einer Zehrbude , goß einen Stutz Wein hinunter und kaufte ein Stück Selchfleisch . Das aß er im Sattel , während er die Straße gegen den Taubensee hinaustrabte . Friedliche Sonnenstille lag um das Erbgut des glücklichen Mareiner . Keine Schweine , keine Schafe , keine Kühe . Nur ein paar Hennen waren seit dem Besuch der Raubleute noch übrig und gackerten vor dem leeren Stall , weil sie den Hahn vermißten . Unter dem leis rauschenden Gezweig einer Ulme saß die alte , weißhaarige Frau in dem grobgezimmerten Holzsessel , das Gewand verwüstet und zerrissen . Ihre Augen glitten ruhelos umher , und die dürren , gichtisch verkrümmten Hände machten fahrige Bewegungen , als möchte die alte Frau sich an der Wade kratzen und fände die richtige Stelle nicht . Weder Freude noch Verwunderung war in ihrem Blick , als sie den Malimmes aus dem Sattel steigen und seinen Gaul an eine Zaunlatte binden sah . Jetzt kam er und strecke die Hände nach der Mutter . Daß er redete , hörte sie nicht . Und als wäre er nur ein bißchen ums Haus herumgegangen , fragte sie » Hast du ihn noch gesehen ? « » Wen , Mutter ? « » Meinen Buben ! « In ihrem Blick war es wie Rausch oder Fieber . » Grad ist er dagewesen . « » Ich hab ihn gesehen , Mutter ! « » Gelt ! Heut ist er nit stehen geblieben beim Zäunl . Lang ist er bei mir gewesen . Und hat mir - « Sie wurde ungeduldig . » So komm doch her , du ! Und tu dich bücken ! Oder bist du auch so dumm wie der Mareiner ? « » Das glaub nit , Mutter ! Ich bin gescheit . « » So bück dich ! Und such ! Da , in den Strumpf mußt du greifen . Da ist sein Goldpfennig drin . Ich spür ihn allweil . Unter der Fers muß er liegen . Und der ander bei der großen Zeh . Hast ihn ? Hast ihn ? « Malimmes hatte sich niederfallen lassen auf die eisengeschienten Knie . Um den Goldpfennig zu finden , brauchte er nicht in den Strumpf der Mutter zu greifen ; er fand ihn im eigenen , Hosensack . » Da ist er , schau ! « Auf der flachen Hand hielt er der Mutter eine gelbe Münze hin . Die verkrüppelten Hände griffen zu , so flink , wie die Klauen eines Habichts greifen . Ein leises , glückliches Lachen . » Wo ist der ander ? Such ! Such ! « » Ist schon da , Mutter ! Schau ! « Die Augen der alten Frau bekamen den Blick eines heiteren Kindes . Immer ließ das lachende Weiblein die beiden blinkenden Münzen von einer Hand in die andere rieseln . » Such ! Es fehlen noch zwei . « Er suchte . Und da fand sich auch der dritte Goldpfennig . Einen vierten hatte Malimmes nimmer . Die alte Frau wurde zornig . » So such doch , du ! « » Mutter , jetzt hat ' s ein End . « Sie sah ihn mißtrauisch an . » Gleich tust ihn hergeben ! Dich kenn ich . Wie du fortgelaufen bist , hat der Vater fünf Heller gemänglet . « » Ja , Mutter ! Die hab ich gestohlen ! « » Bist allweil ein schlechtes Kind gewesen ! Du ! Allweil ! « Und da wußte sie schon nimmer , daß er noch da war . Immer spielte sie mit den Goldmünzen und kicherte vor sich hin . Malimmes saß auf seinen Waden , ließ die gepanzerten Arme schlaff herunterhängen und sah die Mutter an , als wäre das alte , fröhliche Weiblein eine unbegreifliche Sache . Jetzt begann er müde zu lachen . Und plötzlich mußte er aufschauen . Er hatte was gehört , vom Haus herüber , die Mareinerin , mit einem Wasserzuber , hatte aus der Tür treten wollen und war beim Anblick des Kriegsmannes in das Dunkel des Flurs zurückgewichen . Sich stützend , als wären ihm alle Gelenke zerbrochen , stand Malimmes auf und ging zum Haus hinüber . Auf der Schwelle blieb er stehen und sah das stumme , mißtrauische Weib an . » Mußt dich nit fürchten ! Bloß ich bin ' s. Gelt , du hast halt noch allweil den Schreck im Blut ? « Die Bäuerin sagte zornig : » Ich versteh nit , was du meinst . « » Freilich ! Was man schreien hat hören selbigsmal in der Nacht , das sind die Säu gewesen , die euch die Raubleut totgestochen haben . « » Bist narrisch , du ? « Sie stellte den Zuber hin und stemmte die Fäuste an den Schürzenbund . » Ich weiß nit , was du meinst ! Selbigsmal in der Elendsnacht , da bin ich versprungen . Flinker als der Meinig . Das weiß er selber . Und bis der Meinig hinübergekommen ist über den Berg , da bin ich lang schon drüben gewesen im Haller Geläger . Wohl ! Und bin vor Angst um den Meinigen schier verstorben . Wohl ! Das können hundert bezeugen . Und der Meinig auch . « Ernst nickte Malimmes . » So ist ' s ! Recht hast du und dein Glück . Von denen , die anders sagen könnten , ist die Hälft schon totgeschlagen . Und mit der anderen Halbscheid dauert ' s nimmer lang . Mußt nit Angst haben . « Sie wollte sprechen und brachte kein Wort heraus . Sein seltsamer Ernst machte sie schweigen . » Ich tu dir Glück wünschen ! « Er redete ruhig vor sich hin . » Soll ' s sein , wie ' s mag - Mutter ist Mutter - noch allweil mein ich , es ist das Beste . Tu dich freuen , Schwägerin ! Mich brauchst nit fürchten . Ein Glück rührt man nit an .