unvorsichtig mit offenem Lichte in brennbaren Stoffen herumgefahren oder hatte Holz eingelegt wider allen Befehl , nur damit sie am Morgen eine Minute oder zwei länger faulenzen könnte . Kurz alle Augenblicke war so was los , und das höchste Wunder war , daß das Haus ihnen nicht längst über den Köpfen zusammengebrannt war . Nun ist auf der Welt kaum was peinvoller als die Angst vor Feuer , besonders wenn es Abend wird und Nacht . Man geht noch allenthalben herum und forscht , ob nichts Verdächtiges sei ; hat man die Runde gemacht , so riecht man entweder was Verdächtiges oder hört Töne wie Knistern , Spretzeln und fängt die Runde von neuem an , legt sich endlich zu Bette , hat aber kaum den Kopf auf dem Kissen , so fährt man von neuem auf , denn jetzt hat man es gar zu deutlich gehört , wandert frisch im Haus herum und findet nichts , legt sich wieder nieder , schläft ein , träumt , das Haus brenne , ist an Händen und Füßen gebunden , kann nicht aus den Flammen . Hat man sich endlich nach schrecklichen Qualen freigerungen , springt auf in Schweiß gebadet , so ist all nichts , nichts als Nacht und nirgends Flammen , man hat bloß geträumt . Ja , das sind Qualen , welche nur der kennt , welcher mal diese Angst vor dem Feuer so recht im Leibe gehabt hat . Dazu kam noch der Prozeß , welcher in vollem Gange war . Der kleine Handel war von kundigen Mäulern zu einer großen Geschichte aufgeblasen worden . Wenn Vreneli vom Feuer träumte , träumte Uli vom Prozeß , plädierte manchmal im Traume dem besten Advokaten zTrotz , redete von Terminen , Beweisen , Zeugen und Leumden . Es ging Uli , wie es den Meisten geht , wenn sie zum erstenmal mit einem Prozesse behaftet werden : der Prozeß frißt sich in ihre Seele , bildet den alleinigen Mittelpunkt ihrer Gedanken . Tage- , wochenlang buchstabieren sie denselben bald vorwärts , bald rückwärts , schlagen mit einzelnen Paragraphen , welche ihr Agent sie gelehrt , wie mit Knütteln drein , verlieren Mut und Sinn für andere Sachen , kommen sich nebenbei sehr wichtig vor , dieweil sie einen Prozeß haben , welchen ja nicht jeder hat , meinen , ihr Prozeß müsse allen Menschen ungeheuer wichtig vorkommen ; darum geben sie ihn männiglich zum besten , der ihnen auf Schußweite nahe kömmt . Dazu kömmt noch ein gewisses Bangen über den Ausgang ; dessen sind sie im Herzen doch nicht so ganz sicher , wie ihr Mund es ausspricht , sie suchen daher dieses Bangen durch die Urteile zustimmender Menschen zu beschwichtigen . Nun werden allerdings mit seltenen Ausnahmen alle , denen man in Wirtshäusern , auf Straßen während dem Kirchengehen oder Marktgeläufe den Handel vorträgt , dem Erzähler vollkommen recht geben . » Nur ausgefahren , « wird es heißen , » du hast recht , deren Händel habe ich schon hundertmal erlebt , kenne die Sache , ds Land auf , ds Land ab Keiner besser ; aber glaubst mir nicht , so frage noch Andere . « Nun geht der Prozeßmann glücklich heim , schläft diesmal ruhig , aber am andern Morgen fängt das Bangen schon wieder an zu wurmen ; er läuft wieder einer Bestätigung nach , freilich keiner richterlichen , aber doch einer , welche ihm wohl macht einige Stunden und zu einer ruhigen Nacht verhilft , denn den Meisten hängt vom Ausgang eines Prozesses ihre Existenz ab . Der Wert , um den prozediert wird , mag vielleicht bloß einige Groschen betragen , aber die Kosten , welche auf den verlierenden Teil fallen , können rasch auf einige hundert Gulden steigen ; die Herren Advokaten wissen noch ganz andere Rechnungen zu stellen als die Herren Schneider , welche gewöhnlich an die Rechnung setzen , was sie zu wenig ans Kleid gesetzt ; es ist halt so ein kleiner Verschuß , dem sie unterworfen sind , so von Handwerks wegen . Man hat Beispiele im Kanton Bern , daß Prozesse wegen einem Ei und wegen einer Strohbürde über zehntausend Gulden kosten . Ja , zehntausend Gulden machen eine Summe aus , welche ins Tuch geht und selten einer in der Hosentasche mit sich trägt . Indessen muß man das doch den meisten Herren Advokaten nachreden , sie nehmen bloß die Wolle , selten die Haut dazu , sie sind kluge Schafscherer ; diese schinden die Schafe auch nicht , sondern scheren sie bloß , denn wenn sie die Schafe schinden täten , so wüchse keine Wolle mehr nach und das Scheren wäre ein- für allemal aus , tut man aber klüglich , so kann man alle Jahre frisch dran sein , bei Schafen mit gröberem Haar sogar zweimal im Jahr . Probiere aber einmal einer , diesen Rat machten wir dringlichst geben , und trage immer seines Gegners Sache als die seine vor , und zwar so scharf und bündig , als sie seines Gegners Rechtskundius vorträgt , und höre dann auf das Urteil der Menschen ! Unter zehn werden ihm wiederum neune recht geben und sagen : » Du hast recht , fahr aus , es fehlt dir nicht , habs schon hundertmal erfahren ! « Dann weiß er , woran er ist und was an dem Urteil der Menge ist . Nun , das tat eben Uli nicht , er lief auch dem Urteil der Menge nach , um sich zu trösten ; die Summe , welche nach und nach sich aufs Spiel stellte , war nicht unbedeutend , betrug schon mehr als doppelt so viel , als die ganze Kuh wert war . Ulis Agent hatte ihm schon mehr als einmal gesagt : » Wenn du mir etwas Geld auf Abschlag geben könntest , so wäre es mir anständig ; es sind böse Zeiten , es geht nichts ein , und gewiß , weißt wohl , läuft jede Sache besser gesalbet