Abschied eine Gefahr - für euch beide ! « » Ich danke dir ! Es ist besser so . Nur eines ist mir leid . Es wohnt in Hubertus noch eine Dame , der ich sehr zu Dank verpflichtet bin . « » Fräulein von Kleesberg ? « Werners Stimme bekam einen seltsam befangenen Klang . » Ich habe mit ihr gesprochen . Du kannst ohne Sorge sein , es geht ihr besser . Und sie läßt dich grüßen . « Er legte seine Hand mit schwerem Druck auf Forbecks Schulter : » Das ist eine seelengute , prächtige Dame ! Der mußt du eine herzliche Erinnerung bewahren ! Jetzt komm ! « Vor dem Haus erwartete sie der Bauer . Auch Mali erschien mit dem Netterl auf dem Arm ; als ihr Forbeck die Hand reichte , fand sie nur ein paar kurze Worte ; wie erleichtert atmete sie auf , als der Wagen davonrollte . » Geh , « sagte der Bauer , » hättst mit dem jungen Herrn doch a bißl freundlicher sein sollen ! Soviel gut is er gwesen mit uns ! Und du hast dich gestellt , als ob d ' froh wärst , daß er endlich draußen is zum Haus ! « » Froh ? « Zwei Tränen rannen über Malis Mund . » Dös Wörtl kenn ich nimmer , Lenzi ! Und was wir zwei mitanander tragen müssen , tragt sich leichter unter uns als vor fremde Augen ! « Sie trat ins Haus . Von der Straße tönte noch das Geholper des Wagens . Als der Einspänner am Zaunerhaus vorüberfuhr , klang aus einem von welkendem Weinlaub umsponnenen Fensterchen des oberen Stockes eine lustige Stimme . Das feine Lieserl hantierte mit ihren Parfümgläsern und sang dazu : » Und ich lieb dich so fest , Wie der Baum seine Äst ! Wie der Himmel seine Stern , Grad so hab ich dich gern ! « Den Jodler summend , hielt sie eines der Gläser gegen die Sonne , dann griff sie nach einem anderen und sang : » Und a bisserl a Lieb , Und a bisserl a Treu , Und a bisserl a Falschheit Is allweil dabei ! « Die beiden Strophen gehörten nicht zueinander , aber sie gingen beim Lieserl nach der gleichen Melodie . 3 Die Nachricht , daß Graf Egge den Hornegger-Franzl davongejagt hätte , machte im Dorf die Runde von Haus zu Haus - Schipper hatte dafür gesorgt , daß die Sache nicht verschwiegen blieb . Und weil man über die Ursache was Näheres nicht erfahren konnte , zerbrach man sich den Kopf mit der Frage , durch welches Verschulden Franzl die harte Strafe über sich heraufbeschworen hätte . Zu gleicher Zeit verbreitete sich auch die Nachricht , daß ein reicher Bauernsohn aus einem über der Grenze liegenden Dorf , der Mühltaler-Sepp von Bernbichl , spurlos verschwunden wäre . Und da brachte man diese beiden Ereignisse miteinander in mysteriösen Zusammenhang . Man wußte , daß der Sepp » gegangen « war . Und schließlich trug es eine Nachbarin der anderen über den Zaun : der Hornegger-Franzl wäre mit dem Mühltaler-Sepp im Einverständnis gewesen , Graf Egge wäre hinter die Geschichte gekommen , und so hätte Franzl sein Bündel schnüren müssen , und der Mühltaler-Sepp wäre entweder verduftet , oder - bei diesem » oder « verstummte man und schielte gegen die Berge hinauf . Das dunkle Gerede gewann noch an Nahrung , als am Vormittag des 1. September ein alter weißhaariger Bauer im Dorf erschien und sich mit auffälliger Scheu nach dem Haus des Hornegger-Franzl erkundigte . Die kummervollen Augen zu Boden gesenkt , wanderte der Alte über die Wiesen . Am Jägerhaus fand er die Tür geschlossen . Erst nach längerem Klopfen öffnete ihm die Horneggerin . Sie hatte verweinte Augen und musterte mißtrauisch den Bauer , den sie nicht kannte . Auch der Alte sah scheu zu ihr auf . » Ich hätt a bißl ebbes z ' reden mit dem Herrn Jager . Is er daheim ? « » Na ! « erwiderte die Horneggerin erregt . » Was wollts denn von ihm ? « Forschend sah der Alte in das Gesicht des Weibes , als möchte er die Wirkung seines Namens beobachten . » Ich bin der Mühltaler aus Bernbichl . « » So ? « » Haben S ' mein ' Nam noch nie net ghört ? « » Na ! « » Und Ihr Sohn hat nie net gredt mit Ihnen vom meinigen ? « » Na ! Nie net ! Und mein Bub is net daheim . Pfüet Ihnen Gott ! « Die Horneggerin wollte die Tür schließen , doch der Alte setzte den Fuß über die Schwelle . » Frau ! Lassen S ' reden mit Ihnen . Schauen S ' mich an in meiner Kümmernis ! « Tränen kugelten ihm über die furchigen Backen . » Mar ' und Josef , Mensch , was haben S ' denn ? « fragte die Horneggerin erschrocken und zog den Alten in den Flur . Kopfschüttelnd verschloß sie die Haustür , warf einen Sorgenblick über die Treppe hinauf und ging dem Mühltaler voran in die Stube . Hier saßen sie fast eine Stunde lang . Und als der Bauer das Haus verließ , begleitete ihn die Horneggerin bis zum Zaun . Ihre Hände zitterten , ihr Gesicht war weiß . Der Mühltaler sah sie an und seufzte . » Jetzt hab ich Ihnen Verdruß gmacht , gelt ? Aber wie mir zutragen worden is , was d ' Leut im Seedorf reden , hab ich mir halt denkt : Machst den Weg , vielleicht hörst ebbes über dein ' Buben . Müssen S ' mir net harb sein ! « Die Horneggerin schüttelte den Kopf . » Ihnen kann ich nix verübeln . Aber d ' Leut ! Zwanzg Jahr lang haben s ' mit angsehen , wie mein Franzl is . Und jetzt , jetzt springen s ' auf ihm