ihn sehr lange her zu sein , jener Tag , denn damals war Alles anders gewesen , als jetzt , Alles anders ! Noch gestern war es anders gewesen - noch heute früh ! Was hatte er denn gedacht seit gestern ? Weshalb hatte er denn die Nacht so wundersam verträumt , und was hatte ihn so umgewandelt seit einer Stunde ? Das Blut schoß ihm zu Kopfe , er fuhr auf . Das Pferd , durch einen straffen Zügelgriff aus seiner freien Lässigkeit aufgeschreckt , sprang , sich bäumend , in die Höhe . Der Widerstand kam Herbert eben recht , und mit scharfem Spornstoß das Thier zusammennehmend , trieb er es vorwärts , daß es weit ausgriff und ihn gestreckten Laufes leicht dahintrug . Zu ihr ! das war die ganze Antwort , welche er sich zu geben wußte . Ein leidenschaftliches Verlangen brannte in seinem Blute , er mußte lachen , wenn er sich erinnerte , welche Rolle er gestern neben Angelika gespielt hatte . Er war sehr entschlossen , nicht wieder als ein blöder Schäfer vor der vornehmen Dame zu erscheinen , welche sich über das Unglück ihrer Ehe zu trösten begehrte . Er mußte darüber lachen , daß er dies nicht selbst gesehen hatte , daß ihm die Hingebung nicht auffallend gewesen war , mit welcher Angelika sich seiner Tröstung , sich seinem Schutze überlassen hatte ; und , so wechselnd ist der Sinn des Menschen , so leicht bestimmbar die heiße Phantasie der Jugend : er , der gestern in reinster , verehrender Liebe sein Herz der unglücklichen Frau zugewendet hatte , er versprach sich jetzt mit leidenschaftlichem Feuer , es der schönen Baronin zu beweisen , daß er nicht mit sich spielen lasse und daß er der Mann sei , zu begehren und zu gewinnen , was ihre Hingebung ihm zu verheißen geschienen . Im Schlosse angelangt , konnte er die Stunde nicht erwarten , da er sie wiedersehen sollte . Der Freiherr , welcher von seiner Rückkehr unterrichtet worden war , ließ ihn rufen , um von ihm zu hören , wie er mit dem Steine und der Bearbeitung desselben durch seine Neudorfer Leute zufrieden gewesen sei . Herbert mußte Auskunft geben , aber er hatte Mühe , dies mit der nöthigen Ruhe zu thun , denn es war öfter vorgekommen , daß Angelika sich solchen Besprechungen in dem Zimmer ihres Gatten unerwartet zugesellt hatte , und er meinte von Minute zu Minute den Schritt der Baronin , das Rauschen ihrer Gewänder zu vernehmen . Indeß sie kam nicht . Das verdroß den jungen Mann . Er wünschte sie zu sehen , weßhalb gewährte sie ihm die Freude nicht ? Als er von dem Freiherrn entlassen wurde , fragte er nach dem Ergehen der gnädigen Frau Baronin und sprach die Hoffnung aus , daß der Gang nach der Höhe ihr nicht geschadet haben werde . Der Freiherr nahm die Sache leicht . Es ist glücklicher Weise nur eine kleine Uebermüdung bei dem Spiel , sonst nichts , sagte er , und ich bin sicher , daß wir die Baronin heute wieder unter uns sehen werden , denn sie befand sich diesen Morgen wohl . Das hatte Herbert nur hören wollen , und er fing nun an , sich auf den Mittag zu vertrösten . Aber der Mittag kam , die Hausgenossen fanden sich zusammen und die Baronin fehlte . Was soll das bedeuten ? fragte er sich . Er hatte seinen Platz , wenn sonst keine Gesellschaft vorhanden war , zwischen dem Marquis und dem Caplan . Er erkundigte sich bei diesem Letzteren nach dem Grunde , der die Baronin von der Tafel entfernt halte , und erhielt den Bescheid , daß Renatus sich nicht wohl befände und Muttersorge Angelika bei dem Kinde festhalte . Herbert mußte seine Enttäuschung nicht gut verborgen haben , denn der Marquis sah ihn mit einem nicht mißzuverstehenden Lächeln an , von welchem Jenem das Blut in die Wangen stieg . Der Amtmann hatte sich also nicht geirrt , auch der Marquis dachte von Angelika nicht anders , als von den anderen Frauen seines Standes . Um der Baronin willen , die sich von dem Kinde nicht trennen mochte , blieb man nach dem Mittagbrode nicht beisammen ; auch der Abend und der ganze folgende Tag verstrichen , ohne daß Herbert sie sah . Er fragte im Laufe desselben den Kammerdiener nach dem Knaben ; der schien aber gar nicht daran zu denken , daß dem Kleinen etwas fehle , denn er sagte gleichgültig , der junge Herr spiele und sei munter . Herbert glaubte zu bemerken , daß der Freiherr mißmuthig sei , es kam ihm auch vor , als beobachte die Herzogin ihn mehr als sonst ; indeß er war selbst zu aufgeregt , sehr darauf zu achten , denn jetzt erfuhr er es ja selbst , auch Angelika war nur eine herzlose Coquette , die , wie diese Frauen alle , ihre Freude daran hatte , seine Sehnsucht durch ihre berechnete Entfernung anzufachen und zu steigern . Der nächste Tag brachte den Sonntag , an welchem nach beendeter Roggenernte das kirchliche Dankfest für dieselbe gefeiert werden sollte . Da man seit der Bekehrung der Baronin auch strenger als früher auf die Kirchlichkeit der protestantischen Dienerschaft hielt , so hatte man Morgens die Dienstleute , welche man irgend entbehren konnte , in die Kirche nach Neudorf geschickt , und oben in der Schloßcapelle hielt der Caplan für die Herrschaften den gewöhnlichen Gottesdienst . Es war dadurch sehr still im Schlosse , und Herbert fühlte sich allein und innerlich gequält . Er sehnte sich noch immer nach einem Zusammensein mit der Baronin und sann doch darüber nach , wie er ihr die Pein vergelten wolle , die er eben um sie duldete . Er wußte nicht , ob er sie liebe oder hasse , und solches inneren Zwiespaltes ungewohnt , schalt er sich unmännlich , weil er sich aus demselben nicht sogleich befreite . Unzufrieden mit