wirklich den Prinzen zu treffen , nun erst recht dadurch bestätigte , daß er betroffen über die Kühnheit , ihn zum Mitschuldigen eines jedenfalls auf dem Schlosse für einen verdächtigen Menschen genommenen Abenteurers zu machen , sagte : Mein Herr ! Wie kommen Sie - Bartusch fühlte aber sogleich , daß er sich nicht gut ausgedrückt hatte , wenn er überhaupt das vermeintliche Incognito des in Dankmar vorausgesetzten Prinzen Egon schonen wollte . Er verbesserte sich daher rasch , indem er sagte : Fräulein Melanie , die , weil wir den Frauen alle Aufregung ersparen wollten , den Arrestanten nicht gesehen , erzählte gestern vom Zusammentreffen mit Ihnen im Walde . Sie erwähnte dabei eines Begleiters in blauer Blouse , der allerdings derselbe zu sein scheint , den Herr von Harder soeben verhaften ließ .... Blaue Blouse ? sagte in schmerzlicher Verwirrung Dankmar , und doch auch von der Möglichkeit ergriffen , daß ihn ein Fremder dupirt hätte . Lichtbraunes Haar ... ? Ein Kinnbart , fügte Bartusch hinzu , wie man ihn nur in Paris zu ziehen pflegt .... Es ist der Prinz ! rief es in Dankmar mit unwiderstehlicher Gewißheit . Seine Sehnsucht , klar zu sehen , dem Prinzen beizustehen , beflügelte sich , jemehr Bartusch ihm lästig wurde .... Werden wir die Ehre haben ? fragte Dieser lauernd . Ich bin ermüdet , entgegnete Dankmar leicht und fast abstoßend . Entschuldigen Sie mich ! Ich habe früh schon das Lager verlassen , einen tüchtigen Spaziergang gemacht und bitte mich zu entschuldigen ... ja , ja , entschuldigen Sie mich ... Aber .... Mein lieber Herr ! Sie sehen ja ! Ich bin gar nicht ausgestattet , Besuche bei Damen zu machen . Sowie ich hier bin und stehe .... Wozu bedürfte es der Förmlichkeiten ? sagte Bartusch verschmitzt . Ein Mann von Welt wird aus jeder Hülle erkannt , wie ich auch an dem vermeintlichen Tischler sogleich erkannte , daß er wol der Kammerdiener , vielleicht auch der Freund eines Prinzen sein könnte , wenn nämlich ... das Incognito .... Kammerdiener ? Freund eines Prinzen ? wiederholte Dankmar von einer Ahnung ergriffen . Wie meinen Sie Das ? Wenn nämlich ... Bitte recht sehr ... Also ... Können wir auf die Ehre rechnen ? war die Antwort Bartusch ' s , der sich nicht , wie man sieht , ganz an Melanie ' s Vorschriften hielt und grade in jene Zeichensprache überging , die Hamlet an Rosenkranz und Gyldenstern so sehr tadelte . Wetter , dachte Dankmar bei sich und wandte sich ab , wenn man dich wol gar selbst für den Prinzen Egon nähme und den Gefangenen ... für deinen Vertrauten ? Und indem er noch darüber nachsann , welche Vortheile oder Nachtheile für ihn oder den wahren Prinzen aus einem solchen Misverständnisse entstehen könnten , sammelte sich seine juristische Geistesgegenwart zu einer bedachteren Erklärung ! Mein Herr , sagte er kurzweg , richten Sie der Frau Justizräthin meine ergebenste Empfehlung und mein Bedauern aus , diesen Mittag auf die Ehre verzichten zu müssen . Ich höre von einem Gefangenen , der sich auf mich beruft , mich sprechen will . Ich bin Dankmar Wildungen , Referendar am königlichen Appellhofe , lernte auf meiner Hierherreise einen jungen Handwerker kennen , den ich aus Rücksicht auf die erst staubigen , dann nassen Wege in meinen Wagen nahm . Ist der Gefangene derselbe und beruft sich auf mich , so bin ich es meiner Pflicht als Jurist schuldig , ihn in seiner Haft zu besuchen und ihm meinen Rath und Beistand zu ertheilen . Wenn die freundlichen Bewohner des Schlosses mir aber bis zum Abend ihre wohlwollenden Gesinnungen erhalten wollen und mich nicht noch anderweitige Gründe bis dahin zur Abreise bestimmen , so werd ' ich nicht verfehlen , mich bei Ihnen zum Thee einzufinden . Haben Sie die Güte , Dies der Frau Justizräthin anzuzeigen . Dankmar verbeugte sich leicht , brach rasch ab und ging in die Krone . Bartusch stand verdutzt . Diese runde Abfertigung ! Diese raschen , ihm eingelernt scheinenden Worte ! Diese Namenangabe ! Dankmar Wildungen ! Referendar am königlichen Appellhofe .... Wildungen ! Derselbe Name , der schon in des Justizraths Signalement genannt worden war ! Woher kommt Das ? dachte er . Wildungen ? ... hat der Justizrath vielleicht ... der Justizrath hat ihm wol selbst diese Ähnlichkeit auf dem Heidekruge angedeutet und nun benutzt sie der Prinz ... denn er ist es , jedes Wort ein Fürst ! ... und nennt sich Dankmar Wildungen . Diese kurze , fast brüske Art , dieses bestimmte , sozusagen grobe Wesen , diese Betroffenheit über die Verhaftung eines mindestens sehr neugierigen Eindringlings in die innern Räume des Schlosses ! ... Bartusch blieb bei der Voraussetzung , daß , wenn einmal der Prinz Egon im Incognito das Schloß Hohenberg zu besuchen sich aufgemacht hätte - wofür Schlurck ohne Zweifel die sichersten Beweise hatte - der Prinz Niemand anders sein könne als dieser Fremde , der sich nach Mittheilungen , die Schlurck wahrscheinlich schon im Heidekrug selbst erzählt hatte , ein Geschäft mit einem verlorenen Frachtgute mache und sie Alle irreführen wolle . Sehr erbaut von seinem Scharfsinn , unzufrieden nur mit der Erklärung des Fremden , erst am Abend kommen zu wollen , stieg Bartusch , um der in brennender Ungeduld harrenden Melanie Bericht zu erstatten , schon heute zum zweiten male wieder zum Schloß empor . Dankmar aber wartete jetzt nur noch das allmälige Verlaufen der Leute ab , um sich sogleich zum Justizdirector von Zeisel und von da zum Thurm zu begeben . Kaum konnte er sich fassen über den Gedanken , wie ein so unglückliches Begegniß auf den jungen hochgestellten Mann , der ihm sicher der Prinz Egon von Hohenberg war , hereinbrechen und auf ihn wirken mußte . Überfallen , dachte er sich , vielleicht mishandelt , unter Zulauf der Menschen wie ein Verbrecher durch den Ort geführt ! .. Diese Besorgniß milderte jedoch der Wirth , der