» Serena , ich - wir - ich habe es mir jetzt lange genug überlegt , und Kopf und Herz tragen es nicht länger . Auch Sie haben reichlich Gelegenheit gehabt , mich kennenzulernen , und halten mich hoffentlich nicht für einen schlechten Charakter , und der Papa - ja , was geht der Papa uns eigentlich dabei an ? - o Serena , mein liebes Mädchen , die ganze Welt brauche ich weiter nicht , wenn ich Sie habe ! Gehen Sie mir Ihre Hand , Serena , und sagen Sie mir ganz offen , ob Sie meine Frau werden wollen ! Sie - ich - wir - Täubrich - ich möchte Sie ganz für mich allein besitzen , und dem Papa sollte doch nichts an seiner Behaglichkeit abgehen - wir wollten - wir könnten - « Natürlich ! Was hätten sie alles gewollt und gekonnt , wenn wenn nicht Fräulein Serena Reihenschlager mit einem zweiten und viel hellern Schrei des Schreckens , der Überraschung mehrere Schritte zurückgewichen wäre , beide Hände abwehrend weithin von sich ausstreckend ? » Liebster Himmel , Herr Hagebucher ! Also doch ? O Gott , liebster Herr Hagebucher ! Und grade heute , o Herr Jesus ! « » Ich liebe Sie in der Tat recht herzlich , Serena ! « sprach Hagebucher , noch immer mit zugekniffenen Augen über dem Graben in der Luft schwebend . » Was mir an Jugend mangelt , werde ich durch Liebenswürdigkeit ersetzen . Ein unverträglicher Mensch bin ich nicht , und einen Hausstand könnten wir uns wohl in der behaglichsten Weise gründen . Meine Mutter würde sich unbeschreiblich freuen , und was Ihren Papa anbetrifft , so glaube ich sicher , daß er mich gern auch durch solche liebe Bande an die koptische Grammatik fesseln würde . « » O Gott , Gott , Gott , das glaube ich gern ; aber das ist so schrecklich , und die Magd wird gleich zurückkommen ; was soll ich sagen , was soll ich tun ? Lieber Herr Hagebucher , er schreibt mir grade heute , grad an diesem Abend , und entschuldigt sich so sehr . In drei Tagen wird er selbst kommen , alles ist in Ordnung und kein Hindernis mehr , und der Papa oben in seiner Stube weiß auch alles . « » Wer schreibt ? Was schreibt wer ? « rief Hagebucher , in höchster Verblüfftheit und mit weit offnen Augen mitten im Sumpf platschend , sprudelnd und spuckend . » Ferdinand ! Wer denn anders als mein Ferdinand ? « schluchzte das Fräulein . » Hier hab ich seinen Brief , und er war vor Ihnen hier im Hause und half wie Sie dem Papa an dem Wörterbuch und der Grammatik . Und der Papa schickte ihn fort , was gar nicht recht von ihm war , und da ist er in die weite Welt gegangen , nach Hamburg und nach Edinburg und zuletzt nach Genf , als Lehrer der neuen Sprachen . Man könnte blutige Tränen weinen , so sehr hat er sich an allen Instituten quälen müssen , und jetzt gründet er in Kompanie mit einem andern ein eigenes Institut , und hier schreibt und bittet er um Verzeihung , weil er so lange nicht geschrieben habe , und übermorgen kommt er selbst , und der Papa weiß alles und sieht ein , daß er jetzt nichts mehr dagegen machen kann . Und er ist mein Ferdinand , und nun sagen Sie selber , liebster Herr Hagebucher , was ich Ihnen noch sagen soll ! « » Ich wüßte nicht , was mir noch zu erfahren übrigbliebe « , sprach der Mann vom Mondgebirge sehr dumpf und wiederholte sodann : » Er war vor mir hier im Hause und half wie ich dem Papa an dem Wörterbuche und der Grammatik . « Nach einer Pause setzte er noch hinzu : » Da wäre ich ja wohl wieder einmal zu spät gekommen ? O ' Täubrich , Täubrich , Täubrich-Pascha ! « Und dann - dann sah er auf und sah , daß das arme gute Kind nicht mehr die Hände in den Schürzentaschen , sondern die Schürze mit beiden Händen vor die Augen hielt und den Schrecken und die Bestürzung leise dahinter ausweinte . Sanft faßte er diese kleinen zitternden Hände , zog den Vorhang von dem purpurroten Gesichtchen weg und sagte : » Liebes Fräulein , wenn Sie dem Papa nichts von dieser dummen Geschichte sagen wollen , so werde ich es gewiß nicht tun ; und was dieses glückliche - dieses erfreuliche Ereignis betrifft , so wünsche ich Ihnen und dem Herrn Ferdinand das beste , das allerschönste Glück . « Das Kind hatte bereits von neuem die Schürze vor die Augen gehoben und schluchzte hinter ihr weiter und konnte seinen Dank für die guten Wünsche nur durch ein schnelles , krampfhaftes Kopfnicken kundgeben . Da Herr Leonhard Hagebucher nichts mehr in der Küche des Professors Reihenschlager zu suchen hatte , so verließ er dieselbe , und zwar wiederum auf den Zehen . Er trat zurück in den dunkeln Hausflur und zögerte einen Augenblick an der Treppe . Sollte er nicht doch lieber nach Haus gehen und den armen Täubrich-Pascha bis aufs Blut durchprügeln , um ihn zu lehren , künftighin nicht so leichtfertig einen Mann in der Ausführung einer Dummheit durch allzu inniges Eingehen auf die Herzenswünsche desselben zu bestärken ? Nein ! Ein gebildeter Mann sucht seinen Überschuß an deterioriertem Nervengeist nicht in solcher Art loszuwerden ; ein gebildeter Mann geht unter solchen Umständen nicht nach Hause , um jemand durchzuprügeln , sowenig als er sich ins Wasser stürzt oder eine Kugel durch den Kopf jagt . Leonhard Hagebucher ging hinauf zum Professor Reihenschlager ; wenn wir aber noch einen Blick in Serena Reihenschlagers Küche werfen , so steht das Fräulein wieder emsig beschäftigt vor ihren Töpfen und Pfannen . Ein leises Lächeln spielt um die Mundwinkel der jungen Dame , und der Zwiespalt in ihrer