seinen Arm frei . Aber er bewegte ihn nicht . Er schaute mir wortlos in das Gesicht , als ob er verstummt sei . » Ka-kho - O-to ? « fragte er endlich wie geistesabwesend . » Ja , « nickte ich . » Kein - - Gentleman - - sondern eine Lady ! « » Ganz so , wie ich sagte ! « » Also wohl gar die Tochter von Eine Feder , die Euch damals das Leben gerettet hat ? « » Ja , dieselbe ! « Da holte er tief , tief Atem , machte ein äußerst verzweifeltes Gesicht und rief aus : » Alle guten Geister ! Das kann nur mir passieren , mir , der ich Maksch Pappermann heiße ! O dieser unglückselige Name , dieser unglückselige Name ! Wo hat sich jemals , wenn irgend einer einen anderen ohrfeigen wollte , herausgestellt , daß dieser andere eine Lady ist ! Und nun ich so selig war , einmal so aus ganzem Herzen zuhauen zu können , muß das mir , grad mir passieren ! Ich bin blamiert für alle Zeit ! Sogar für alle Ewigkeit ! Ich trete ab ! Ich werde unsichtbar ! Ich verschwinde ! « Er drehte sich um und rannte fort . Doch , an den Büschen angekommen , blieb er für einen Augenblick stehen und rief zurück : » Aber , Mr. Burton , ein Freundschaftsstreich war das ganz und gar nicht von Euch ! « » Wieso ? « fragte ich . » Ihr hättet mir diese Blamage sehr wohl ersparen können ! Brauchtet mir nur zu sagen , daß diese Lady kein Mann , sondern ein Frauenzimmer ist ! « » Euch dieses Geheimnis zu verraten , dazu war ich nicht befugt . Ich hatte Euch nicht verschwiegen , daß der Kiowa Vertrauen verdient . Das war genug . Warum habt Ihr mir nicht geglaubt ? « » Weil ich ein Esel bin ! Ein kompletter Esel ! Mit allem möglichen , was zu einem wirklichen Esel gehört ! Ich Schaf ! « Nun verschwand er . Kakho-Oto stand mit gesenkten Augen vor mir . Ihre Wangen waren vor Verlegenheit tief gerötet . Ich zog sie an mich , küßte sie auf die Stirn und sagte in ihrer Muttersprache : » Ich danke dir ! Ich habe dein gedacht , bis ich Dich wiedersah . Willst du uns Schwester sein ? Uns beiden ? « » Wie gern ! Dir und ihr ! « antwortete sie . Dann eilte sie in tiefer Bewegung fort . Das Herzle fragte mich zunächst , warum Pappermann ausgeholt habe , um zuzuschlagen . Einige Worte genügten , sie hierüber zu verständigen . Sie lachte herzlich . Dann bedankte sie sich bei mir dafür , daß ich ihr nicht mitgeteilt hatte , wer der Kiowa eigentlich sei . Hätte ich das getan , so wäre ihr die köstliche Ueberraschung des heutigen Morgens verloren gewesen . Dann kehrten wir zum Zelte zurück , wo ich ein kleines Feuer machte , an dem sie den Kaffee bereitete . Zu diesem stellten sich Pappermann und Kakho-Oto ein . Beide bemühten sich , möglichst gleichgültig zu erscheinen . Aber dem alten , braven Westmann ging der Pudel , den er geschossen hatte , doch zu nahe . Er betrachtete die Indianerin immerwährend von der Seite her . Als » Frauenzimmer « schien sie ihm ausnehmend zu gefallen . Plötzlich griff er nach ihrer Hand , zog sie an seine Lippen und knurrte reumütig : » Und so etwas habe ich beohrfeigen wollen ! Bin ich da nicht selbst Maulschellen wert ? « Damit war die Sache zwischen beiden abgemacht ; sie wurden die besten Freunde . Nach dem Frühstück wurde das Zelt abgebrochen . Wir sattelten die Stangen desselben lang anstatt quer , weil Kakho-Oto sagte , daß der Weg nach dem Hause des Todes ein sehr schmaler sei . Er führte zuweilen so steil bergab , daß wir bald nicht mehr reiten konnten , sondern absteigen mußten . Wir folgten einem schmalen , aber sehr reißenden Bache , welcher eine tiefe Schlucht gegraben hatte , die in zahlreichen Windungen zur Tiefe ging . Eine Aussicht gab es da nicht . So waren wir weit über eine halbe Stunde lang abwärts geklettert , da sahen wir plötzlich eine hohe , fast vollständig nackte Schutthalde vor uns liegen , die aber nicht aus gewöhnlichem , kleinem Schutt , sondern aus großen Felsstücken bestand , welche den Anschein hatten , als ob vor vielen Jahrhunderten hier ein gewaltiger Bergsturz stattgefunden habe . » Wir sind beim Haus des Todes angekommen , « sagte Kakho-Oto , indem sie auf diese Felsentrümmer deutete . » Das ist es ? « fragte ich . » So sind die Felsen hohl ? « » Ja . Sie sind nicht von oben herabgefallen , sondern künstlich aufgebaut . Kommt ! « Sie führte uns um eine Ecke der Felsenstätte , und da standen wir vor einem massiven , mehr breiten als hohen Tore , welches keine bogenförmige , sondern eine gerade Schließung hatte . Die beiden Seitensteine hatten eine Breite von über zwei Metern . Sie zeigten gut erhaltene Relieffiguren von Häuptlingen , welche im Begriff standen , durch das Tor in das Innere des Tempels zu treten . Die Häuptlinge waren charakterisiert durch ein , zwei oder drei Adlerfedern , die sie im Kopfhaar trugen . Auch der Oberstein war mehrere Meter hoch . Er zeigte die Figur eines Beratungsaltares , auf welchem Häuptlinge ihre Medizinen opferten . » Aber das ist ja gar kein Haus des Todes , gar keine Begräbnisstätte , « sagte ich , » sondern ein Beratungstempel , in dessen Altar die Medizinen aufbewahrt werben , bis das , was man beraten hat , ausgeführt worden ist ! « Kakho-Oto lächelte . » Das weiß ich wohl , « sagte sie , » aber wir dürfen das dem gewöhnlichen Volk nicht sagen , sonst würde die Stätte nicht