sie hierauf bezog , war und blieb ihr Geheimniß . - So wenig wie sie , so wenig wußte Benjamin einen Rath für den Vater ; da er weiter nichts verbrochen , so hofften sie , daß man ihn nach einigen Tagen wieder entlassen werde , und daß ihnen nichts übrig bliebe , als ruhig auf ihn zu warten . Erst am Morgen , da sich Rachel auf die Ereignisse der Nacht wieder besann , entdeckte sie mit Schrecken den Verlust des köstlichen Ringes , dessen sorgfältige Bewahrung ihr der Vater auf die Seele gebunden . Vergeblich suchte sie in ihrer Wohnung überall danach , wo sie ihre Sachen abgelegt . Hier war er nicht . Unterwegs konnte sie ihn nicht verloren haben , da sie die Handschuhe darüber getragen . Sie besann sich , daß sie diese in der Behausung der Baubrüder ausgezogen und erst an der Hausthür wieder an . Dort nur konnte er sein . Was blieb ihr anders übrig , als dort danach zu suchen , zu fragen ? Aber sie durfte sich nicht am Tage dahin wagen , auch hatte sie nicht den Muth , Jemand anders als Ulrich danach zu fragen , und darum mußte sie die Stunde des Feierabends abwarten . Indeß war es ihr unmöglich den ersten Tag auszugehen , sie fürchtete ihrem Bruder von dem Verlust zu sagen , und ohne genügenden Grund zum Ausgang ließ er sie nicht fort ; es kamen auch immer Leute , die es verhinderten , Judennachbaren und die ganze Sippe , die sich theilnehmend und wehklagend nach Ezechiel erkundigten . Endlich am zweiten Abend , wo Benjamin auch ausgegangen , konnte Rachel sich fortschleichen . Aber als sie glücklich das Haus des Rädleinmachers Sebald erreicht und sich im Finstern die Treppe hinaufgeschlichen hatte , nun an der Thür lauschte , die zu den Baubrüdern führte , ob sie dieselben darin sprechen höre und ob sie allein seien - kam Frau Martha aus der entgegengesetzten Thür , einen brennenden Kienspan in der Hand . Als sie das Judenmädchen erkannte , stieß sie einen Schrei des Abscheues aus , dem bald die schrecklichsten Schimpfreden folgten . » Verzeiht ! « entgegnete Rachel zitternd ; » ich wollte nur nach einem Ring fragen , den ich vorgestern hier verloren . « » Das ist eine elende Finte ! « rief Martha ; » Du gemeine , freche Dirne ! ich müßte nicht wissen , warum Du kommst ! Aber Du kamst auf alle Fälle umsonst , denn beide Baubrüder sind weder hier , noch in Nürnberg , sondern heute in ' s Kloster zum heiligen Kreuz gegangen ; dort wird Ulrich von Straßburg dafür Buße thun , daß er sich mit Dir eingelassen und Schimpf und Schande über dies Haus gebracht - nie wird er wieder hierher zurückkehren . Nun weißt Du wohl genug - mache , daß Du fortkommst , Du schändlicher Balg ! « » O Gott ! « rief Rachel ; » Euer Schimpf trifft mich unverdient - ich kam um den kostbaren Ring - « » Spare Deine Lügen , mir machst Du nichts weiß ! « eiferte die Alte , » und wenn es wahr wäre , so laß Dir gesagt sein , daß Niemand von uns einen Ring aufheben wird , den Du verloren - wir haben weder Verlangen nach Hexengold , noch nach Sündenlohn . Unterstehst Du Dich wieder zu kommen , so lass ' ich Dich vom Meister hinauswerfen und auf die Büttelei schaffen - heute will ich ' s noch selber thun ! « Sie riß das Mädchen am Arme , gab ihr von hinten einen Fußtritt . der sie einige Stufen der Stiege hinabschleuderte , und spie nach ihr . So ward Rachel vertrieben . Das war das Resultat einer Stunde , die sie mit großen Schwierigkeiten erkauft und auf die sie ganz andere Hoffnungen gesetzt hatte . Die Behandlung , die sie erfahren , erregte ihren ganzen Zorn und alle Bitterkeit und Verzweiflung , über das Loos voll Schimpf und Qual , dem sie durch ihr ganzes Volk verfallen war , drohte ihr Herz zu zersprengen : dazu kam der Schmerz , daß sie Ulrich nicht wiedergesehen , ihn nie wiedersehen werde , wenn er wirklich in ' s Kloster gegangen , um ein Mönch zu werden , wie sie denken mußte - und dazu kam noch ein anderer unklarer Gedanke , indem hinter einem tiefen Weh doch eine heimliche Freude lauerte : war er in ' s Kloster gegangen - um ihretwillen ? um zu büßen - oder um sich zu bewahren ? - Und diese Fragen verscheuchte wieder die Angst : was der Vater sagen werde , wenn sie gestehen mußte , daß der Ring verloren . So waren die verschiedensten Empfindungen in ihr aufgeregt und alle waren sie quälender Art. Da hörte sie , nachdem Benjamin Erkundigungen nach dem Vater eingezogen , daß er zu zwei Wochen Gefängniß bei Wasser und Brod im finstern Keller und zu einer großen Geldbuße verurtheilt sei wegen nächtlicher Betretung eines um diese Stunde den Juden verbotenen Stadttheils und Betheiligung am nächtlichen Unfug . Natürlich war das nur bittere Nachricht für die Kinder , die an dem Vater hingen , und doppelt , weil sie wußten , wie viel er schon unter dem nächtlichen Unfug gelitten und wie wenig er ihn selbst verschuldet . Aber sie waren es schon gewohnt , daß da , wo Juden und Christen zusammen gekommen waren , allemal gegen die Juden entschieden ward , auch wenn das Recht auf ihrer Seite sonnenklar gewesen . Inzwischen kam die alte Jacobea mehrmals und fragte nach Ezechiel . Rachel haßte die Alte , von der sie wußte , daß sie sich immer nur zu bösen Anschlägen gebrauchen ließ , und suchte sie immer kurz mit dem Bemerken abzuweisen , daß ihr Vater wohl noch lange im Gefängnisse schmachten müsse ; wenn er frei sei , möge er selbst zu ihr kommen , wenn sie Nöthiges mit ihm