drang ihm ins Fleisch , aber die Schmerzen taten ihm wohl , und damals wäre er glücklich gewesen , wenn es ihn nicht zu gleicher Zeit nach dem andern gedrängt hätte ; so zeichnete er die heilige Rosa , wie sie als ganz junges Mädchen auf einer Wiese steht und von vielen Schmetterlingen umflattert wird , die in ihrer Heimat Peru wunderbare große Flügel und herrliche Farben haben , und ein ganz großer Falter hatte schwarze und weiße Flügel , der setzte sich auf ihre Schulter , und das war eine Berufung für sie , welchem Orden sie angehören sollte . Dieses Bild zeichnete er , aber die heilige Rosa hatte er ganz nackt gemalt , als ein dürftiges weibliches Wesen mit langen Haaren , die in sonderbaren Schlangenlinien gingen , und um ihren Mund spielte es wie eine schmerzliche Wollust und zugleich eine Unfähigkeit zur Lust . Solche Bilder aber mußte er immer zeichnen , und seine seelische Unkeuschheit wurde immer stärker . Am Ende wurde er sehr leidend , und wie ihn die Ärzte untersucht hatten , sagten sie , daß seine Lungen erkrankt seien und er müsse nach dem Süden gebracht werden . Da ließ ihn sein Vater gen Italien reisen , und wie er eine Weile an der Riviera gelebt hatte und gesünder geworden war , erfuhr er , daß sein Vater plötzlich gestorben sei . Da machte er sich gleich auf und ging zu dem Kloster und lebte dort eine Weile , bis er es endlich erlangte , daß er in die Zahl der Mönche aufgenommen wurde . Außer diesen zwei Männern waren in dem Kloster nur Brüder , die keinerlei Geschichte gehabt hatten . Ein ruhiges und fröhliches Leben führten sie unter allerhand sonderbaren Sachen ; da hatten sie ein Schränkchen , das war ganz mit Ruinenmarmor ausgelegt , und eine Sammlung von Stücken aller Holzarten besaßen sie , die geschnitten und behobelt waren wie Bücher , auch ein Stück Zedernholz vom Libanon war darunter ; eine besondere Kostbarkeit schien aber ein Bildnis der Muttergottes , das aus bunten Vogelfedern hergestellt war , und ein Kirschkern , auf dem ein Bruder die ganze Leidensgeschichte geschrieben hatte , daß man sie mit der Lupe lesen mußte , und fehlte kein Buchstabe . Sehr selten geschah es , daß Fremde das Kloster besuchten , die alte Wandbilder aus Giottos Schule betrachten wollten ; dann sprachen die Brüder bei Tische viel darüber , aus welchem Lande die Reisenden wohl stammen mochten und ob sie Protestanten waren oder Katholiken , wunderten sich auch , daß sie so wenig Freude an dem Kirschkern und dem Muttergottesbild zu haben schienen . Zuweilen wurde dann wohl darüber gestritten , ob die Protestanten bald zur Kirche zurückkehren würden oder noch lange in ihrer Verstocktheit beharren . So lebte Karl , und von seiner früheren Welt erfuhr er fast nie mehr etwas , nur einmal kam zu ihm eine Nachricht über seine geschiedene Frau . Johanna hatte nach der Trennung ihren Kreis von alten Freunden beibehalten und auch durch neue vermehrt , und hatte ein Ansehen in ihrer Gesellschaft , daß viele auf ihre Meinung hörten und sie selbst hochhielten als eine Vorkämpferin und Befreierin . Alle in diesem Kreise lobten unsre heutigen Zustände und sagten , daß in unsern Tagen zum ersten Male das Individuum die Möglichkeit gänzlicher Freiheit erhalten habe , denn indem die Gesellschaft nicht mehr die volle Person in Anspruch nehme , sondern nur Betätigungen der Person verlange , so könne sich jeder zu dem entwickeln , was er werden wolle und unterliege keinem äußeren Zwange ; und so dachten sie , daß aus jedem von ihnen ein Eigner und Besondrer werden müsse . Indem Johanna in diesen Anschauungen beharrte , schloß sie einen Liebesbund mit einem jungen Mann aus ihrer Gesellschaft und lebte mit ihm , und nach einiger Zeit sagten die beiden einander , daß ihre Liebe erloschen sei , und daß sie unsittlich handeln würden , wenn sie nun noch länger zusammenlebten , und so gingen sie in Freundschaft voneinander . Dann folgte eine neue Liebe , und in solcher Weise führte sie ihr Leben . Es geschah aber , daß sie sich in diesen Umständen in Hoffnung fühlte , und hatte ein Kind . Da sagte der Vater zu ihr , daß sie nun sich gesetzlich heiraten müßten , weil die heutige Welt , obschon sie im Grunde wohl ganz neu sei , doch noch die alten Formen bewahrt habe , und deshalb sei in ihr kein Ort für eine solche Gruppe wie er , sie und das Kind , wenn sie keine Ehe nach der gebräuchlichen Form bildeten . Sie antwortete ihm jedoch , daß sie ihre Freiheit bewahren wolle und keinem Zwange unterliegen und wolle ihr Kind auch allein aufziehen ; und so tat sie auch , lebte für sich und besorgte das Kind , indem sie allen erzählte , daß sie eine geschiedene Frau sei , und das Kind habe sie von einem Freund ; sie wurde aber sehr stolz und froh , wie sie verspürte , daß sie von vielen deswegen übel angesehen wurde , und meinte , daß alle Erlöser der Menschen beständigen Undank geerntet hätten , bis man später erst ihre Tat richtig erkannt . Dann begann sie und beschrieb ihr Leben von Kindheit an und sagte , daß sie genau alles erzählen wolle , wie es in Wahrheit gewesen sei , und nichts wolle sie verschleiern , und dieses Buch dachte sie dann herauszugeben , damit jeder es lesen könne . Die Komtesse Maria bewohnte ein kleines Stübchen , das auf einen stillen Hof hinausging , mit Möbeln , welche der Vermieterin gehörten , und hatten wohl deren gute Stube geschmückt , als der Mann noch lebte . Das Mahagoni , das die über ein Menschenalter gepflegt , war von einer gewissen Traulichkeit , und die Komtesse hatte durch allerhand kleines Wesen das Behagliche noch erhöht ; so empfing eine gewisse Wärme des Frauenhaften Hansen beim Eintritt und