nichts - gegenüber dieser fürchterlichen Neugier auf die Farbe seiner Tapete ... Und nun hatte er die Tapete vor sich . Ha ! Die Bestie konnte ihm nun nicht mehr entschlüpfen , er würde sie schon kriegen - ha ! jetzt mußte sie Farbe bekennen - jetzt war sie geliefert ! - Nichts half ihr mehr - nichts - ! - Emmy wollte sich Adam entgegen werfen . Er schleuderte sie auf die Seite und stürzte sich auf die Wand . Mit geballten Fäusten trommelte er wie ein Verrückter auf der Tapete herum , daß es verschlucktdumpf von der Steinmauer widertönte , er krallte die Fingernägel ein und kratzte gerippte Fetzen herunter . Seine Hände schmerzten ihm nicht , seine Augen waren weit aufgerissen und brannten in unstäter Flamme . » Ha ! Also diese dummen , lehmgelben Fratzen hast du , Bestie - und drunter ein so blödes , schauderhaftes Grau - ha ! wie diese schönen gelben Blätter und Ranken - und - und die kleinen niedlichen Figürchen - - na ja ! - na ja ! - - hahaha - ach ! - diese Mätzchen - hähähä - diese Mätzchen - und - und ... d- d- d- da - b ... b ... bildet sich - bildet sich ... hähähä ... es ist zum Todtschreien - Todtschreien - Todtschreien - Todtschreien - zum Todtschreien ! - na ja ! na ja ! - denke du - du Weib ! - Weib ! - Weib ! nun denke ' mal : da bilden - bilden sich diese bezechten Ara - arab ... b ... b ... b ... besten noch was druf in - zu dumm ! - zu dumm ! - und das ist also das Ganze - ach ! ach - mir ist grenzenlos elend ums Herz - das ... das Denken hat sie mir verbrannt - die verfluchte Bestie - und nun ist ' s wieder ' mal nischt - nischt - gar nischt - - - ab - so - lut nischt ! Ach ! Ist das langweilig - - « Adam sickerte sich aus , verstummte nun , schob stöhnend die Arme über einander , preßte sie taumelnd gegen die Wand und legte den Kopf darauf , als wäre er müde , todtmüde , als wollte er von all dem elenden , verwirrenden Lebenskram nichts mehr hören und sehen - Emmy hatte sich gefaßt . Zuerst war sie von einer lähmenden Furcht befallen worden . Die Worte waren ihr im Munde stecken geblieben , sie hatte diese Scene eines unzweifelhaften Irrsinns nicht unterbrechen können . Nun raffte sie sich auf - wie gut war es doch , daß sie hier war , daß sie ihrem Drange , Adam zu sehen und zu sprechen , ob er sie gestern auch impertinent genug behandelt hatte , doch noch nachgegeben ! Sie zuckte zusammen bei dem Gedanken , wie furchtbar es gewesen wäre , würde Adam heute allein , sich selbst überlassen geblieben sein . Leise trat sie zu ihm hin : » - Komm , Adam ! Sei wieder gut ! Du bist krank - Du hast Fieber - was geht Dich die dumme Tapete an ! Komm ! Setz ' Dich hierher aufs Sopha - komm ! - neben mich ... Du bist so heiß - soll ich Dir kalte Umschläge machen - ? Du wirst sehen : es wird bald besser werden , wenn Du Dich nur ruhig hältst ... Und siehst Du : ich bleibe bei Dir - ja - ? Willst Du - ? « Sie hatte den Kranken sanft bei den Armen gefaßt und aufs Sopha gezogen . Müde , ganz entkräftet und haltlos lehnte Adam das Haupt zurück . Er schloß die Augen . Er fühlte sich unsäglich elend , er hätte weinen mögen , nun schluchzte er leise auf . Und doch war es ihm ein liebes , stilles Trostgefühl , daß Emmy in seiner Nähe war . Die hatte das Fenster geschlossen und die Vorhänge zusammengezogen . Nun ging sie nach dem Schlafzimmer hinüber und suchte nach Leinen für die kalten Umschläge . Sie kam mit dem Waschbecken zurück , rückte einen Stuhl neben das Sopha und begann ihr Liebeswerk . Die » Sünderin « war zur Samariterin geworden . Allmählich wurde Adam ruhiger , das unendlich wohlthuende Gefühl der Geborgenheit kam wieder über ihn . Er träumte leise vor sich hin , schlief wohl öfter auch einmal eine kleine Weile , dann sickerte er wieder zum Leben , zum annähernden Begreifen seiner momentanen Lage zurück . Einmal flüsterte er » Leni « vor sich hin . Emmy hatte sich neben ihn gesetzt , sie sah ihn mit ihren großen , dunklen Augen traurig an , manchmal strich sie leise , liebkosend mit ihrer kleinen , glatten , kühlen Hand über seine Stirn oder ließ diese kleine , feste , kühle Hand seiner Hand , die immer wieder nach ihr suchte ... Die liebe Trösterin hatte das Buch wieder vorgenommen und las ab und zu ein paar Zeilen . Oefter blinzelte sie Adam von seiner verdämmerten Sophaecke aus an und genoß mit leisem Behagen die hellen , klaren Linien ihres schönen Profils . Da sie ihn alle verlassen hatten , war ihm die » Sünderin « treu geblieben . Nun tickte es ihn aber doch nieder , verhalten war ihm der arge Gedanke gekommen , er konnte ihn nicht unterdrücken , nicht hinunterschlucken , mit einem matten , ironischen Lächeln begann er : » Du bist wohl eigentlich gekommen , Emmy - - Du hast wohl gedacht - - ja ! siehst Du - dazu bin ich heute nun doch zu schwach - haha - ich - ich - na ! warte nur - wir holen ' s nach , mein Liebchen - « » Aber Adam - ! Was fällt Dir ein - ! « » Nu ja ! Gestern habe ich Dich doch so quasi ' rausgeschmissen - und heute kommst Du - aber