bei dir bleiben , Elisabeth , « bat Klaudine , » Gerold hat noch verschiedenes zu ordnen , bevor ich nach Neuhaus kommen kann . « Die Herzogin lächelte schwach . » Du verstehst ja nicht zu lügen , Klaudine , ich weiß , weshalb du bleibst ! Armes Kind , welch traurige Hochzeit ! – Ruf Adalbert ! « stieß sie dann hervor . » Ist Helene da ? « Die Prinzeß kam . Dicht nebeneinander standen Klaudine und sie . » Gebt euch die Hand « , bat die Herzogin . Prinzeß Helene faßte die Hand der jungen Frau . » Vergeben Sie mir ! « sagte sie leise weinend . » Und nun ruft Adalbert ! « forderte die Kranke . Er kam , setzte sich auf den Rand ihres Bettes , und sie drückte ihm stumm die Hände . » Wenn ich leben könnte , dich zu trösten , mein armer Freund ! « flüsterte sie . » Es ist so schwer , entsagen zu müssen , ich weiß es . Aber – sie liebten sich nun einmal , und du , du gehst so leer aus , so leer ! Ach , wenn es in meiner Macht gestanden hätte , wie glücklich solltest du werden ! « » Sprich nicht so « , sagte er . » Ich werde nur unglücklich , mein Liesel , wenn du mich verläßt ! « » Sag noch einmal › mein Liesel ‹ « , bat sie und sah ihn an , und die fast erloschenen Augen flammten noch einmal in dem alten innigen Liebesschein . » Mein Liesel ! « flüsterte er mit versagender Stimme . Sie drückte seine Hand . » Nun geh , Adalbert , ich will schlafen , ich bin so müde – küsse die Kinder – geh ! « drängte sie . Und sie schlief . Die junge Frau saß treu wachend an ihrem Lager . Nur einmal war es , als lege sich minutenlang eine zwingende Müdigkeit auf ihre Augen . Kaum eine Minute mochte es gewährt haben , da raffte sie sich auf , von einem Schauer erweckt . Die Herzogin lag so seltsam ruhig da , ein Lächeln auf den Lippen , die Hände gefaltet . Klaudine faßte ihre Hand . » Elisabeth ! « sagte sie angstvoll . Sie hörte es nicht mehr . Auch die Prinzessin trat näher und sank schluchzend vor dem Bette nieder . Der Herzog kam und der Arzt , die alte Hofdame – Es war so still , so beängstigend still in dem hellen , prächtigen Raum . Dann gingen sie alle , nur der Herzog und Kiaudine blieben zurück . Sie saßen am Bette der Toten , und durch die geöffneten Fenster des Nebenzimmers schollen die tiefen Klänge der Kirchenglocken herein , die an diesem kalten , dunklen Wintermorgen dem Lande verkündeten , daß seine Fürstin schlafe , den langen , ewigen Schlaf . So hielten sie Totenwache , die beiden , die ihr die liebsten Menschen gewesen . 29. Im Garten des Eulenhauses blühten Leberblümchen , und gelbe , blaue und weiße Krokusse lugten aus der schwarzen Frühlingserde hervor . Der alte Heinemann schaffte emsig an seinen Rosenstöcken , nahm ihnen die Winterhülle und band sie an die frisch gestrichenen Pfähle . Die Sonne hatte über Mittag schon heiß auf die alten Grabsteine geschienen , und die jungen Blättchen regten und dehnten sich , sie sehnten sich nach Luft und Licht . Hinter den blitzblanken Fensterscheiben tauchte Fräulein Lindenmeyers freundliches Gesicht auf . Zuweilen wandte sie redend den Kopf in das Zimmer zurück , dort stand die kleine , runde Ida und legte Wäsche . Die Ida war wieder hier , auf Verlangen der jungen Frau von Gerold , weil diese doch über kurz oder lang nach Neuhaus übersiedeln wollte . Wann ? Ja , das wußte niemand . Der Herr Baron war noch immer auf Reisen , und seine junge Gattin trug noch tiefe Trauer um die Herzogin . Merkwürdig , was heute die schmalen Frauenfüße für eine Unrast entwickelten . Die gnädige Frau war im ganzen Hause umhergestiegen mit dem klappernden Schlüsselbund , hatte in alle Schränke und Spinde geschaut , des Herrn Wäscheschrank nachgesehen und die Kleider des Kindes , sie hatte das Wirtschaftsbuch nachgerechnet und die kleine Haushaltungskasse . Nun schüttelte sie über sich selbst und ihre Unruhe den Kopf , sie begriff sich heute nicht . Sie hatte weder die nötige Sammlung , zu schreiben , noch konnte sie sich heute entschließen , ihr Feierstündchen am Klavier zu halten , worauf sie sich sonst den ganzen Tag schon freute . Sie meinte endlich , es sei am besten , wenn sie einen Spaziergang mache . Da sie ohnehin seit mehreren Tagen Beate und die Kleine in Neuhaus nicht gesehen hatte ,