. Diese Weise sagte ihr gar nicht zu und war bisher unbekannt gewesen in ihrem Hause . Daher gedachte sie solche Frühlingsschwalben , die mit dem neuen Künstlerleben so zeitig einzogen , am besten zu vertreiben , wenn sie mich die Unbequemlichkeit eine Zeitlang fühlen ließe . Ferner hatte ich um die Zeit einen feurigen und lebhaften Freund , welcher meine Neigungen stärker teilte als alle anderen Bekannten , viel mit mir zeichnete und poetisch schwärmte und , da er noch die Schulen besuchte , reichlichen Stoff von da in meine Kammer brachte . Doch war unser Verkehr mehr ein prahlerisches Feuerwerk und glänzende Übung genialer und origineller Formen , die wir nachahmend aus Gelesenem erhaschten . Zugleich war er lebenslustig und trieb sich ebensooft mit flotten Leuten in Wirtshäusern herum , von deren Herrlichkeiten und energischen Gelagen er mir dann erzählte . Ich blieb meistens wehmütig zu Hause , da mich meine Mutter in dieser Beziehung äußerst knapp hielt und keine Notwendigkeit einer geringsten Ausgabe dieser Art einsah . Deswegen sah ich dem froh sich Herumtummelnden nach wie ein gefangener Vogel einem in der Höhe fliegenden und träumte von der Freiheit einer glänzenden Zukunft , wo ich eine Zierde der Zechgelage zu werden mir vornahm . Inzwischen aber mißbilligte ich , wie der Fuchs , dem die Trauben zu sauer sind , öfter die Wildheit meines Freundes und suchte ihn mehr an meine stille Wohnung zu fesseln . Dies verursachte manche Mißstimmung zwischen uns , und ich freute mich endlich innerlich seiner Abreise in die Ferne , welche zu einem feurigen Briefwechsel die willkommene Gelegenheit gab . Wir erhoben nun unser Verhältnis zu einer idealen Freundschaft , nicht getrübt von dem persönlichen Zusammensein , und boten in regelmäßigen Briefen die ganze Beredsamkeit jugendlicher Begeisterung auf . Nicht ohne Selbstgefälligkeit und Absicht suchte ich meine Episteln so schön und schwungreich als immer möglich zu schreiben , und es kostete mich viele Übung im Nachdenken , meine unerfahrene Philosophie einigermaßen in Form und Zusammenhang zu bringen , weil die bisher erworbene Gestaltungskraft beim Zeichnen und damit verbundene Einsicht in meine Schreibübungen überging und mich auch ohne Logik ein Bedürfnis von Harmonie empfinden ließ . Leichter wurde es , den ernsten Teil der Briefe in ein Gewand ausschweifender Phantasie zu hüllen und mit dem bei meinem Jean Paul gelernten Humor zu verbrämen ; allein wie sehr ich mich auch erhitzte und allen meinen Eifer aufbot , so übertrafen die Antworten des Freundes dieses alles jedesmal sowohl an reiferen und gediegenen Gedanken als an feinerm und gewähltem Witze , der mir beschämend das Schreiende und Unruhige meiner Ergüsse hervorhob . Ich bewunderte meinen Freund , war stolz auf ihn und nahm mich doppelt zusammen , indem ich mich an seinen Briefen bildete , derselben würdige und ebenbürtige Sendungen aufzubringen . Doch je mehr ich mich erhob , um so höher und unerreichbarer wich er zurück , wie ein glänzendes Luftbild , nach welchem ich fruchtlos zu schlagen strebte , ich rang gleichsam mit einem neckischen Heldenschatten . Dazu trugen seine Gedanken die abwechselndsten Farben gleich dem ewigen Meere , ebenso reizend launenhaft und überraschend und ebenso reich an Quellen , die aus der Tiefe , von Gebirgen herab und vom Himmel zugleich zu strömen schienen ; ich staunte den fernen Genossen an wie eine geheimnisvolle großartige Erscheinung , deren herrliche Entwicklung von Tag zu Tag Größeres versprach , und rüstete mich allen Ernstes , an ihrer Seite ins Leben hinaus möglichst Schritt zu halten . Da fiel mir eines Tages Zimmermanns Buch über die Einsamkeit in die Hände , von welchem ich schon viel gehört und das ich deshalb nun mit doppelter Begierde las , bis ich auf die Stelle traf , welche anfängt » Auf deiner Studierstube möchte ich dich festhalten , o Jüngling ! « Jedes Wort ward mir bekannter , und endlich fand ich einen der ersten Briefe meines Freundes hier wortgetreu abgeschrieben . Bald darauf entdeckte ich einen andern Brief in Diderots unmaßgeblichen Gedanken über die Zeichnung , welche ich bei einem Antiquar erworben , und fand so die Quelle jener Schärfe und Klarheit , die mir so imponiert hatten . Und wie lange getrennte Ereignisse und Zufälle plötzlich haufenweise zutage treten und sich ein verabredetes Rendezvous zu geben scheinen , so trat nun rasch eine Entdeckung nach der anderen hervor und enthüllten eine seltsame Mystifikation . Auch spürte ich den Büchern nach , von denen er in seinen Briefen beiläufig erwähnte . Ich fand Stellen aus Rousseau wie aus dem Werther , aus Sterne und Hippel sowohl wie aus Lessing , glänzende Gedichte aus Byron und Heine in briefliche Prosa umgewandelt , sogar Aussprüche tiefsinniger Philosophen , die , unverstanden , mich mit Achtung vor dem Freunde erfüllt hatten . Mit solchen hellen Sternen hatte ich ohnmächtig gerungen ; ich war wie vom Blitz getroffen , ich sah im Geiste meinen Freund über mich lachend und konnte mir seine Handlungsweise nur durch eigenen Unwert erklären . Doch fühlte ich mich schmerzlich beleidigt und schrieb nach einigem Schweigen einen spöttischen und anzüglichen Brief , mittelst dessen ich seine angemaßte geistige Herrschaft abzuwerfen , doch nicht unsere Freundschaft aufzuheben , vielmehr ihn zu treuer Wahrheit zurückzuführen gedachte . Allein mein verletzter Ehrgeiz ließ mich zu heftige und spitzige Ausdrücke wählen , mein Gegner hatte sich nicht über mich lustig machen , sondern nur mit wenig Mühe meinem Eifer die Waage halten wollen , wie er sich auch nachher , in ernsteren Dingen , immer mit solchen Mitteln zu helfen suchte , obgleich er die Talente zu wirklichem Streben in vollem Maße und daher auch Selbstgefühl besaß so kam es , daß er , um seine Verlegenheit zu bedecken und ärgerlich über meine Auflehnung , noch gereizter und beleidigter antwortete . Es stieg ein mächtiges Zorngewitter zwischen uns auf , wir schalten uns rücksichtslos , und je mehr wir uns zugetan gewesen , mit desto mehr Aufwand und tragischen , feindlichen Worten kündeten wir uns plötzlich die Freundschaft auf und bestrebten