durch absonderliche Vorkommnisse gespenstiger Art , dargestellt sind ; daneben verherrlicht er in langen , philosophischen Artikeln gewisse Gepflogenheiten des guten Tons , der Konvention . Zum Beispiel hat er neulich ein langes Feuilleton über die Sitten geschrieben , die den Frack und die Schleppe als Gesellschaftstoilette vorschrieben ; - - sein Kreis fußt auf der Überzeugung , daß es vor allem die Reize der verschiedenen Torturen sind , aus welchen die höchsten , menschlichen Offenbarungen kommen . Man bedauert in diesem Kreis die Abschaffung der wirklichen Tortur und macht flagellantische Übungen ; böse Lästerzungen haben dafür einen anderen Namen ... Diese Gesellschaft bildet einen geschlossenen Zirkel , der sich die Gestrengen nennt . Dann gibt es noch eine andere Sekte , deren Mitglieder diesen Salon besuchen . Sie nennen sich die Gläubigen und sitzen dort auf jenem Divan - dicht unter dem Pentagramm . « Eine Schar weiß gekleideter Männer und Frauen lagerte hier auf Schemeln , Matten und Kissen . » Es ist eine Sekte , die sich zur Wiederbelebung mystisch religiöser Ritualien zusammengefunden hat . Wohl gemerkt : es handelt sich nicht etwa um alte religiöse Ideen , - sondern um religiöse Gebräuche , die hier , in geheimnisvollen Sitzungen , geübt werden ; sie machen - bei Musik - gymnastisch-religiöse Übungen ; ihr Programm ist die Wiederbelebung jener Kulte , die von Körperverrenkungen begleitet sind . « Im nächsten Salon saß , in der Mitte des Zimmers , ein junger Herr . Er trug einen Samtrock , eine kostbare Brokatweste und gestreifte Hosen ; ein Backenbart umrahmte sein gerötetes Gesicht . Der Herr hatte drei Tischchen vor und neben sich . Auf dem mittleren lag ein Prachtband , aus dem er Gedichte vorlas . Auf dem Tischchen links stand ein Glas Absinth und ein Armleuchter mit sieben brennenden Wachslichtern ; auf dem Tischchen , das er zur rechten Seite hatte , lagen noch mehr Prachtbände aufgestapelt . » Dieser Herr liest hier seine Gedichte im Manuskript « , erklärte Justus . » Im Manuskript ? - Das sind ja dicke Bände ? « » Ja , diese Gedichte gelangten nicht zum Druck , - die Zeit ist nicht reif dafür . Das Innere der Prachtbände sind weiße Blätter , auf denen die Gedichte eigenhändig vom Verfasser niedergeschrieben sind . « Die Gesellschaft setzte sich in die Nähe des Dichters und hörte dem Vortrag zu . Die alltäglichsten Worte waren da seltsam verbogen . Hatte die eine Zeile eine lange Reihe von Versfüßen , so war die nächste nur von einem Ausruf gebildet . Zwischendurch gab der Dichter Kommentare . » Der Reim ist , wie Sie wissen , eine gemeine - oh , eine gemeine Sache , darum wird der Dichter ihm aus Leibeskräften ausweichen ... « Nicht weit von dem Dichter saß eine schöne , junge Frau , die ihm mit großen , hingegebenen Augen lauschte . » Viktoria , « sagte der Dichter und räusperte sich , » ein Glas Tee . « Die schöne , junge Frau stand eilends auf , winkte dem Diener und brachte das Gewünschte . » Das ist seine Frau « , erklärte Justus . » Wie ist es möglich , « sagte Olga , » daß dieses herrliche Geschöpf so - hingegeben lauscht ? « » Das hat einen geheimnisvollen Grund « , sagte Justus . » Wollen Sie uns den nicht anvertrauen ? « Justus neigte sich vor und flüsterte , hinter der verhaltenen Hand : » Sie ist dumm . « In einer andern Gruppe saßen junge Damen mit glatt gescheitelten Haaren , die über den Ohren in riesigen Schnecken lagen , mit weit aufgerissenen , extatisch funkelnden Augen , von dürftigem , fast schwindsüchtigem , körperlichen Habitus . Zwischen ihnen ein junger Mann , der ein Buch vor sich liegen hatte , das er Seite für Seite mit ihnen durchging . Die Damen machten sich Notizen . » Kiebitze der Literatur « , erklärte Justus . » Selbst steril , verfolgen sie , bis in die kleinste Zuckung , das Schaffen der anderen . « Einsam in einer Ecke saß eine lange , hagere , düster drapierte Gestalt . Erst bei näherem Hinblicken merkte man , daß es eine Dame war . Ein riesiger , schwarzer Kater saß auf ihrem Schoß , und sie streichelte ihn , während sie vor sich hinstarrte . » Eine archaistische Malerin « , erklärte Justus . » Sie haust allein in einer Villa , mit allerlei abenteuerlichem Getier , Katern , Uhus , Affen , man spricht sogar von Schlangen . Sie hat einen Kreis von Anhängern , die sich zur Bekämpfung der konstruktiven Perspektive in der Malerei und zur gesellschaftlichen Rehabilitierung der Perversionen zusammengetan haben ... sie stellen eine Sezession aus dem Zirkel der Gestrengen dar . « Man ging weiter , in das nächste Zimmer . » Dort drüben « , Justus deutete in eine Ecke , in der eine Gruppe von Divans stand , auf denen Gestalten lagerten , - » sehen Sie in jener üppigen Blondine im weißen , griechischen Kleid eine Dame , deren Ehrgeiz es ist , - Hetäre zu sein . Sie wird von der jüngeren Literatur adoriert . Sie akzeptiert aber nur Liebhaber , die unter unmißverständlichem Panier ihr nahen . Die Herren , die um sie herumliegen , sind augenblicklich ihre Günstlinge . Es sind dies : ein Anarchist ( jener Herr mit dem wirren Bart , der die Hand , als Faust geballt , in der Hosentasche hält ) , ein Nazarener ( der junge Mann mit den dünnen , braunen Locken und dem verklärten Blick ) , ein Wanderdichter ( jener stattliche , stramme Bursche , der keine Einkünfte hat , weil er nichts tut , als seine Gedichte abzufassen , und der daher als Logierbesuch bei seinen verschiedenen Bekannten lebt , was ihm den Namen Wanderdichter eintrug ) , und schließlich ist da noch ein vierter Freund jener göttlichen Aspasia - « » Und wer ist dieser