und dies ist der Beginn , daß der ganze Mensch sich da hinübertrage ; es ist nicht zu verachten , daß im Unmündigen sich der Trieb zum Licht regt . - Und darum mein ich , daß kein Gedicht ohne einen Wert sei . Gewiß , jedes Gefühl , so einfach oder auch einfältig es geachtet werden könnte , so ist der Trieb , es sittlich zu verklären , nicht zu verwerfen , und manchen Gedichten , die keinen Ruf haben , habe ich doch zuweilen die Empfindung einer unzweifelhaften höheren Wahrheit oder Streben dahin angemerkt , - und es ist auch gewiß so . Die Künstler oder Dichter lernen und suchen wohl mühsam ihren Weg , aber wie man sie begreifen und nachempfinden soll , das lernt keiner , - nehme es doch nur so , daß alles Streben , ob es stocke , ob es fließe , den Vorrang habe vor dem Nichtstreben . - Gute Nacht , für heut kann ich nicht mehr sagen ; nicht alles , ist mir gleich deutlich in Deinem Brief , Du sagst mir wohl über manches noch mehr oder dasselbe noch einmal . - Der Ton in der Sprache tut auch viel zum Verstehen , wären wir beisammen , würde sich leichter und vielseitiger ergeben , was wir wollen und meinen , und auf den Sprachgeist vertraue ich auch schon , daß er uns nicht verlassen würde . - Himmlische Nächte sind hier - winddurchbrauste , und Gewitter , die Sommer und Herbst auseinander donnern . - An die Günderode Du führst eine heilige Sprache , Du bist heilig , wenn Du sprichst ; in Dir fühl ich den Rhythmus , der deinen Geist trägt zu höherer Erkenntnis ; - und ich fühl , daß die Güte , die Milde die Erzeugerin ist all der reinen Wahrheit in Dir , wie Du ihr Abdruck bist ; wollt ich doch nicht alles auf einmal sagen , so wär ich deutlicher , Du bist mäßig , drum ist alles so überzeugend , was Du sagst ; wüßt ich doch noch , was ich Dir geschrieben hab , nur um Dich wieder zu hören , mag ich denken , nur daß Du aus dem Anklang meines Geistes Melodien bildest . Jeder Ton besteht für sich , aber er bildet durch den Anklang mit andern Tönen Melodien , Gedanken . Aus allen Melodien , aus allen Gedanken besteht die Geistesallheit , die Gottespoesie , die Philosophie . - Es ist Gottespoesie , Harmonie , die den Gedanken die Melodie erzeugt , sie hebt sich aus dieser , wie aus den Frühlingselementen die Blüte ersteigt , der blühende Geist steht mitten im Frühlingsgarten der Poesie . - Musik ist sinnliche Natur der Geistesallheit . Wir möchten wissen , was Musik ist , die so fühlbar ist und doch so unbegreiflich - das Ohr rührt und dann das Herz und dann den Geist weckt , daß der tiefer denke . Sie ist die sinnliche Geistesnatur ; aller Geist ist sinnenbewegter Leib des Geistigen , ist also auch Musik , drum sind Gedanken in der Musik unwillkürliche , sie erzeugen sich in dieser Sinnenregung der Seele . - Ach , Worte fehlen - und zu allseitig dringt es auf mich ein - und es bangt mir um den Ausdruck von dem , was mir in der Seele blitzt - und hab Angst , der könne meinen Begriff umtauschen - und - » o gib vom weichen Pfühle träumend ein halb Gehör ! « so leiert ' s im langweiligen Hintergrund meiner schlummernden Denkkraft , und dann wühle ich mich ein bißchen aus meiner Faulheit heraus und lausch träumend dem Traum , und dann singt ' s wieder bei der Gedanken Spiele , - ach schlaf , was willst du mehr . Wenn eine schlummernde Ahnung wach wird in der Musik , da breiten sich alle Gefühle mächtig aus , und jeder Ton spricht verstärkte Empfindung aus , und ein inneres Streben zum Höheren , zum Bemächtigen gewaltigerer Fähigkeiten begleitet den rhythmischen Gang , ja wird von ihm geleitet , ich hab ' s erfahren : Bei meinem Saitenspiele segnet der Sterne Heer die ewigen Gefühle . - Und so wahr ist ' s , daß aller Geist sinnliche Musik ist , daß wie in der Harmonie jedes Bewegen eines Tons neue Wege öffnet oder , wenn ich in andern Beziehungen nur augenblicklich vorempfinde , so dringt die Harmonie wie durch neu geöffnete Bahn mächtig ein , so ist im Geist jedes Vorempfinden eines inneren Zusammenhangs mit ferner liegendem ein ewiger Harmonienwechsel , und die Melodie der Gedanken weicht aus den engeren Schranken zu höherer Anschauung . Die ewigen Gefühle heben mich hoch und hehr aus irdischem Gewühle . - Und so ist alles , was unabweisbare Wahrheit ist , in ewig wechselnder Lebensbewegung - und ich fürcht mich vor dem Denken so allein . - Wenn wir beisammen wären ! Da teilen wir uns , und durch Dein Begreifen gibst Du meinem Geist die Fassung , der muß nach dem sich richten , und dann hab ich auch Ruhe und Versichrung im Geist , daß ich mich ausdrücken lerne : Vom irdischen Gewühle trennst Du mich nur zu sehr , bannst mich in diese Kühle . Und könnten wir doch immer zusammen sprechen , der lieblichen Unordnung entsteigt alles . - Ja , da fühl ich , wie das ist , daß der Geist aus dem Chaos aufstieg , nehm ' s nicht zu genau . Gib nur im Traum Gehör , ach , auf dem weichen Pfühle schlafe ! Was willst Du mehr ? An die Bettine Denn ; wie auch das Allebendige sich berühre , es entsteigt Wahrheit aus ihm , aus dem chaotischen Wogen und Schwanken entstieg die Welt als Melodie ? - Caroline An die Günderode Ja ! Und alle Sterne sind Melodien , die im Strom der Harmonie schwimmen , Weltseelen , die den Geist Gottes hervorblühen , Töne , die mit verwandten