solcher Herr ! Ob er es ihr wohl nachtragen würde ! - Aber er hatte es ja nicht anders gewollt . - Und Ihr Herr ! Wo mochte der wohl liegen ? Vielleicht bei den Vettern im Havellande . Da kriegt er genug ; es schadete denn auch nichts , wenn der Kaspar ihn nicht mehr getroffen . Der Kaspar würde wohl für sich die Blutwürste essen . Ausverschämt war er nicht , die Gans würde er wohl wieder mitbringen . - Und welch ein Glück es noch war . Wenn Götz in ' s Scheuern gefahren wäre , das hätte ein Unglück gegeben . Es war am besten , daß alles so gekommen , wie es kam . - Der Kurfürst war doch ein sehr feiner Herr ! - Vielleicht war er auch kurzsichtig , und hatte nicht Alles so gesehen . - Wenn doch ihr Götz auch so wäre ! - Na , man muß zufrieden sein , wie man ' s hat . - Ob wohl im kurfürstlichen Schloß auch gescheuert wurde ? Denken konnte sie sich ' s nicht recht , aber es mußte doch wohl sein . Der Gedanke wollte ihr gar nicht aus dem Kopf . Und wenn der Kurfürst dann zu früh nach Hause kehrte , und die Treppen schwammen , - und die Kurfürstin - Dummes Zeug ! Sie wandte den Kopf : Die Kurfürstin würde nicht scheuern lassen , und es gab ja gar keine Kurfürstin . Aber nun wollte ihr die Kurfürstin nicht aus den Augen , wie sie oben auf der Treppe stand , und ängstlich ihrem heimkehrenden Herrn entgegen sah , und die Kurfürstin sah gerade aus , wie ihre Tochter Eva . Sie faltete ihre Hände : » Ach Jungfrau Maria , bewahre mich vor der Sünde . « Die Käuzchen , die beim Scheuern hinausgejagt waren , heulten vor dem Fenster . Da kam ein neuer Gedanke , der ihr Angstschweiß entlockte : Ach , der arme Herr von Lindenberg ! Vom Gefolge des Fürsten hatte sie endlich von der Geschichte gehört , wenigstens den notdürftigsten Zusammenhang und das schreckliche Ende . Damals hatte sie keine Zeit , darüber zu denken , sie hatte sich ' s aufgespart , bis sie allein wäre . So ein lieber , guter , feiner Herr , und ihr Verwandter , und so schrecklich zu enden ! Sie sah die Raben flattern , sie hörte sie krächzen ; sie schloß die Augen , und steckte den Kopf unter die Decke . Aber eigentlich taugte er auch nicht viel ; er hatte eine glatte Zunge und glatte Haut , aber kein Herz für Freundschaft . Hatte er sich um sie gekümmert , bis Wind und Wetter nach langen Jahren ihn in ihr Haus verschlugen ? Und da war er ' s ja , der die Geschichte angezettelt . Wie Vieles wurde ihr da mit einem Male klar . Ihre Ziehkinder wollte er verführen , ihren Götz hatte er in ' s Unglück gebracht ; er allein . O , er war ein grundschlechter Mann , vom Teufel besessen . Sie hatte es ihm auch schon angesehen , als er , noch ein schöner , junger Herr , um alle Fräulein scharwenzelte . O , er verdiente nein ein so schreckliches Ende gönnte ihm die gute Frau doch nicht . Hätte er nur Gottesfurcht gehabt , und dann das Hofleben ! Ihr Hans Jochem hatte auch gar zu gern an den Hof gewollt . Den hatte Gott dafür gestraft , und wie gnädig ! Nun war die Gottesfurcht mit dem zerbrochenen Beine ihm mit einem Male aufgegangen . Und die arme Agnes ! Nun , die wird für sie Alle im Kloster beten . Das Kloster war arm . Ob ihr wohl das viele Fischessen bekommen würde ? Daß das zur Gottesfurcht gehöre , konnte sich Frau von Bredow nicht denken . Die Aebtissin war keine strenge Frau , man könnte ja dem Kinde dann und wann was Eingesalzenes schicken . Und der Dechant wollte ja der heiligen Agnes einen Altar stiften . Sie hatte das Sündengeld zwar zurückgewiesen , aber ob es denn nun nicht besser sei , schlechtes Geld zu einem guten Zwecke zu nehmen , als daß er ' s zu schlechten Zwecken durchbringe ? Das Geld konnte ja nichts dafür , daß der Dechant es dem Lindenberg abgenommen . Sie kam zu einem Vergleich zwischen ihrem Gewissen und ihren Wünschen . Wenn von dem Lindenberg ' schen Gelde ein Altar der heiligen Agnes gestiftet würde , so sollten vor demselben täglich drei Seelenmessen für den todten Herrn von Lindenberg gelesen werden . So legten sich die Stürme , so verglichen sich die widerstrebenden Gedanken , und nur der an Hans Jürgen quälte sie noch , als ihre Augenlider sich immer fester schlossen , ihre Brust immer ruhiger athmete . Was sollte aus dem Jungen werden ? Seinen Trotz konnte ihm der Fürst nimmermehr hingehen lassen . - Er wird wohl noch ein kläglich Ende nehmen ! - Der Fürst wälzte sich und röchelte . Der Bernsteindampf erstickte ihn . Vergebens rief sie , er möge nicht sorgen , der Zug durch Schlott und Treppen werde die böse Luft forttreiben . Eine unsichtbare Gewalt hielt sie fest und schnürte ihre Kehle . Sancta Katharina , er erstickt in unserm Haus , und uns schelten sie Mörder . Der Fürst war nicht erstickt , er war aufgesprungen , die Thür hatte er aufgerissen und fand seinen Wächter schlafend . O der freche Bube , er widersetzte sich , er schlug auf seinen Fürsten . » Hans Jürgen ! Hans Jürgen ! « Noch versagte ihr die Stimme . Aber jetzt sprang das Band : » Gnade , Barmherzigkeit ! Mein armer Hans Jürgen ! - Ach am Galgen ! « » Hans Jürgen ! « schrie eine andere Stimme , aber nicht mit der durchdringenden Ängstlichkeit . Hell und froh rief sie : » Hans Jürgen , so fange doch