ihn Agnes , laut aufweinend , und nun thue ich Ihnen leid . Du liebst mich ? Du junger , schöner Engel liebst mich ! rief er in innigster Freude und zog sie in seine Arme . Sage mir das noch einmal , noch einmal , damit ich es glaube . Sie ruhte an seiner Brust und er küßte die Thränen von ihren Wangen . Zu Therese , o kommen Sie zu Therese ! bat Agnes , sobald sie sich aus dem ersten Rausche des Entzückens gerissen hatte . Es kommt mir wie ein Unrecht vor , daß Sie mich lieben nach ihr . Was bin ich neben ihr ? Ein schöner , reiner Engel ! rief Theophil , und bald mein theures Weib ! Wie wird sich Therese freuen , wie glücklich werden meine Eltern mit der Tochter sein , die ich ihnen zuführe . Agnes , nur noch einmal sage mir ' s , daß Du mich liebst . Ich liebe Dich , sagte sie schüchtern , dann , von ihrem Gefühl gehoben , warf sie ihre Arme um seinen Hals und rief mit so freudiger Zärtlichkeit : O unaussprechlich liebe ich Dich ! daß sein Herz davor erbebte . Er führte sie zu Therese ; diese vermochte anfangs seinen Worten nicht zu glauben . Denn selbst die klügsten Frauen begreifen es nicht leicht , wie schnell die Umwälzungen in dem Herzen des Mannes vor sich gehen . Im Frauenherzen gibt es zwar ein plötzliches Erglühen der Liebe , aber kein plötzliches Welken und neues , schnelles Werden . Jedes Gefühl läßt in dem Frauenherzen seine tiefen Spuren zurück , der Mann , den eine Frau einmal geliebt , hört nie völlig auf , in ihrem Herzen fortzuleben und nur mühsam und schwer vermag ein Anderer den Platz auszufüllen . Anders empfindet der Mann . Theophil schwelgte in dem Gedanken an die junge , schöne Geliebte und er schien es nicht zu ahnen , daß , ihr selbst vielleicht kaum merkbar , ein leises Gefühl von gekränkter Eitelkeit sich in Therese regte , als er ihr unverhohlen seine Freude und sein Glück verkündete . Und in der That währte die unbehagliche Empfindung Theresen ' s nur wenig Augenblicke . Das Glück des jungen Paares that ihr wohl , wenn schon eine Besorgniß für des Bruders Zukunft in ihr daraus erwuchs . Sie bat ihre jungen Schützlinge , ihr Bündniß dem Präsidenten noch zu verschweigen , versprach die Freiwerberin bei den Eltern des ihr anvertrauten Mädchens zu machen , und verlangte von Theophil , daß er unter irgend einem Vorwande sich entferne , bis die Antwort derselben angelangt sein würde . Er fügte sich ihrem Wunsche und es ward nun einsam in dem Hause . Agnes trug ihre stillen Hoffnungen froh in ihrer Brust und vermochte kaum den Jubel ihres jungen Herzens zu verschweigen . Julian , je wohler und kräftiger er sich fühlte , ward mehr und mehr von der Schönheit und Liebenswürdigkeit des Mädchens ergriffen , die sich nun in doppeltem Glanze entwickelten , und Therese sah dies Wohlgefallen ihres Bruders an dem jungen Mädchen mit geheimer Scheu . Es drängte sie deshalb , Julian vor einer schmerzlichen Täuschung zu bewahren und ihm zugleich zu verkünden , welche Wendung ihr eigenes Schicksal während seiner Krankheit genommen hatte . Eines Tages , als sie allein beisammen saßen , holte sie Alfred ' s Brief herbei und las ihn dem Präsidenten vor . Julian hörte ihn mit sichtlicher Genugthuung . Als Therese geendet hatte , umarmte er sie und sagte : Alfred hat das Rechte gethan und Ihr werdet glücklich sein . Es gibt Entschlüsse , die aus voller Ueberzeugung , aus innerster Seele hervorgehen müssen , und Thaten , wegen deren man Niemand Rechenschaft schuldig ist als sich selbst . Die Trennung einer Ehe ist eine solche . So lange ich ihn unentschlossen , leidenschaftlich erregt sah von der Liebe zu Dir , rieth ich ihm ab , sich von der Frau zu trennen . Diese Liebe konnte vorübergehend sein , er konnte möglicher Weise die Kraft haben , sie zu überwinden . Der Widerwille gegen Caroline , die Mißverhältnisse zwischen den Gatten aber sind nicht zu vertilgen , und deshalb hat er nur die Pflicht , sich von seiner Frau zu trennen , und das Recht , Dich und sich glücklich zu machen , so glücklich , als ich Euch zu sehen wünsche . Er fragte Therese nach manchen Vorgängen , welche während seiner Krankheit geschehen waren ; man gedachte mehrfach der Vergangenheit und Therese erinnerte ihn an den Abend , an dem sie mit so banger Besorgniß der Ankunft von Agnes und Theophil entgegengesehen hatte . Nun sind die Beiden uns so werth geworden , sagte sie , haben uns nur Gutes gebracht , und grade ich , die mein Schicksal mit dem Deinen unlöslich verbunden geglaubt hatte , trenne mich nur von Dir , mein Bruder ! - Daß dieß geschehen könne , hätte ich niemals geglaubt und am wenigsten , daß ich so glücklich dabei sein würde . Ich hatte allen Ansprüchen an das Leben entsagt , ich hielt mich für zu alt , um hoffen zu dürfen . Zu alt ? fragte Julian . Was würdest Du denn sagen , wenn ich Dir bekennte , daß ich mich nicht für zu alt erachte , noch zu hoffen und mir eine neue Zukunft zu gründen , wenn Du mich verläßt . Ich habe - - Julian ! fiel ihm Therese mit ängstlicher Eile ins Wort , Du stehst noch nicht am Ende der Ueberraschungen . Sie wollte nicht , daß er vor ihr seine Neigung für Agnes gestehe , da sie unerwidert geblieben war . Ein Gefühl von Stolz für den Bruder machte ihr Schmerz . Sie wünschte ihm die Kränkung zu ersparen , die Jeder empfindet , wenn er von einer verschmähten Liebe sprechen muß . Ich bin nicht die einzige Braut in Deinem Hause , sagte sie , auch Agnes hat sich