Busenschleifen ? Begnügt er sich nicht mit dem Lichtbild in seinem Herzen , statt auf ihm eines zu tragen , wie der fortschreitende Erfindungsgeist seit kurzem sie an Stelle der mühsam mit dem Storchschnabel entworfenen Schattenbilder unserer Väter im Umsehen von der Zauberin Sonne zeichnen läßt ? Von all diesen Liebhabermerkmalen kein einziges ! Nicht ein Wort ist zwischen dem Studenten und seinem Röschen gefallen , das der Kandidat und seine Rose hätten einlösen müssen . Endlich aber die Hauptsache : was hätte es denn verschlagen , wenn das Kandidatenfieber ausgebrochen wäre ? Nur in der Ordnung würde es gewesen sein . Hieß er denn nicht schon seit Monden Herr Kandidat ? Hätte er nicht Predigten halten können , so viel ihm und seinen etwaigen Zuhörern beliebte , ohne daß ein gewogener Professor sein Approbatum darunter setzte ? Und ist dieser Abschnitt nicht lediglich darum unerwähnt geblieben , weil er im Grunde ein Abschnitt nicht war und das Aufhören des Trienniums und Stipendiums in seinem Tageslauf so gar wenig geändert hatte ! Statt gottesgelahrte Kollegia zu hören gibt er etliche Unterrichtsstunden in einer höheren Lehranstalt , sitzt aber nach wie vor zu Füßen seines herrlichen Chaldäers und arbeitet in der Zwischenzeit mit Feuereifer an der Vorbereitung zu dem Examen pro ministerio , nach welchem der Ordination nichts mehr im Wege steht . Bei dem bevorstehenden österlichen Ferienbesuche wird er seinem Vater erklären , daß im Gestritt der Schulen das , was not tue , ihm unverkümmert geblieben und daß er freudig gewillt sei , dem Vater zur Seite zu treten , sobald dieser ihm sagen wird : » Ich bin müde geworden , mein Sohn . Stehe mir bei , die Seelen unter meinen Augen ein wenig höher gen Himmel zu richten . « Warum soll der Kandidat daher nicht so gut wie jeder andere an Hüttenbauen denken ? Ja , er lachte den Doktoranden recht stillvergnügt ob seiner Diagnose aus . Bei alledem aber lachte er noch viel stillvergnügter , als besagter Doktorand und Rival ihm erklärte , daß er der verflixten Promotion halber sich heuer den Appetit auf Mutter Blümels Osterfladen verkneifen müsse , um ohne Gefühlspause über der Pathologie einer Fettleber , seiner schriftlichen Probearbeit , zu büffeln . Es rann in Freund Dezems Adern kein Othelloblut ; absolut ohne Dämonen geht es aber auch in der stillvergnügtesten Brust nicht ab . Die Osterwanderung ohne seinen besten Freund kam ihm noch einmal so vergnüglich vor . Aber noch ein zweites , leider wenig frohstimmendes Anliegen sollte während ihr erledigt werden . Sämtliche Repetitorien , bis auf das seines jungen Landsmannes , waren aufgegeben worden . Jetzt mußte auch dieses wenigstens beschränkt werden . Die Examenansprüche drängten , und ein erster schriftstellerischer Versuch , ein astronomischer Leitfaden , den er unter der Ägide seines getreuen Himmelsführers unternommen hatte , sollte womöglich noch vor jenem Abschluß vollendet werden . Es galt daher , die Zeit gründlich auszukaufen . Und Philipp hätte doch mehr denn je nicht bloß einer fördernden Nachhülfe , sondern auch eines hingebenden Umgangs bedurft . Er war zum zweiten Male nicht nach Prima versetzt worden und bäumte sich mit äußerstem Trotz gegen den aufgedrungenen Schülerberuf . Da ihm , als Strafe für seine Lässigkeit , die österliche Ferienreise untersagt worden war , hatte Dezimus sich vorgesetzt , sein Fürsprecher bei Lydia zu werden , um ihre Zustimmung zu der ersehnten Soldatenlaufbahn zu erwirken . Der brave Hirtensohn ! Eine Ader Don Quixotes spukte doch wahrlich in seinem mathematischen Kopf . Sich zu unterfangen , woran Konstantin Blümel , der Versöhner , gescheitert war ! Am Nachmittag vor der Reise saß er bei dem Artikel » Sternschnuppen « , einem Leibartikel , über seinem Leitfaden , als Philipp in das Stübchen stürmte und sich lautjubelnd ihm in die Arme warf . Die Decke in seines Professors Rauchneste war zusammengestürzt , es mußte ein Umbau und eine Neuordnung der Bibliothek vorgenommen werden ; der unbequeme Hausgenosse wurde daher bis nach den Festtagen zu seiner Mutter entlassen . Dezimus hatte die Eisenbahn , die zwischen der Universitäts- und der Werbenschen Kreisstadt schon seit Jahren fertiggestellt war , noch niemals benutzt ; er schritt mit Lust von Zeit zu Zeit einmal tüchtig aus . Dem jungen Faulpelz war nun als Strafe diktiert worden , die Reise statt wie bisher per Dampf diesmal per pedes mitzumachen . Was doch dieser gelehrte Professor für ein Menschenkenner war ! Die erste Fußreise , eine Wanderung mit seinem lieben guten Dezimus - eine Strafe ! Ach , wenn er doch die ganze Welt mit ihm hätte durchwandern können ! Das große Kind hatte sich bereits probeweise Ränzchen und Botanisiertrommel umgehängt , auch einen gewaltigen Knotenstock zugelegt . Er glich dem Vogel , dem die Käfigtür geöffnet worden ist , er sang und pfiff vor heller Lust , krähte wie ein Hahn und wieherte wie ein Roß . Es war ja ganz unmöglich , daß er je wieder in das grauliche Nest zurückkehrte . Wenn nur sein lieber guter Dezimus ihm tapfer beistände , mußte Schwester Lydias steinhartes Herz ja endlich erweicht werden . Der mütterlichen Zustimmung war er längst gewiß . Zum Winter trug er den bunten Rock . Während dieses wohligen Flügelschlagens erdröhnten die Treppe herauf wuchtige Tritte , die Tür wurde aufgerissen , und in ihrem Rahmen erschien eine Gestalt , die sich bücken mußte , um nicht anzustoßen ; halben Kopfs höher als der Hüne unter den Musensöhnen und mindestens noch einmal so breit , wennschon besagter Hüne sich auch keiner Wespentaille zu rühmen hatte . Ein Prachtstück von Mann mit seinem rötlich gelockten Haar und Bart , dem wetterbraunen Gesicht und den weitgeöffneten meerdunklen Augen . Er kam Dezimus bekannt vor , obgleich er doch wußte , daß er ihn niemals gesehen hatte ; so wie ihn hatte er sich seinen Vater vorgestellt , seinen armen Vater , ehe er bis zur Hutmannshütte herabgesunken war . » Na , wer von euch Jungen ists denn ? « rief der Fremde