zusammen . Der Aufseher war im Schuppen . Die drei Menschen standen einander gegenüber , keuchend , die Männer kampfbereit , jeder den Angriff des anderen erwartend , das Mädchen erschrocken sich an den Geliebten klammernd . Es kam auf eine Kleinigkeit an , und hier wäre Blut geflossen . Gustav befand sich in wilder Erregung . Eine drohende Bewegung des Gegners , ein Wort des Widerspruchs , und er hätte zugeschlagen . Aber Häschke , der die Lage schnell erkannte , hütete sich wohl , den anderen zu reizen . Mit Ernestinens Bruder in Frieden auszukommen , war jedenfalls rätlicher , als es auf einen Kampf ankommen zu lassen . Er ließ Kopf und Arme sinken , stand vor dem Aufseher mit der Miene des ertappten Sünders . Der Schlaukopf hatte richtig gerechnet ; Gustav war durch die nachgiebige Haltung entwaffnet . Aber irgendetwas mußte geschehen , das fühlte Gustav deutlich . Er fing an zu fluchen ; die beiden standen wie unter einem Hagel . Der Geist seines Vaters war über den jungen Menschen gekommen ; er stieß Schimpfreden und Flüche aus , die er als Kind wie oft aus dem Munde des Alten vernommen hatte . Das Mädchen fand zuerst Worte der Erwiderung . Sie wären nicht schlecht , und sie hätten nichts Böses getan ; sie seien » ordentliche Liebesleute « . - Die Worte flossen dem kleinen Dinge auf einmal äußerst beredt , von den Lippen . Häschke brauchte gar nichts zu sagen ; er hörte mit Staunen , wie sie seine eigenen Gründe , die sie noch vor kurzem bestritten , jetzt mit Eifer gegen den Bruder ins Feld führte . Wie schnell diese Frauenzimmer lernten ! - Gustav rief ihr zu , sie sei ein dummes Mädel ! und die Liebesgedanken werde er ihr schon austreiben . Die Schwester lachte ihm ins Gesicht . Kein Mensch könne ihnen verbieten , sich lieb zu haben ; am wenigsten er ; er habe es ihnen ja vorgemacht . Gustav war starr über die Unverfrorenheit des siebzehnjährigen Dinges . Er fühlte , daß er mit solchem Mundwerke schwerlich fertig werden würde . Ohne sich auf eine Widerlegung einzulassen , schrie er sie an : » Jetzt kommst du mit mir ! Marsch ! Ich wer ' dich ... « Damit nahm er sie am Arme und führte sie zur Tür wie eine Gefangene . Häschke folgte . So schlugen sie den Heimweg an . » Laß mich ack gihn , Gustav ! « sagte Ernestine nach einiger Zeit ; der Bruder hielt ihr Handgelenk in seine Faust gepreßt wie in einem Schraubstock . » Ich lof ' der nich dervon . Ich ha ' ja nischt Unrechts nich getan ! « Er ließ ihren Arm fahren . Sie schritten weiter nebeneinander her . Gesprochen wurde lange Zeit nichts zwischen den dreien . Gustavs Zorn war längst verraucht . Die natürliche Gutmütigkeit hatte die Oberhand gewonnen . War es denn wirklich so schlimm , was die beiden getan hatten ? Häschke mochte etwas von der Wandlung ahnen , die in dem Sinne des anderen vor sich gegangen . Er nahm das Wort , erklärte , daß er Ernestinens Bräutigam sei , und daß sie sich heiraten wollten . Gustav meinte darauf nur : Das kenne er schon ! Wer weiß , wie vielen Mädeln Häschke bereits die Ehe versprochen habe . Er müsse doch verrückt sein , wenn er seine Schwester einem solchen Vagabunden zum Weibe gebe . Man war inzwischen in die Nähe der Kaserne gekommen . Möglichst geräuschlos stiegen sie die Treppe hinauf . Häschke schlich sich in die Männerkammer . Gustav nahm die Schwester mit sich in die Aufseherwohnung . Dort wartete ihrer Pauline mit besorgter Miene . Der Aufseher war unwirsch , er gab seiner Frau keine Antwort auf ihre Fragen . Die beiden Frauen wechselten einen Blick des Einverständnisses , den der Mann nicht bemerkte . * * * Die Verstimmung dauerte ein paar Tage ; Gustav sprach nicht mit Häschke , die Schwester behandelte er wie die schlechteste seiner Arbeiterinnen . Des Nachts stand er zwei- , dreimal auf , untersuchte den Männerschlafsaal , horchte an der Tür der Mädchen . Am meisten hatte Pauline unter seiner Laune zu leiden . Sie sei mit den beiden im Bunde , behauptete er . Von irgendwelchen Erklärungen und Entschuldigungen wollte er nichts wissen . Wenn man ihm sagte , Häschke meine es ehrlich und werde Ernestinen heiraten , bekam er einen roten Kopf und schrie die Leute an : Er kenne Häschkekarln , er habe drei Jahre mit ihm gedient ; auf weiteres ließ er sich nicht ein . Mitten in diese Erregung fiel ein Brief aus der Heimat von Frau Katschner an Pauline . Die Witwe schrieb : » Liebe Tochter ! Ich ergreife die Feder , um Dir zu schreiben . Hier ist es jetzt sehr einsam ohne Euch und gehen allerhand Dinge vor sich . Die gnädige Herrschaft aus Berlin sind wieder auf dem Schlosse mit den gnädigen Kontessen und Fräulein Bumille habe ich auch besucht und läßt Dich schön grüßen . Kontesse Wanda ist nun richtig versprochen mit ihrem Bräutigam neulich ist er auch schon in Saland gewesen bei ihr . Er ist ein kleiner Mann der Bräutigam , die Wanda ist nicht hübsch mit ihm , sagt Fräulein Bumille , wir freuen uns aber sehr daß es ein Prinz ist . Die Hochzeit soll allerdings großartig und sehr fein werden , sagt Fräulein Bumille , mit Essen und Trinken natürlich da soll nichts abgehen und Herrschaften aus Berlin und die hohen prinzlichen Verwandten und Freundschaft . Wir werden da etwas zu sehen bekommen und das ganze Dorf wartet schon darauf im Herbst soll es sein . Nun muß ich Dir noch etwas anderes sagen , nämlich dem Traugott Büttner haben sie doch den Hof weggenommen und das ganze Gut , was die Gläubiger sind . Und die alten Leute sind nun ganz alleine , weil daß doch die