Tod . Es ist aber ganz gut geraten . Anfangs , freilich , hat man auch dem Teufel ein Bein brechen müssen , denn die jung Frau hat ein wenig hochmütig sein wollen auf ihr fein ' s Gesicht und ihren neuen Stand und hat dabei natürlich von der Wirtschaft nichts verstanden und der Schwieger nicht folgen wollen ; aber der Mann ist gescheit gewesen und hat zu seiner Mutter gehalten und sein Weib links und rechts hinter die Ohren geschlagen , bis sie pariert hat . Jetzt geht ' s , und die Einkehr bei der schönen Wirtin ist groß , und die Mutter , die früher am ärgsten gegen die Heirat gewesen ist , ja , die trägt jetzt ihre Tochter schier auf den Händen . « » Das paßt wie eine Faust auf ein Aug « , lachte die Sonnenwirtin . » Freilich , wenn ein Vater tot ist , da kann ihm sein Sohn sein Sach und seinen Namen verschimpfieren , und niemand fragt danach . Aber solang der Vater am Leben ist , wird er doch auch noch dreinreden dürfen , wenn ihm der Sohn Schimpf und Schand ins Haus bringen will . « » Herr Sonnenwirt ! « sagte der hartnäckige Fuhrmann , ohne die Einrede der Frau zu beachten , » Ihr müsset ja doch einmal abfahren , und dann kutschiert Euer Sohn . Wollet Ihr ihm auf dem Bock sitzen bleiben und ihn sein Leben lang spazieren führen ? Das geht ja doch nicht an , drum gebet nach , so lang ' s noch Zeit ist und eh ' s zum Äußersten kommt . Denn ich kenn euch beide : ' s hat jeder von euch ein Sperrholz im G ' nick . « » Recht so ! « sagte die Sonnenwirtin , » also soll der Sohn dem Vater das G ' nick brechen ! « Der Sonnenwirt , der eine Weile etwas unschlüssig dreingeschaut hatte , fuhr auf . Vom Sterben hörte er gar nicht gern reden , eine Rüge war auch nicht nach seinem Geschmack , und der etwas herbe Ton des alten Mannes , den er zwar seit vielen Jahren kannte , reizte ihn so , daß es nur einer kleinen Nachhilfe von seiner Frau bedurfte , um ihn in Harnisch zu jagen . » Ich brauch das Geschwätz nicht « , sagte er kurz angebunden , » brauch mir in meinem Haus nichts befehlen zu lassen . Hier bin ich Herr . « » Adje , Herr Sonnenwirt « , antwortete der Alte , indem er sich mit gemessener Eile erhob und der Türe zuging , » ' s gibt noch mehr Wirtshäuser in Ebersbach . « » Mein ' twegen ! « rief der Sonnenwirt . Der Alte ging hinaus , nachdem er der Gesellschaft » Adje beisammen ! « zugerufen hatte . Draußen traf er auf Friedrich , der die Treppe langsam und nachdenklich heraufkam . » Frieder « , sagte er zu ihm und legte ihm die Hand auf die Schulter , » wir kennen einander schon lang , ich hab dich oft rumtragen , wie du noch klein gewesen bist , und hab dich auf meine Gäul sitzen lassen . « » Ha freilich , Bot ! « erwiderte Friedrich aufgeheitert . » Wir sind immer gut Freund gewesen . Wißt Ihr ' s nimmer ? Ich hab Euch ja einmal den Wagen ausplündert , dem langen Mathes , dem Knecht , zum Torten . « » Weiß wohl , Friederle , dir ist aber auch mancher Tort gespielt worden , und mein kleiner Finger sagt mir , es stehen dir noch ärgere bevor . Komm , Frieder , komm du mit mir . Alt bin ich , kein Kind hab ich nicht , mein Handwerk kennst du - ich will dich annehmen . Ich spür ' s , deines Bleibens ist nicht mehr in dem Haus da , es tut nicht lang mehr gut . Komm mit mir , sag ich . Du kennst mich : ich halt dich rauh , wie ich selber bin und wie ' s bei meinem Wesen hergeht , aber ich halt dich wie ein Vater . « » Botenjakob ! « stammelte Friedrich betreten und zögernd , » das ist ein Wort , das alles Dankes wert ist - aber Ihr werdet mir ' s gewiß nicht verargen , wenn ich sag : es will überlegt sein . Was sollt denn aus meiner Christine werden ? « » Mein Fuhrwesen « , sagte der Alte , » trägt dich und mich , aber ein Haus voll Kinder trägt ' s nicht mehr , seit die Straß durchs Remstal verbessert ist , und du kannst mir nicht zumuten , daß ich in meinem Alter noch Hunger leiden soll . « » Wie könnt Ihr mein Fragen so auslegen ? « unterbrach ihn Friedrich tief verletzt . » Haltet Ihr mich im Ernst für so undankbar und unverschämt ? « » Nein , nein ! « versetzte der Alte mit sanfterer Stimme . » Mußt nicht gleich so auffahren wie dein Vater . Man red ' t ja nur . Deine Christine wirst freilich nicht mitnehmen können , aber wenn ich einmal sterb , so sitz ' st in meinem ganzen Brot und kannst sie holen . Sag dir ' s selber , ob du hier auch nur so viel voraussehen kannst . « Friedrich hielt seine Flaschen krampfhaft fest . Es arbeitete mächtig in ihm . Der Vorschlag , das erkannte er wohl , war ein rettender Ausweg , aber er wurde so plötzlich und unvorbereitet damit überrascht , daß sein sonst schneller Geist wie gelähmt war . Wohl hatte er mit leichter Zunge von Verzicht auf seines Vaters Haus und Erbe gesprochen , aber jetzt , wo die Wirklichkeit ihn auf die Probe stellte , schien ihm der Schritt doch ziemlich schwer . Der Alte , der seinen Kampf beobachtet hatte , fuhr fort :