Kinder samt der Mutter zu speisen . Mit leichtem Mute und wirklich verjüngt ging er zu Bett . Nach einiger Zeit , da Marie wahrnahm , daß er nicht schlief , sondern zufrieden etwas spintisierte , rief sie : » Du , Martin ! Gelt , der Arnold freut dich doch , denn du hast zum ersten Mal deinen Gutenachtseufzer vergessen , mit dem du mich seit länger als einem halben Jahre betrübt hast ! « » Du bist nur halb auf der Spur ! « gab Martin bedächtig stockend zur Antwort ; dann entschloß er sich jedoch , der treuen Frau seine Abirrung zu bekennen , damit kein dunkler Punkt zwischen ihnen sei . Er erzählte ihr also die ganze Geschichte mit der Myrrha Glawicz , die eingebildeten Liebesleiden bei harmlosen Absichten und höheren ethischen Beweggründen , samt der Rede , die er sich für Frau Marie ausgedacht , bis zu dem Augenblick , wo der bloße Anblick des Sohnes das Luftschloß zertrümmerte . » Nun , was sagst du dazu ? « fragte der vergebungsbedürftige Mann hinüber , da die Frau schwieg . Erst nachdem sie sich eine Weile unruhig auf ihrem Lager gedreht , lachte sie plötzlich hellauf und schwieg dann wieder . Dann lachte sie nochmals und sagte : » Ich lache nur aus Freuden darüber , daß diese letzte Gefahr , die uns bedroht , sich so glimpflich verzogen hat ! Dank du dem Himmel , Mann ! daß dein Sohn so zu rechter Zeit , auf die Minute , gekommen ist ! Es wäre ja nicht um mich zu tun gewesen , aber um dich und ihn , und die Töchter ! Wie wären wir vor denen dagestanden ! Aber weißt du , Martin , weil du von der einfachen , unerwarteten Gegenwart unseres Sohnes geheilt wurdest , so soll dir die Verrücktheit vergeben und vergessen sein , die du mir hast antun wollen ! Es ist ein gutes Zeichen , ein goldenes , das ich mir im Gemüt aufbewahren will , solang ich noch lebe ! Und jetzt , schlaf wohl , Mann , deine Geschichte hat doch etwas Einschläferliches an sich ! « So ging Martin Salanders später Liebesfrühling , der die Verjüngung seiner politischen Tatkraft herbeiführen sollte , in Gnaden und ohne weitere Gewitter vorüber . XX Und er schien doch jünger geworden , als er , den Sohn zur Seite , am nächsten Morgen den Weg nach seinem Kontor beschritt . Leicht trugen ihn die Füße ; die Hüften aber wiegten sich leise , fast unmerklich , hin und her , wie einstmals , wenn ein frischer Lebensmut , ein guter Gedanke ihn durchströmten . Im Geschäftshause angekommen , unterhielten sie sich zuerst mit den Angestellten , die Arnold freundschaftlich grüßte , und besprachen im allgemeinen dies und jenes , was der Tag brachte oder in letzter Zeit ausgeführt worden . Dann begaben sich Vater und Sohn in Martins besonderes Zimmer , um in ausführlicher Unterredung Stand und Zukunft des Hauses gründlicher zu erörtern , als es in Briefen geschehen konnte . Neues trat hiebei nicht viel zutage , wenn es nicht etwa die Schlußfrage war , ob nicht die Geschäfte , die Unternehmungen bei so befriedigendem Gange auszudehnen und ein gewisser Aufschwung zu wagen sei ? Es war Martin , der die Frage aufgeworfen und den Sohn aufmerksam und mit vollem Vertrauen ansah . Arnold bedachte sich oder hielt vielmehr mit der Antwort zurück , welche er nicht zu suchen brauchte . Er spielte indessen mit dem Muster einer neuen Goldwage , die man auf des Vaters Tisch gestellt hatte . » Es hängt von dir ab , lieber Vater ! « sagte er endlich , » ich arbeite gern mit unter deiner Leitung ! « » Nein , von dir hängt es ab ! « erwiderte Martin , » du bist der Sohn und Erbe , dessen die Zukunft ist ! « » Der Nachdruck der Frage liegt in den Worte wagen , das du gebraucht hast : ob eine Ausdehnung zu wagen sei ! « fuhr Arnold fort , » wir stehen hart an der Grenze , wo dies ganz richtig gesagt ist , d.h. wo man , um Mehreres zu tun , ein Teil des Gewonnenen , vielleicht schließlich alles aufs Spiel setzen muß . Für meine Person , muß ich gestehen , habe ich drüben , jenseits des Wassers , in stillen Augenblicken mehr als einmal nachgedacht , wieweit wir eigentlich gedeihen wollen in unserm Erwerb ? Wollen wir in der Tat kleine Nabobs werden , die entweder ihr Leben ändern oder den weit über ihre Bedürfnisse reichenden Mammon ängstlich vergraben müssen und in beiden Fällen vor sich selbst lächerlich sind ? Zudem bist du ja Politiker und Volksmann , ich bin meines Zeichens Geschichtsfreund und Jurist ; es steht also uns beiden besser an , wenn wir in schlicht bürgerlichen Verhältnissen und Gewohnheiten bleiben , wie du es bis jetzt so musterhaft getan hast . Vergib , das ist mein Gefühl ! Ich empfinde auch einiges Heimweh nach meinen Büchern und müßte bei allfällig rapidem Anwachsen des Geschäfts mehr Zeit mit dem Kurszettel in der Hand und auf der Börse zubringen , als mir lieb wäre ! « » Du sprichst nur Gedanken aus , die ich selbst schon gehegt ! Was mich aber auf die Frage gebracht hat , ist die Zukunft unsers Landes . Ich fürchte , die Zeit ist nicht mehr fern , in welcher die Gesetzgebung die Hand kräftiger auf das Vermögen legen wird ; da dürfte es , dacht ich , gut sein , wenn man tüchtiger einzuschießen hat , ohne gerade zu verarmen . « Arnold lachte . » Das wäre , « sagte er , » nicht mein Standpunkt , ich möchte nicht Geldmacher für zukünftige Dinge sein , die ich nicht billigen kann . Ich werde vielmehr die Willkür bestreiten , solang ich es vermag ; siegt sie , wohl und gut , so füge ich